Abschaffung der DemokratieWas ist Faschismus?

Faschistische Bewegungen leben von einem Nebel unterschwelliger Einstellungen, einem Kult der Härte und einer Freude an der Gemeinheit.

Faschisten muss man nicht wörtlich, aber ernst nehmen: Protest gegen die Gründung des Berliner Jugendverbands der AfD am 07.02.2026 Foto: Florian Boillot

D ie USA, das Trump-Regime, ICE und die Maga-Irren – ist das schon Faschismus? Sind auch die rabiaten Rechtsparteien in Europa faschistisch, die sich jedenfalls teilweise vom Rechtspopulismus über den Rechtsextremismus immer weiter radikalisieren? Die Frage wird von immer mehr Forschern mit Ja beantwortet. Die flott und vorschnell vorgetragene Gegenmeinung lautet, dass Demokratie und Rechtsstaat ja nicht ausgeschaltet seien, noch nicht einmal in den USA und schon gar nicht in Europa, wo die meisten der beanstandeten Parteien ja in der Opposition oder irgendwelchen Koalitionen sind.

Das ist natürlich ein äußerst dünnes Argument, da alle Faschisten der Weltgeschichte in der Demokratie operierten, bis sie sie abgeschafft haben. Dass ein Faschist in der Opposition kein Faschist ist, wäre eine krause These.

Die Abschaffung von Demokratie, Pluralismus, Menschenrechten und Rechtsstaat geht auch nicht schlagartig vor sich, sondern war in allen historischen Phasen ein mehr oder weniger schleichender Prozess, sogar in Nazideutschland, für das der vertriebene Jurist Ernst Fraenkel in einer legendären Studie den Begriff des „Doppelstaates“ prägte. Noch weit in die späten dreißiger Jahre war der Rechtsstaat durch die Diktatur nicht vollends zertrümmert. Gesetzlosigkeit und Willkür und Rechtsstaat bestanden nebeneinander. Gerichtsentscheidungen, die den Nazis nicht passten, konnten bloß nicht mehr durchgesetzt werden. Denn die Richter haben keine Militärs, die sie losschicken können, die Macht dagegen hat ihre Gestapo, SA, SS, ICE usw.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Es ist also zu billig, den Begriff des Faschismus nur für den totalitären Endausbau eines Terrorregimes zu gebrauchen, aber nicht für die Schritte, die zu ihm führen. Faschismus beginnt nicht mit Auschwitz, er endet damit.

Faschismus beginnt nicht mit Auschwitz, er endet damit

Nicht nur der Faschismus, auch die Faschisten selbst sind gar nicht so leicht zu definieren. Faschistische Bewegungen zeichnen sich durch eine Reihe von Charakteristika aus: Führerkult, paranoide Weltbilder, die permanent geschürt werden, ein absolutes Schwarz-Weiß-Denken, antagonistische Feindbilder, vor allem von Minderheiten, aber auch gegen innere Feinde. Aggression, die unablässig aufgepeitscht wird. Maximale negative Emotionalisierung, um eine Anhängerschaft in eine erregte und wütende Masse zu verwandeln. Die Anhängerschaft wird zur Bewegung erklärt und die Partei zur „Antipartei“, die gegen die „Systemparteien“ steht.

Ein Großteil dieser Charakteristika wird von den rechtsextremen Bewegungen in ihrer Spirale der Selbstradikalisierung zweifelsfrei erfüllt.

Über diese Charakteristika hinaus wird es schwierig, da der Faschismus keine eigene Doktrin hat, wenn man vom (Ethno-)Nationalismus absieht. Der Kollege Robert Pausch hat eben in der Zeit darauf hingewiesen: „Rechte können zugleich Antisemiten und Israelfreunde sein, zugleich Pazifisten und Militaristen, zugleich neoliberal und sozialistisch. Während die Linken permanent unter Scheinheiligkeitsverdacht stehen, hatten die Rechten dieses Problem bislang nicht. Eben weil Konsistenz für sie offenkundig keine Kategorie zu sein schien – und sie auch nie daran gemessen wurden.“

Gegenwärtig schlagen die Ultrarechten, weitgehend unbemerkt von der größeren Öffentlichkeit, wechselseitig aufeinander ein: Die einen sind plötzlich Amerika-Fans und träumen von einer imperialen „Großraumordnung“ im Sinne ihres Idols Carl Schmitt, die anderen können vom hergebrachten rechten Antiamerikanismus nicht so schnell desertieren und umschalten, und dass Deutschland außerdem ein kolonisierter Satrape irgendeiner Hegemoniemacht sein soll, bringen sie mit nationalistischer Gigantomanie auch nicht so leicht unter einen Hut.

Die krassen Inkonsistenzen des Faschismus sind aber gar nicht dessen Schwäche. Etwaige Empfehlungen, auf diese Widersprüche den Finger zu legen, gehen womöglich an der Sache vorbei.

Denn eines ist, sowohl historisch als auch gegenwärtig, das eigentlich Interessante: Dass Faschismus ohne klare Doktrin und ohne fixe Prinzipien auskommt, war immer die Stärke des Faschismus und erklärt teilweise sogar seinen Erfolg. Er operiert geschmeidig unter sich wandelnden Umständen und ist, wie das der US-Faschismusforscher Robert O. Paxton einmal in unübertroffener Eleganz formulierte, ein „Nebel von unterschwelligen Einstellungen“. Eine Stimmung, eine Haltung, die wiederum von Stimmungen genährt wird, die ihr günstig ist. Kult der Härte, Freude an der Gemeinheit und dem Fiesen, der Sadismus und das Herumgeopfer derer, die sich stets zu kurz gekommen fühlen, destruktive Fantasien und die Ausmalung allerlei Grausamkeiten, die man jenen antun möchte, die man für die eigene Unbill verantwortlich macht.

Das ist das Grundrauschen, über dem sich dann jede Meinung zu jedem beliebigen Problem erheben kann – oder auch die Gegenmeinung. Kein einziger Denker, so Paxton, hat je ein philosophisches System des Faschismus entwickelt. Er benötigt es nicht, weil er von „mobilisierenden Leidenschaften“ getragen ist.

Das Theatralische des Faschismus, das Posenhafte von Anführern und Agitatoren hat darin ihre Ursache: Sie können jede Meinung einnehmen, die gerade beim Publikum den größten Erfolg verspricht, solange sie diese mit der faschistischen Emotionalität zu verweben vermögen. Sie sind daher, mehr noch als normale Politiker, Schauspieler des Politischen. Sie können problemlos heute dies, morgen das Gegenteil sagen, und grinsen dabei noch höhnisch ob ihrer altväterlichen Gegner, für die innere Konsistenz wichtiger ist als für sie.

Deswegen auch die Dichte der exzentrischen Showmänner im faschistischen Führungspersonal von Geschichte und Gegenwart. Noch der verbreitete Irrtum, die Faschisten zu unterschätzen, mag darin seine Ursache haben, da man ihnen ansieht, dass sie das, was sie sagen, ja oft nicht ernst nehmen und selbst wissen, dass es haarsträubender Unsinn ist. Aber das ist ein gefährlicher Fehler, denn die Bösartigkeit ist echt, nur die Opfer sind austauschbar, je nachdem, wer gerade am besten passt. Man muss sie ernst, aber nicht wörtlich nehmen.

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Robert Misik
Geboren 1966, lebt und arbeitet in Wien. Journalist, Sachbuchautor, Ausstellungskurator, Theatermacher, Universaldilettant. taz-Kolumnist am Wochenende ("Der rote Faden"), als loser Autor der taz schon irgendwie ein Urgestein. Schreibt seit 1992 immer wieder für das Blatt. Buchveröffentlichungen wie "Genial dagegen", "Marx für Eilige" usw. Jüngste Veröffentlichungen: "Liebe in Zeiten des Kapitalismus" (2018) und zuletzt "Herrschaft der Niedertracht" (2019). Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik 2009, Preis der John Maynard Keynes Gesellschaft für Wirtschaftspublizistik 2019.
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53 Kommentare

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  • Faschismus ist eine Angst-Reaktion. Und zwar gegenüber anderen Menschen, nicht etwa dem Klimawandel oder so. Faschisten sind innerlich schwach und fühlen sich (deshalb) durch andere ständig diffus bedroht. Eine leichte angstlösende Droge im Trinkwasser oder eine glückliche freie Kindheit für alle, und das Problem ist gelöst.

  • In 20,30er Jahren wurde nach 1. Weltkrieg unmittelbarer verhandelt was Faschisten antreibt, die Angst vor dem Aufstand der Massen wie in russischer Oktoberevoltution 1917, Novemberrevolution 1918 im Deutschen Kaiserreich Hinwegfegen absolutistscher Kaiser, Sultan, Zar, Fürsten, ungeordneter Auflösung von Vielvölkerstaaten in anonyme Massen unklarer Zugehörigkeit, die im Kriegsausnahmezustand noch berrschbar schienen. Was tun mit eigener Angst vorm Aufstand dieser Massen, wie es Josè Ortega y Gasset (1883-1955) in gleichnamigem Buch adressierte, das war nicht nur die Agenda von Faschisten sondern bis in demokratische Parteien, Parlamente. Patendlösung waren damals gefragt, wie heute angesichts Bedeutung Social Media globaler Reichweite nicht demkratisch international verfassten unterm Dach der UNO, Lösungen zu organisieren, sondern uneingestanden eigene Angst vor Aufstand der Massen, Auftauchen von Schwarzen Schwänen an Weltfinanzmärkten durch medialeTruppenbetreuung Entertainmaint zu bändigen mit Breaking News Daumen reflexartig Hoch und Runter. Statt auf Gesetze zu schauen die sich aus Despotien, Kriegen in Demokratien gerettet hatten, an die Faschisten legitimiert andockten

  • Was ist faschistisch was ist Faschismus? Da brauchen wir nur bei google gucken und landen bei Benito Mussolini oder heute: Bei Giorgia Meloni. Was sagt uns das? Es geht dabei immer nur um " Wir gegen Die", um den Zusammenschluß von gewaltbereiten, zu allem entschloßenen Menschen, die gegen DIE zu Felde ziehen, um Jagdgebiete für sich zu erobern, Land, Schätze, Frauen. Das ist so seit der Steinzeit und organisiert sich heute eben zeitgemäß. Die deutsche Variante unter Hitler mit seinem Antisemitismus und der durchorganisierten Tötungsmaschinerie ist eine extrem pathologische Ausformung, die fast das gesamte deutsche Volk befallen hatte und auch noch heute befällt, siehe AFD und die gesamte Rechtsextreme. Volkswahnsinn! Den gibt es auch heute noch und wieder, z.B. in Amerika. So haben wir also aneignende Gewalt, die grundsätzlich abzulehnen ist, und abwehrende Gewalt, die plausibel notwendig und hinzunehmen ist. Die RAF berief sich immer auf die Legitimität der abwehrenden Gewalt, und auch heute wird das gerne von bestimmten Gruppen angeführt, aber Abwehr ist erst, wenn es richtig losgeht, siehe Ukraine. Ist das aber nicht nicht soweit, ist Gewalt gegen Gegner nur unverhältnismäßig.

  • Nicht meiner Meinung sein = Faschist.

    Das war ja einfach. Aber ich bin auch damit zufrieden:



    Gegen Menschenrechte sein = Faschist.

    Wenn wir anfangen herumzudiskutieren WAS Faschismus ist anstatt ihn simpel zu definieren, werden wir schnell Menschenfeindlichkeit übersehen, was nicht unter die Definition fällt.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Mit der Anmerkung konnte ich etwas anfangen.



      Zwei Sachen helfen wohl: Sein Verständnis von Faschismus jeweils zu erläutern ("nominalistisch" wohl besser dabei statt "realistisch").



      Ich halte das bei dem Begriff für schwer.



      Ungleichheit, "Willen" und "Macht" ideologisch als hoher Wert, Ablehnung der Demokratie und universaler Rechte, Gewalt und Regelbruch. Solidarität auf mystisch und nebulös überhöhtes "Volk" umleiten und Arbeiter unterdrücken. Ausgrenzung bis Ermordung von "anderen" ...

      Jemand darf anderer Meinung als ich oder Liese Maier sein (Volksverhetzung o.ä. ausgenommen) und ist kein Fascho.



      Wer Menschenrechte grundsätzlich ablehnt, wird wohl leichter zum Fascho als wer sie als Grundlage nimmt. Jedenfalls, wenn nicht im Namen der angeblichen Freiheit die Menschlichkeit geschlachtet wird.



      Faschos sind i.d.R. menschenfeindlich, aber nicht jeder Misanthrop oder einfache Gewalttäter ist bereits ein Fascho.

  • Interessante Frage, die für mich eher eine Frage bleibt als beantwortet zu werden. Die weiter unten stehenden skeptischen Kommentare von @Eureka und @Emmo finde ich recht bedenkenswert. Und möchte den Gedanken anfügen, dass der historische Faschismus trotz seiner Variationsbreite immer auch ein Merkmal hatte: Er stand von Beginn an in Konkurrenz zu einer mehr oder weniger starken traditionellen Arbeiterbewegung oder teilweise marxistischen, sozialrevolutionären gesellschaftlichen Linken. Und an die Macht gekommen, wandte er sich zunächst gewaltsam repressiv gegen diese. - Die sozialökonomischen und ideologischen Kontexte der "neurechten" Phänomene sind heute dagegen andere.

    • @Kohlrabi:

      Was früher die „Linken“ waren, sind eben heute die „Woken“ und die „Grünen“.

      Mal davon abgesehen, dass der Rechtsextremismus heutzutage natürlich immer noch den Hass auf die Linken schürt - nur, dass für den AfDler mittlerweile schon die CDU, das Grundgesetz und die katholische Kirche „links“ sind.



      Ein Kennzeichen des Faschismus ist auch, dass er sich mitunter - gerade am Anfang - als besonders modern, jung und energisch gibt, im Gegensatz zu den Konservativen, die als morsch und gefühlsduselig charakterisiert werden. Rechtsextremismus und Faschismus sind keineswegs extreme Formen des Konservatismus. Und deswegen kam es dann eben auch immer mal wieder zur Querfront mit Linken, die ebenfalls das alte System zerstören wollten. Siehe Thälmann und die Charakterisierung der SPD als Hauptfeind.

      • @Suryo:

        "Ein Kennzeichen des Faschismus ist auch, dass er sich mitunter - gerade am Anfang - als besonders modern, jung und energisch gibt, im Gegensatz zu den Konservativen, die als morsch und gefühlsduselig charakterisiert werden."

        Ein Kennzeichen des historischen Faschismus...bei der AfD sehe ich davon nichts. "Modern" ist längst ein rechter Kampfbegriff geworden - ein Synonym für "woke"

  • Perfekt sortiert, danke Robert Misik! Mit diesem Text können wir uns Seminare und AG's zu Faschismustheorien komplett sparen. Es gilt nur noch, die genaue Grenze zwischen (problematischem) inflationärem und notwendigem Faschismusvorwurf (zb gegenüber MAGA, Putinismus oder AfD) zu finden.

  • Nebenpunkt zuerst. Dieser zitierte Satz hätte beim Linke-Bashing-Artikel hier vor kurzem angefügt gehört: „Rechte können zugleich Antisemiten und Israelfreunde sein, zugleich Pazifisten und Militaristen, zugleich neoliberal und sozialistisch. Während die Linken permanent unter Scheinheiligkeitsverdacht stehen, hatten die Rechten dieses Problem bislang nicht. Eben weil Konsistenz für sie offenkundig keine Kategorie zu sein schien – und sie auch nie daran gemessen wurden.“

    Doch vor allem ein Danke für einen wieder einmal nachdenkenswerten Artikel Robert Misiks selbst.

  • Der Begriff "Faschismus" stammt von den italienischen Faschisten unter Mussolini, die sich selbst Faschisten nannten. Das Wort ist abgeleitet von fascio, was "Bund" bedeutet und für sich allein keine politische Richtung anzeigt. Die Regimes, die allgemein als "faschistisch" bezeichnet werden, waren vor allem gekennzeichnet durch eine offen terroristische und diktatorische Herrschaftsform, und das ist auch der Hauptgrund dafür, dass der Faschismus diskreditiert ist und sich praktisch kein Faschist heutzutage noch als Faschist bezeichnet. Der Nationalsozialismus war im Übrigen von Beginn an eine Diktatur, die ihre Macht mit staatsterroristischen Mitteln sicherte; die Reichstagswahl im März 1933 ändert daran nichts, zumal die hierbei gewählten kommunistischen Abgeordneten ihr Mandat nicht antreten durften.

    Es gibt noch weitere für den Faschismus typische Merkmale, z. B. Nationalismus, Personenkult um den Parteichef, Feindmarkierungen, populistische Emotionalisierung etc. Aber diese Elemente gibt es auch in nichtfaschistischen Regimes und Parteien. Das Hauptmerkmal des Faschismus ist die Diktatur. Wer die Demokratie nicht abschaffen will, ist kein Faschist.

    • @Budzylein:

      "Das Hauptmerkmal des Faschismus ist die Diktatur. Wer die Demokratie nicht abschaffen will, ist kein Faschist."

      Es gibt ein IMO sehr interessantes Buch von Amlinger und Nachtwey, in dem sie den aktuellen rechten Rand als "demokratischen Faschismus" bezeichnen.

      de.wikipedia.org/w...tischen_Faschismus

      sehr lesenswert IMO

  • Nun ja, Inkonsistenz ist ja leider kein Alleinstellungsmerkmal des Faschismus. Wer sich politisch engagiert, trifft dauernd auf Politiken, die demokratische Teilhabe erschweren oder unmöglich machen, von genau den Leuten, die eben noch die Vorzüge und Überlegenheit unserer Demokratie beschworen haben. Da geht es um Wahlrecht und Auszählungsverfahren (gerade hier in Hessen), da geht es um Unterschriftenhürden für kleinere Parteien und Volksbegehren oder aktuell sogar um den Umgang mit Petitionen: www.mehr-demokrati...blockiert-petition

    Von unserem "Sozialstaat" gar nicht erst zu reden, der schon heute dysfunktionial ist und weder das Gebot von der Menschenwürde, noch vom Recht auf Leben wirklich in praktische Politik umsetzt. Und der jetzt noch weiter geschleift werden soll.



    Insofern ist dann auch Grausamkeit kein Alleinstellungsmerkmal des Faschismus (Papst Franziskus: "Diese Wirtschaft tötet.").

    • @Eric Manneschmidt:

      Merken Sie gar nicht was sie da eigentlich aussagen? Wenn die heutige Realität wirklich so grausam ist, wäre der Übergang in den (echten) Faschismus gar nicht so schlimm...

      Papst Franziskus: "Diese Wirtschaft tötet." - Welche Wirtschaft tötet denn nicht?

  • Globale Ordnung und Faschismus



    Die politischen Umstände sind heute so fragil wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die Richtung, in die sich der globale Kapitalismus bewegt, war seit Jahren spürbar, doch seit der Corona-Krise nehmen soziale Ungleichheit und Populismus deutlich zu. Während rechtsradikale Parteien und Gruppierungen immer mehr gesellschaftlichen Raum einnehmen, lügen wir uns mit Begriffen wie „Meinungsfreiheit“ und „Demokratie“ in die Tasche – und verdrängen die Ernsthaftigkeit der Lage.



    Eine Partei mit klaren neonazistischen Tendenzen erreicht über 30 Prozent Zustimmung, während nur einzelne Mitglieder als Extremisten gelten. Diskriminierende und rassistische Sprache ist längst gesellschaftsfähig geworden. Gleichzeitig verschärfen führende Politiker mit sozial- und ausländerfeindlichen Aussagen den Diskurs – angeblich, um Stimmen von der extremen Rechten zurückzugewinnen.



    Was ist von einer Politik zu erwarten, die international als völkermordverdächtig geltende Personen hofiert, Kriege mitfinanziert, Armut moralisiert und Reichtum belohnt? Internationale Absprachen – etwa im Fall Afghanistan – werden gebrochen und dadurch Menschenleben gefährdet. Das ist der pol

  • Wir in Deutschland unterscheiden oft genug nicht sauber zwischen Faschismus und Nationalsozialismus, weshalb Faschismus nur als das maximal Böse gedacht wird. Von daher finde ich die Sentenz des Autors, dass Faschismus nicht mit Auschwitz beginne, sondern damit ende, nicht unbedingt zutreffend. Faschismus *kann* mit Vernichtungslagern enden, muss es aber nicht zwingend. An dieser Stelle hätte ich mir eine genauere Differenzierung gewünscht.

    »Faschismus kann definiert werden als eine Form politischen Verhaltens, die durch eine obsessive Beschäftigung mit dem Niedergang, der Demütigung oder der Opferrolle der Gemeinschaft und durch kompensatorische Kulte der Einheit, Energie und Reinheit gekennzeichnet ist, in denen eine massenbasierte Partei engagierter nationalistischer Militanter, die in einer schwierigen, aber effektiven Zusammenarbeit mit traditionellen Eliten steht, demokratische Freiheiten aufgibt und mit erlösender Gewalt und ohne ethische oder rechtliche Beschränkungen Ziele der inneren Säuberung und äußeren Expansion verfolgt.« Robert Paxton

    Zitiert aus: Strobl, Was ist Faschismus



    www.der-rechte-ran...as-ist-faschismus/

  • Ein Problem ist ja, dass der Rechtsstaat in den USA auch lange vor Trump sehr fragwürdig war.



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    Ein funktionierender Rechtsstaat setzt zum Bsp. voraus, dass man sich wirksam gegen staatliche Willkür wehren kann und dass es klare und einheitliche Regeln für Entschädigungen gibt.



    .



    Davino Watson war 3 1/2 Jahre im Gefängnis von ICE. Man glaubte ihm nicht, dass er US‑Bürger ist. Hätte er Geld für einen Anwalt gehabt, wäre es nicht so weit gekommen. Er sollte eigentlich 82.500$ Entschädigung erhalten. Er hat jedoch keinen Rechtsanspruch darauf, weil er länger als 2 Jahre festgehalten wurde.



    .



    Brian Bukle hingegen bekam 2025 ganze 150.000$ für 1 Monat Haft, Carlos Rios 125.000$ für 7 Tage.



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    2007 wurden 693 Amerikaner:innen in lokalen Gefängnissen auf Anweisung der Immigrationsbehörde und 818 direkt im Abschiebeknast festgehalten.



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    Seamus Culleton ist ein gutes Bsp., dass auch Geld + Anwalt nicht immer helfen. 20 Jahre im Land, erf. Geschäftsmann, US-Ehefrau, legaler Aufenthaltsstatus, 4000$ Kaution gezahlt und trotzdem seit bald 5 Monaten in Haft.

    Miese Hygiene, Mangel an Essen, Mangel an Freigang Verweigerung medizinischer Behandlung.



    Kurz: Folter.

    Rechtsstaat?

  • Ich denke, die Gefahr, in den Faschismus abzugleichen würde erst dann bestehen, wenn die wirtschaftlichen Schwierigkeiten größer würden, die Zahl der "Zukurzgekommenen" also immer größer würde.

    • @Il_Leopardo:

      Na, da werden Merz und CDU ja für sorgen.



      Bitte sagen Sie das denen doch mal. Denn die haben das noch nicht kapiert, dass das ewige Rumtrampeln auf denen, die sowieso schon zu wenig haben, nur dazu führt, dass noch mehr Personen die AfD wählen.

  • "Faschismus beginnt nicht mit Auschwitz, er endet damit."

    Der Musterfaschist Europas war Franco. Der wusste sogar selbst wie doof Faschismus eigentlich ist und verfügte daher, dass sein Nachfolger wieder ein König sein darf. Das Ende des lupenreinen Faschismusses Spaniens war also nicht ein Auschwitz! Sondern Monarchie. Und der Monarch pro Demokratie, die heute noch in Spanien lebendig ist.

    Die Faschisten Deutschlands entschlossen sich ab Ende 1929 endgültig, sich der Ideologie des Nationalsozialismus zu unterwerfen! Als WählerInnen. Als Mitmarschierer. Als Regierungskoalitionspartner. Und von wegen die Philosophie hätte nichts mit solchen Entwicklungen zu tun, mensch erinnere sich an einen in SA-Uniform mitmarschierenden angeblich großen Denker namens Heidegger, der auch nicht wirklich selber denken konnte, sondern Philosophie eines jüdischen Italieners in neue Worte gekleidet als die seine recycelte.

    Im faschistischen Russland von heute spielt auch ein Philosoph eine Rolle: Dugin. Die Ideologie heißt Putinismus-Duginismus. Es kommen in Russland auch dem Regime unliebsame Menschen in Lagern um. Kein Holocaust, aber typisch Faschismus: Opposition rücksichtslos wegsperren!

    • @Uwe Kulick:

      Zu einem Nebenpunkt: Die Eta bombte Francos bürgerlichen Nachfolger weg, sonst wäre das anders gelaufen.



      Franco war von seinem System so überzeugt, dass er den Bürgerkrieg noch etwas in die Länge zog, um auch möglichst viele Gegner am Ende getötet zu haben.

    • @Uwe Kulick:

      Welche Opposition wird denn in Russland weggesperrt?



      Falls sie den mittlerweile verstorbenen Herrn N. meinen, dann sollten sie mal seinen Namen in Verbindung mit dem Wort Yves Rocher suchmaschinen.

      Weggesperrte Opfer hat D. auch vorzuweisen, oder eine Drangsalierung. Fragen sie mal Herrn Ballweg, Hüseyin Doğru oder blicken sie auf den in sich zusammenfallenden Prozess gegen die "Seniorenputschisten".

      Ansonsten lässt sich vielleicht noch erwähnen, dass die von Ihnen attestierte Diktatur es bewerkstelligt hat, den Lebensstandard und die durchschnittliche Lebenserwartung kontinuierlich und aus Sicht des Ausgangspunktes sogar dramatisch zu erhöhen. Aspekte wie Rechtsstaatlichkeit sind stark gestiegen, kleine Korruption geschrumpft, ... die Liste ist lang.

      Aus Sicht des kleinen Bürgers läuft da eine Menge richtig, während der Trend bei uns ja eher in eine andere Richtung geht.

      Der seit einigen Jahren forcierte Abbau der Demokratie in D wird auch nicht "von rechts" betrieben, so ehrlich sollte man auch sein.

      • @Volgger Kauder:

        "Welche Opposition wird denn in Russland weggesperrt?"



        Da kann ich Ihnen aber direkt einige Namen aus meinem privaten Umfeld dort nennen. Die vielleicht noch nicht mal politisch aktiv waren, sondern online oder in Gesprächen nur den Völkermord in der Ukraine als Krieg bezeichnet haben, oder den eigenen Kindern die Teilnahme an der Junarmia (Jugendarmee) untersagten. das reichte für eine Vorladung und Verurteilung

      • @Volgger Kauder:

        Herzlichen Glückwunmsch zum allerersten Leserkommentar.

        Allerdings ist das hier die Taz und nicht die Berlinskaja Prawda.

        Gewöhnen Sie sich besser daran, dass Sie bis auf zwei, drei bekannte Leser hier niemanden finden werden, der schwachsinnige rhetorische Fragen wie die, "welche Opposition denn in Russland eingesperrt" werde, goutiert und unwidersprochen lässt.

      • @Volgger Kauder:

        "Welche Opposition wird denn in Russland weggesperrt?"

        Ernsthaft jetzt?

      • @Volgger Kauder:

        Was sie hier schreiben, ist eine erbärmlichen Rechtfertigung des Faschismus oder wie man auch immer rechtsautoritäre Regime bezeichnen will.



        Es ist schlichtweg eine Unverschämtheit die Inhaftierung von Nawalny mit der von Ballweg gleichzusetzen. Was sie als 'Seniorenputschisten' verniedlichen, (ich gehe davon aus, dass sie damit wohl die Reichsbürger meinen), sind überzeugte Rechtsextremisten, die nichts anderes als die Aushöhlung und Abschaffung des Rechtsstaates und der Demokratie anstreben. Wie sie darauf kommen, dass der Prozess gegen sie quasi zerfallen sei erschließt sich mir nicht, da ist sicherlich der Wunsch Vater des Gedankens. Alles in allem strotzt dieser Kommentar nur so von Überheblichkeit, Unverfrohrenheit, Falschbehauptungen und rechten Narrativen, der durch nichts zu rechtfertigen ist.

      • @Volgger Kauder:

        Absurd.

        Ist das hier die Berliner Zeitung?

      • @Volgger Kauder:

        Kabarettisten haben es heute schwer, doch bei Ihrem Text konnte ich mal wieder schmunzeln. Sie haben den bei einigen vorherrschenden Putinismus so gut hinbekommen.



        Die Lebenserwartung von Soldaten ist ja nicht so hoch - wie Sie diese Umschreibe-RT-lerei imitierten, war großes Druschbakino.

  • Der Text beantwortet eine andere Frage, als er vorgibt. Er fragt angeblich „Ist das schon Faschismus?“, beantwortet aber „Faschismus beginnt früher, als ihr denkt.“ Das ist rhetorisch clever – aber logisch unbefriedigend. Denn die eigentliche offene Frage bleibt unbeantwortet: Ab welchem Punkt ist der Begriff analytisch sinnvoll – und ab welchem Punkt wird er politisch inflationär?

    „Alle Faschisten operierten zunächst in Demokratien“ das stimmt – aber es ist eine triviale Wahrheit. Jede Machtübernahme beginnt irgendwo VOR der Machtübernahme. Daraus folgt aber nicht, dass jede autoritäre, populistische oder brutale Politik bereits faschistisch ist. Sonst wäre De Gaulle faschistisch, Thatcher faschistisch, und Teile der frühen Grünen wären – mit umgekehrtem Vorzeichen – strukturell ähnlich.

    Autoritäre Politikstile, Enthemmte Sprache, Freude an Grausamkeit, Verachtung von Minderheiten, Theatralische Führungsfiguren, bewusste Provokation statt Argument - das alles existiert – in den USA, in Europa, auch jenseits der extremen Rechten. Daraus wird hier eine Frühwarnbeschreibung. Das Problem ist nur: Frühwarnsysteme, die immer anschlagen, stumpfen ab.

    • @Eureka:

      Schließe mich an.

  • Danke. Ich wiederhole mich - wo



    Robert Misik draufsteht ist auch Robert Misik drin



    tazelwurm.de/

    Yes! “Sie sind daher, mehr noch als normale Politiker, Schauspieler des Politischen. Sie können problemlos heute dies, morgen das Gegenteil sagen, und grinsen dabei noch höhnisch ob ihrer altväterlichen Gegner, für die innere Konsistenz wichtiger ist als für sie.“

    Genau Genau - Quintessenz - “Wer Jude ist.



    Bestimme ich!“ & das in allen Varianten •

    unterm——



    Nicht nur er. Aber er besonders - älterer Kollege - Waldheim-& Workuta-Häftling als Junge bei meiner Vorstellungsrunde - insistierte in den Lagern von älteren Mithäftlingen verschiedener Nationalitäten habe er gelernt: zwischen Fasischmus & Nazis/Nationalsozialismus zu unterscheiden!



    Und nach Canale Mussolini & Scurattis - M M - hab ich den Eindruck da is was dran:



    “Alle Nazis sind Faschisten aber nicht alle Faschisten sind Nazis.“

    • @Lowandorder:

      “Alle Nazis sind Faschisten aber nicht alle Faschisten sind Nazis.“ Der Satz ist richtig. Der Nationalsozialismus war nicht "nur" faschistisch. Er unterschied sich von anderen faschistischen Systemen durch weitere wesentliche Merkmale, insbesondere den Genozid an den Juden, Roma und Sinti, den Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und die Versklavung und massenhafte Ermordung von Slawen, die als "Untermenschen" tituliert und auch entsprechend behandelt wurden.

  • Ein wichtiger Aspekt. Menschen können ohne Gefühl nicht entscheiden. Ist dieses Gefühl aber von Niedertracht beherrscht, folgen unmenschliche Entscheidungen.

  • Spannender Artikel!



    Aber die Charakteristika "Führerkult, paranoide Weltbilder, die permanent geschürt werden, ein absolutes Schwarz-Weiß-Denken, antagonistische Feindbilder, vor allem von Minderheiten, aber auch gegen innere Feinde. Aggression, die unablässig aufgepeitscht wird"



    weisen auch andere Gruppierungen auf, die sich teils als dezidiert antifaschistisch verstehen.



    Das soll keine Relativierung des Übels des Faschismus sein, sondern lediglich der Hinweis darauf, dass nach dieser Beschreibung Faschismus nicht zwingend nur am rechten Rand des pol. Spektrums zu verorten sein muss.

  • Es gab unterschiedliche theoretische Definitionen, sicherlich kennen viele die Totalitarismustheorie, also das würde dann bedeuten, die Bewegungen, die einen totalen Staat mit massiver Repression schaffen wollen oder müsse, sind faschistisch. Ich möchte an dieser Stelle mal an Rheinhard Kühnl Formen bürgerlicher Herrschaft. Liberalismus, Faschismus. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1971, erinnern. Für Kühnl liegen Faschismus und Liberalismus nicht so weit auseinander und das passt ja in diese Sphären mit AfD, Trump und anderen formal liberalen Bewegungen, die aber auf ein faschistisches System hinauslaufen. Bei Kühnl ist der Faschismus eine Abwehrreaktion des Kapitalismus auf mögliche Veränderungen. Die faschistische Repression ist in diesem Sinne eine Reaktion auf die Möglichkeit zur radikalen Reform oder Revolution. Die bürgerlichen Klassen machen aber eben auch selber Revolutionen, gegen den Adel und Klerus, wenn das ihrer Lage entspricht...



    Ansonsten hat die NSDAP den modernen Wahlkampf erfunden und viel Propaganda erdacht, die selten wirklich gestimmt oder logisch gewesen ist, aber die Gefühle, die haben sie sehr gut erreicht.

    • @Andreas_2020:

      "Bei Kühnl ist der Faschismus eine Abwehrreaktion des Kapitalismus auf mögliche Veränderungen."



      Das halte ich für einen Blick durch eine sehr antikapitalistische Brille und völlig weltfremd. Einziger Zweck dieser Analyse ist es, alles Böse dieser Welt dem Kapitalismus anzudichten. Naja 1971...es sei ihm verziehen

      • @Chris McZott:

        Seltsamerweise haben Kapitalisten und Faschisten immer gut zusammengearbeitet. Bei der chilenischen Version (und diversen anderen faschistischen Diktaturen in Südamerika) waren Berater der Fakultät Milton Friedmans an der Uni Chicago vor Ort, und berieten die Faschos. Man nennt die gemeinhin die "Chicago Boys".



        Hitler verbot nach der Machtergreifung als eine der ersten Maßnahmen Gewerkschaften. Mit dem "netten" Nebeneffekt, dass es keine Lohnerhöhungen mehr gab.



        etc. pp.



        Oder anders gesagt: Für mich hört sich das absolut stringent an.

  • Guter Artikel, aber das beste Beispiel eines gegenwärtig faschistischen Staates wird nicht erwähnt: Russland.

    "Führerkult, paranoide Weltbilder, die permanent geschürt werden, ein absolutes Schwarz-Weiß-Denken, antagonistische Feindbilder, vor allem von Minderheiten, aber auch gegen innere Feinde. Aggression, die unablässig aufgepeitscht wird. Maximale negative Emotionalisierung, um eine Anhängerschaft in eine erregte und wütende Masse zu verwandeln."

    All das ist eindeutig in Russland gegeben.

    Umso erschreckender, dass es (angebliche) Linke gibt, die diesem Staat gegenüber Verständnis zeigen und sich für die "Nachbarschaft" mit Russland aussprechen. Wer nicht antifaschistisch ist, der kann sich nicht als links bezeichnen. Deswegen ist z.B. Sahra Wagenknecht keine Linke, ist Holger Friedrich kein Linker, ist Oskar Lafontaine keine Linker.



    Während die früheren "nützlichen Idioten" der UdSSR ja "wenigstens" für einen linksextremen totalitären Staat eintraten, so treten die heutigen nützlichen Idioten der Russischen Föderation für den Faschismus, also mithin den Rechtsextremismus ein. Insofern ist die rechtsextreme AfD immerhin konsequenter und, wenn man so will, ehrlicher.

    • @Suryo:

      Völlig einverstanden.

  • "Faschismus beginnt nicht mit Auschwitz, er endet damit."

    Naja ganz so einfach ist das nicht. Was war mit Franco oder Salazar? Oder eigentlich jeder 08/15-Militärdiktatur. Da gibt es keine Zwangsläufigkeit hin zum industriellen Völkermord.



    Und sobald man eine schnöde Diktatur (pseudo)sozialistisch, monarchisch oder religiös einrahmt, ist ganz schnell das Urteil "faschistisch" weg, obwohl Demokratie, Pluralismus, Menschenrechte und Rechtsstaat genauso verschwunden bzw. nie da waren - siehe DDR, in der große Teile der völkischen Vorstellungen faktisch umgesetzt waren. Die Abgrenzung ist da schwierig.

    Die AfD ist für mich eine rechtsextreme Partei mit faschistischen Inhalten aber (noch) keine klassische faschistische Bewegungspartei. Ein großes Glück ist nämlich, dass die AfD und ihr Klientel genau wie Deutschland insgesamt hoffnungslos überaltert sind.



    Daher fehlt der ausgeprägte Jugend- und Gewaltmassenkult. Das revolutionäre Element wird zwar im völkischen-esoterischen Rand der AfD beschworen aber im größeren Teil ist es eine "Früher war alles besser Partei" ohne Dynamik.

    Gefährlich aber zu Krieg und Völkermord fehlt dem deutschen Rentnervolk schlicht die Kraft...zum Glück.

    • @Chris McZott:

      Meiner Meinung nach ist die AfD in Ostdeutschland deutlich faschistoider. Wenn aufgepeitschte Massen „Ost-, Ost-, Ostdeutschland“ skandieren und rechtsextreme Ossis in den sozialen Medien davon fantasieren, das „kranke bundesrepublikanische System“ hinwegzufegen, wenn Höcke erklärt, dass dieses Deutschland es nicht wert sei, verteidigt zu werden, dann ist das zumindest in den Anfängen faschistoid. Das ist ja alles überhaupt nicht konservativ, sondern es geht ja klar darum, dass verhasste demokratische System zu vernichten. Darum ja auch die Liebe zu Russland. Insbesondere ostdeutsche AfDler (aber auch Leute wie Frohnmaier) geben fast schon offen zu, dass sie im Falle eines russischen Angriffes Deutschland verraten würden, und immerhin debattierte schon der Bundestag über die verdächtigen Anfragen der AfD zur kritischen Infrastruktur. Die Logik hinter der Russlandliebe der AfD ist, dass man es begrüßen würde, wenn ein klar faschistischer Staat Deutschland bzw. die Deutschen beherrschte. Nach dem Motto



      „Lieber Sklaven im Faschismus als freie Bürger in der Demokratie.“

      • @Suryo:

        Für die Entwicklung “Dunkeldeutschland” bis heute!



        Ist zum näheren Verständnis immermoch ”Rotlakierte Faschisten“



        Von Kurt Schumacher hilfreich! Newahr - Normal

  • Das, was der Autor sagt, ist zum großen Teil richtig. Faschismus zeichnet sich nicht durch eine konsistente Theorie aus, sondern eher durch das radikale Verhalten, die Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen und auch die Theatralik, der mobilisierenden Leidenschaft.

    Aber dieser Autor macht wie die meisten, die sich mit Rechtsextremismus beschäftigen, den Fehler, sich vor allem mit den rechtextremistischen Politikern und Parteien zu beschäftigen. Auch er beschäftigt sich in diesem Artikel nicht mit den Wählern, den Gründen dafür, warum immer mehr Wähler solche Politiker und Parteien wählen. Kurz und vereinfacht gesagt, weil sich diese Wähler von den etablierten Parteien jahre- und oft jahrzehntelang im Stich gelassen fühlen. Und irgendwann sind sie dann wo wütend, dass sie dann auf Politiker und Parteien anspringen, die ihrer Wut entsprechend alles bestehende kaputt machen wollen. Als letzte Hoffnung, dass daraus dann vielleicht etwas Besseres entspringen möge. Auf diesem Blog ist das noch im Detail ausgeführt: demokratieingefahr.de

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Der Artikel beschreibt sehr präzise, was faschistische Dynamiken ausmacht. Diese Analyse deckt sich mit meinen Erfahrungen aus Gesprächen mit AfD-Wähler*innen: Die auffällige Unverrückbarkeit vieler Positionen verweist auf einen hohen Emotionalisierungsgrad. Politische Argumente bewegen sich dabei weniger im rationalen als im affektiven Raum. Zentral ist das Gefühl, in den eigenen Interessen und in der eigenen Identität nicht wahrgenommen zu werden.

      Zu kurz greift jedoch, die Verantwortung ausschließlich bei den Parteien zu verorten. Demokratie lebt auch von der Urteilsfähigkeit der Wählenden. Wer seine größte Sorge im drohenden Wohlstandsverlust sieht – nicht selten Ergebnis jahrelanger Konditionierung –, entscheidet sich folgerichtig für Parteien, die den eigenen „Stand“ schützen, nicht jene, die am Gemeinwohl orientiert sind.

      Kritisch wird es dort, wo Standesinteressen über Medienmacht und Lobbyismus verfügen. Einfluss wird nicht mehr ausgehandelt, sondern einseitig produziert.



      Die eigentliche Frage ist daher nicht, wer zuerst da war – Henne oder Ei –, sondern wer das Umfeld kontrolliert.



      Und dies im Nebelfeld der Verschwörungstheorien, die die Wahrnehmung weiter verzerren.

  • "Rechte können zugleich Antisemiten und Israelfreunde sein, zugleich Pazifisten und Militaristen, zugleich neoliberal und sozialistisch." Und so weiter. Die Quintessenz des ganzen Beitrags ist, dass "Rechts" und "Faschist" mittlerweile Diffamierungsbegriffe ohne wirkliche Substanz sind, die je nach Bedarf jeder beliebigen Person angehängt werden können. So wird ja von manchen "Linken" sogar Sahra Wagenknecht als "Rechts" angesehen.

    • @XXX:

      Siehe oben: Sahra Wagenknecht verteidigt einen klar faschistischen, zutiefst rechtsextremen Staat.

      Seit wann müssen Menschen, die den Faschismus unterstützen, sich das nicht mehr zurechnen lassen?

    • @XXX:

      "Die Quintessenz des ganzen Beitrags ist, dass "Rechts" und "Faschist" mittlerweile Diffamierungsbegriffe ohne wirkliche Substanz sind, die je nach Bedarf jeder beliebigen Person angehängt werden können"

      Nö. Auch wenn gemeinsame ideologische Zielvorgaben fehlen, gibt es, und das findet sich im Artikel, Kriterien, um Faschismus zu identifizieren.

      "So wird ja von manchen "Linken" sogar Sahra Wagenknecht als "Rechts" angesehen."

      Sarah Wagenknecht selbst sieht sich nicht mehr als Linke. Das Parteiprogramm Ihres Vereins ist Sozialstaat + konservative Wirtschaftspolitik + rechtspopulistische Haltungen im Kontext Zuwanderung & Asyl. Was auch immer das ist, links ist das jedenfalls nicht.

      • @Kaboom:

        @Kaboom

        Es gibt ja auch Wähler, die sprechen sich öffentlich gegen Kindesmisshandlung & Kindesmissbrauch durch die Kirchen aus, oder gegen Gewalt in der Familie und wählen dennoch immer wieder die CDU / CSU Unionsparteien.



        Soll es echt geben.

      • @Kaboom:

        Das ist linkskonservativ, wie die SPD unter Schmidt. Seit die SPD nach Schröder nach links gerückt ist, ist an der Stelle ein Vakuum entstanden. Das hat Frau Wagenknecht erkannt, und sie füllt diese Lücke.

        Sie (diese Lücke, nicht Frau Wagenknecht...) ist aber nicht mehr so attraktiv wie damals. Konservative wählen CDU, Autofreunde und Migrationskritische die AfD, und linke die Linkspartei oder evtl. SPD oder Grüne. Links und konservativ wird heute als Widerspruch empfunden, seit der linke Wertekanon neu definiert wurde.

        • @Debaser:

          Nennen Sie mal zwei oder drei inhaltliche Gemeinsamkeiten zwischen der SPD während der Kanzlerschaft Helmut Schmidt und der kruden Gemengelage in Wagenknechts Verein. Da bin ich jetzt mal richtig gespannt.



          Und ich hätte auch gern einen Beleg für ihre - IMO abstruse - Behauptung, die SPD sei nach der Gerd-Show nach links gerückt.



          Achja, eine passendere Bezeichnung dessen, was Sie linkskonservativ nennen (was ich ebenfalls für eine abstruse Wortschöpfung halte), ist IMO sozialnationalistisch.

        • @Debaser:

          @ Debaser



          Obwohl ja heutzutage die humanistischen Linken Wähler eher konservativ, sich für den Erhalt und Ausbau unseres Sozialstaats einsetzen, während die sich vormals an konservativen Werten orientieren CDU / CSU Unionsparteien Wähler, sich ja nun zur Zeit elementaren Veränderungen, durch die Unionsparteien, bezüglich des Sozialabbau, Renten, KV, Arbeitnehmerrechte pp. ausgesetzt sehen. Also alles andere als Konservativ, im Sinne von Werte erhalten.



          Zudem die vormals Konservativen AfD Wähler ja gleich unser ganzes Sozialsystem und den kompletten Staat vernichten wollen.



          So is halt die Entwicklung, da gibt's nix schön zu reden.



          Konservativ, humanistisch is somit jetzt nur noch die Linke zu sehen.

        • @Debaser:

          Hola -

          “… Das ist linkskonservativ, wie die SPD unter Schmidt. Seit die SPD nach Schröder nach links gerückt ist,…“

          Wie kommense denn & gleich doppelt 🙀🥳 auf das schmale Brett!



          Helmut “hamse gedient?“ Schmitt Schnauze - war nie links. Ein unausrottbares Mißverständnis.



          & cum grano salis



          Gilt das für GazPromGerd schon allein wg Agenda 2010 & Arm-in-Arm mit Puff-Reisen Peter Hartz & in Folge Stöpsel-Liz verbertelsmannt weit einschneidend klassenverräterischer •

          • @Lowandorder:

            "Helmut “hamse gedient?“ Schmitt Schnauze - war nie links. Ein unausrottbares Mißverständnis."

            Das stimmt. Aber während seiner ersten Amtsperiode gab es noch Reste der Politik Willy Brandts. Das hat Schmidt während der ersten 4 Jahre so gründlich eliminiert, dass bis heute der linke Flügel der SPD (abgesehen von ein par Nischen) keine relevante Rolle mehr spielt.

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