- Abriss des SEZ in Berlin-Friedrichshain in zwei Phasen ab dem 2. März geplant
- Bezirk sieht "Missachtung demokratischer Prinzipien"
- Initiative hofft auf Klage von zwei Verbänden
Das frühere Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee soll ab dem 2. März abgerissen werden. Das geht aus der Abrissankündigung des derzeitigen Eigentümers, der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), an den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hervor, die dem rbb vorliegt.
Abriss in zwei Phasen
Danach ist der Abriss des SEZ in zwei Phasen geplant. Zuerst soll der Schwimmhallenbereich in Richtung Volkspark Friedrichshain schadstoffsaniert und dann abgerissen werden. Diese erste Phase, für die bereits ein Unternehmen gefunden wurde, soll bis September abgeschlossen sein.
Als Erinnerung und Narrativ an das ikonische Bauwerk aus DDR-Zeiten ist vorgesehen, vier Stahlstützen auf der Seite des Volksparks zu erhalten. In einer zweiten Phase sollen im Anschluss dann die restlichen SEZ-Gebäude, das Funktionsgebäude und die Außenanlagen, zurückgebaut werden.
Bezirk lehnt Abriss ab
Der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt, bestätigte den Eingang der Abrissankündigung. Der Grünen-Politiker lehnt den Rückbau jedoch weiter ab: "Ich bedauere sehr, dass die Abrissarbeiten derart zügig vorangehen sollen. Hier sollen Fakten geschaffen werden, obwohl die Debatte auch im Abgeordnetenhaus zunehmend Fahrt aufnimmt," so Schmidt. Das Abgeordnetenhaus habe es weiter in der Hand, den Abriss zu stoppen.
Dass die WBM mit dem Abriss beginnen wolle, bevor eine Anhörung im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses stattfinden könne, bezeichnete der Stadtrat als "offensichtliche Missachtung demokratischer Prinzipien". Es sei bedauerlich, dass das Bezirksamt keine Handhabe besitze, den Abriss zu stoppen.
Auch die Initiative "SEZ für Alle", die sich seit Monaten gegen den Abriss des früheren DDR-Sport- und Spaßbades wendet, reagierte empört auf die Ankündigung. "Der Bausenator und die WBM ignorieren die breite Unterstützung für den Erhalt des SEZ, belegt durch Petitionen, offene Briefe von Wissenschaftler:innen und der Architektenkammer," so die Sprecherin der Initiative Susanne Lorenz.
Die Initiative setzt jetzt auf eine angekündigte Klage von zwei Verbänden vor dem Verwaltungsgericht. Die "NaturFreunde Berlin" und "Gemeingut in BürgerInnenhand" hoffen, mit der Klage den Denkmalschutz fürs SEZ durchzusetzen.
Neues Stadtquartier mit hunderten Wohnungen geplant
Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte war für eine Stellungnahme am Freitag zunächst nicht zu erreichen. Sie will auf dem Grundstück an der Landsberger Allee Ecke Danziger Straße ein völlig neues Stadtquartier mit bis zu 680 Wohnungen, einer Schule und Gewerbe- sowie Sportnutzungen errichten. Die Hälfte der Wohnungen soll geförderter Wohnraum werden, ist also für Mieter mit Wohnberechtigungsschein vorgesehen.
Die Pläne werden von SPD-Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler ausdrücklich unterstützt.
Das SEZ in Bildern
Sendung: rbb24 Inforadio, 06.02.2026, 17:40 Uhr
36 Kommentare
Warum soll dieses Gebäude stehen bleiben? Vielleicht macht man eine Volksbefragung: so lassen wie es ist; wiedereröffnen als das, was es mal war; abreißen und neues SEZ errichten; abreißen und Wohnungen + Infrastruktur errichten. Natürlich alles mit Aufschlüsselung der Kosten (Bau + Betrieb).
Schade, so sehr Wohnraum wichtig ist, kurbeln hohe Mieten die Wirtschaft nicht an. Das SEZ als eines der letzten übrig gebliebenen DDR-Bauten mit einzigartiger Architektur hätte ein bißchen aufgepeppt, als neue Freizeitstätte ein Ausflugsziel für Einheimische und Touristen werden können und hätte neue Arbeitsplätze geschaffen und die Wirtschaft in Berlin beleben können. Berlin hat so viel Geschichte, die nur dann lebendig gehalten wird, wenn historische Orte erhalten bleiben.
Wann wird den endlich mal das verseuchte ICC abgerissen ? Oder der ganze Tiergarten platt gemacht für Wohnungen , oder Tempelhof , Tegel ( ehemalige Flughäfen) ? USW USW