Be­schluss vom 16.07.2025 -
BVer­wG 2 B 20.25ECLI:DE:BVer­wG:2025:160725B2B20.25.0

Be­schluss

BVer­wG 2 B 20.25

  • VG Müns­ter - 07.10.2021 - AZ: 20 K 1048/19.O
  • OVG Müns­ter - 18.12.2024 - AZ: 31 A 3166/21.O

In der Ver­wal­tungs­streit­sa­che hat der 2. Se­nat des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts am 16. Ju­li 2025 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. Kennt­ner und die Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Dr. von der Wei­den und Dr. Hiss­nau­er be­schlos­sen:

  1. Die Be­schwer­de des Be­klag­ten ge­gen die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on in dem Ur­teil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 18. De­zem­ber 2024 wird zu­rück­ge­wie­sen.
  2. Der Be­klag­te trägt die Kos­ten des Be­schwer­de­ver­fah­rens.

Grün­de

1 Der Rechts­streit be­trifft ein be­am­ten­recht­li­ches Dis­zi­pli­nar­k­la­ge­ver­fah­ren.

2 1. Der ... ge­bo­re­ne Be­klag­te stand bis zu sei­nem Ein­tritt in den Ru­he­stand we­gen des Er­rei­chens der ge­setz­li­chen Al­ters­gren­ze mit Ab­lauf des Mo­nats April ... als Po­li­zei­haupt­kom­mis­sar im Dienst des Klä­gers. Im Zu­ge straf­recht­li­cher Er­mitt­lun­gen we­gen des Ver­dachts der Volks­ver­het­zung kam es im Ju­ni 2017 zu ei­ner Woh­nungs­durch­su­chung bei dem Be­klag­ten. Im Nach­gang hier­zu wur­den vom oder im Na­men des Be­klag­ten ver­schie­de­ne Schrift­stü­cke u. a. an das Land­ge­richt D., das Po­li­zei­prä­si­di­um D. so­wie an die Po­li­zei­be­hör­de U. über­sandt. Vor die­sem Hin­ter­grund lei­te­te der Klä­ger im De­zem­ber 2017 ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ge­gen den Be­klag­ten we­gen des Ver­dachts der Zu­ge­hö­rig­keit zur Grup­pe der sog. Reichs­bür­ger ein, wor­auf­hin im Ja­nu­ar 2018 die Woh­nung des Be­klag­ten er­neut durch­sucht und das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren in der Fol­ge­zeit aus­ge­dehnt wur­de.

3 Auf die vom Klä­ger im April 2019 er­ho­be­ne Dis­zi­pli­nar­k­la­ge hat das Ver­wal­tungs­ge­richt nach Ein­ho­lung ei­nes psych­ia­tri­schen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens dem Be­klag­ten mit Ur­teil vom Ok­to­ber 2021 das Ru­he­ge­halt für die Dau­er von drei Jah­ren um 10 % ge­kürzt. Auf die Be­ru­fung des Klä­gers hat das Be­ru­fungs­ge­richt mit Ur­teil vom De­zem­ber 2024 das erst­in­stanz­li­che Ur­teil ge­än­dert und dem Be­klag­ten das Ru­he­ge­halt ab­erkannt.

4 Zur Be­grün­dung hat es im We­sent­li­chen aus­ge­führt, der Be­klag­te ha­be sich durch ei­ne Viel­zahl von ihm selbst ge­tä­tig­ter oder von ihm be­voll­mäch­tig­ter Drit­ter ab­ge­ge­be­nen Äu­ße­run­gen ge­gen die frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung be­tä­tigt und hier­durch ein Dienst­ver­ge­hen be­gan­gen. Das Tä­tig­wer­den der Her­ren M. und D. sei ihm zu­zu­rech­nen. Der Be­klag­te ha­be vor­sätz­lich und schuld­haft ge­han­delt, zu­mal sich aus­ge­hend vom Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen, der bei dem Be­klag­ten ei­ne An­pas­sungs­stö­rung bei Per­sön­lich­keits­ak­zen­tu­ie­rung so­wie ei­ne de­pres­si­ve Epi­so­de dia­gnos­ti­ziert ha­be, kei­ne Hin­wei­se auf ei­ne so gra­vie­ren­de psy­chi­sche Ver­än­de­rung er­ge­ben hät­ten, dass von ei­ner auf­ge­ho­be­nen Ein­sichts- oder Steue­rungs­fä­hig­keit aus­ge­gan­gen wer­den kön­ne. Nach ei­ner Ge­samt­wür­di­gung sämt­li­cher zu be­rück­sich­ti­gen­der Ge­sichts­punk­te sei dem Be­klag­ten das Ru­he­ge­halt ab­zu­er­ken­nen. Die­sem kom­me ins­be­son­de­re ei­ne ver­min­der­te Schuld­fä­hig­keit nicht zu­gu­te, weil es be­reits an ei­nem Ein­gangs­merk­mal i. S. d. § 20 StGB feh­le.

5 2. Die auf al­le Zu­las­sungs­grün­de ge­stütz­te Be­schwer­de ge­gen die Nicht­zu­las­sung der Re­vi­si­on ist un­be­grün­det.

6 a) Die Be­schwer­de legt kei­ne Ver­fah­rens­män­gel dar, auf de­nen die an­ge­grif­fe­ne Ent­schei­dung be­ru­hen kann (§ 67 Satz 1 LDG NRW i. V. m. § 132 Abs. 2 Nr. 3 Vw­GO).

7 aa) Die von der Be­schwer­de er­ho­be­ne Auf­klä­rungs­rü­ge nach § 3 Abs. 1 und § 57 Abs. 1 LDG NRW i. V. m. § 86 Abs. 1 Satz 1 Vw­GO bleibt oh­ne Er­folg.

8 Ei­ne Auf­klä­rungs­rü­ge nach § 3 Abs. 1 und § 57 Abs. 1 LDG NRW i. V. m. § 86 Abs. 1 Satz 1 Vw­GO er­for­dert nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Se­nats zum ei­nen die sub­stan­ti­ier­te Dar­le­gung, hin­sicht­lich wel­cher tat­säch­li­chen Um­stän­de aus der ma­te­ri­ell-recht­li­chen Sicht des Be­ru­fungs­ge­richts Auf­klä­rungs­be­darf be­stan­den hat, wel­che für ge­eig­net und er­for­der­lich ge­hal­te­nen Auf­klä­rungs­maß­nah­men hier­für in Be­tracht ge­kom­men, wel­che tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen bei der Durch­füh­rung der un­ter­blie­be­nen Sach­ver­halts­auf­klä­rung vor­aus­sicht­lich ge­trof­fen wor­den wä­ren und in­wie­fern die­se bei Zu­grun­de­le­gung der ma­te­ri­ell-recht­li­chen Auf­fas­sung des Tat­sa­chen­ge­richts zu ei­ner für den Be­schwer­de­füh­rer güns­ti­ge­ren Ent­schei­dung hät­ten füh­ren kön­nen. Zum an­de­ren muss dar­ge­legt wer­den, dass be­reits im Be­ru­fungs­ver­fah­ren, ins­be­son­de­re in der münd­li­chen Be­ru­fungs­ver­hand­lung, auf die Sach­ver­halts­auf­klä­rung, de­ren Un­ter­las­sen nun­mehr ge­rügt wird, hin­ge­wirkt wor­den ist, oder dass sich dem Be­ru­fungs­ge­richt die Not­wen­dig­keit der be­zeich­ne­ten Er­mitt­lun­gen auch oh­ne ein sol­ches Hin­wir­ken hät­te auf­drän­gen müs­sen. Die Auf­klä­rungs­rü­ge ist kein Mit­tel, um Ver­säum­nis­se ei­nes an­walt­lich ver­tre­te­nen Be­tei­lig­ten in der Tat­sa­chen­in­stanz zu kom­pen­sie­ren, vor al­lem wenn er es un­ter­las­sen hat, ei­nen Be­weis­an­trag zu stel­len (stRspr, vgl. BVer­wG, Be­schlüs­se vom 29. März 2017 - 2 B 26.16 - Buch­holz 235.1 § 58 BDG Nr. 13 Rn. 7 f., vom 10. De­zem­ber 2020 - 2 B 6.20 - NVwZ-RR 2021, 469 Rn. 7 f., vom 30. März 2022 - 2 B 46.21 - Buch­holz 235.1 § 13 BDG Nr. 55 Rn. 21, vom 14. De­zem­ber 2023 - 2 B 18.23 - ju­ris Rn. 16 und vom 4. März 2025 - 2 B 42.24 - ju­ris Rn. 17).

9 Die­sen An­for­de­run­gen ge­nügt die Be­schwer­de­be­grün­dung nicht.

10 (1) Die Be­schwer­de rügt, das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be kei­ne Fest­stel­lun­gen da­zu ge­trof­fen, wann der Be­klag­te von dem am 19. Ok­to­ber 2017 beim Amts­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrei­ben, von dem von Herrn D. ver­än­der­ten Schrei­ben vom 3. No­vem­ber 2017 so­wie von dem an das Po­li­zei­prä­si­di­um D. ge­rich­te­ten Schrei­ben vom 14. No­vem­ber 2017 Kennt­nis er­langt ha­be. Die­sen Um­stand er­ach­tet die Be­schwer­de des­halb als we­sent­lich, weil "nicht aus­zu­schlie­ßen" sei, dass ei­ne wei­te­re Sach­ver­halts­auf­klä­rung er­bracht hät­te, dass dem Be­klag­ten die Schrei­ben erst kurz vor dem 10. Ja­nu­ar 2018 - dem Da­tum des Wi­der­rufs der Herrn D. er­teil­ten Ge­ne­ral­voll­macht - zu­ge­gan­gen sei­en, so­dass der Vor­wurf des Be­ru­fungs­ge­richts, der Be­klag­te sei dem In­halt der Schrei­ben nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten, nicht halt­bar sei, weil sich in dem (dann) zeit­na­hen Wi­der­ruf der Ge­ne­ral­voll­macht die Di­stan­zie­rung des Be­klag­ten ma­ni­fes­tie­re.

11 Hier­mit wird ein Ver­stoß ge­gen die Auf­klä­rungs­pflicht des Ge­richts nicht dar­ge­tan. Ab­ge­se­hen da­von, dass die Be­schwer­de nicht auf­zeigt, wel­che für ge­eig­net und er­for­der­lich ge­hal­te­nen Auf­klä­rungs­maß­nah­men hier­für in Be­tracht ge­kom­men wä­ren und der an­walt­lich ver­tre­te­ne Be­klag­te in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Be­ru­fungs­ge­richt aus­weis­lich der Sit­zungs­nie­der­schrift vom 18. De­zem­ber 2024 nicht auf ei­ne wei­te­re Sach­ver­halts­auf­klä­rung hin­ge­wirkt hat, muss­ten sich dem Be­ru­fungs­ge­richt wei­te­re Er­mitt­lun­gen von Amts we­gen auch nicht auf­drän­gen. Viel­mehr be­haup­tet schon die Be­schwer­de selbst nicht, dass der Be­klag­te die Schrei­ben erst in zeit­li­cher Nä­he zum Wi­der­ruf der Ge­ne­ral­voll­macht im Ja­nu­ar 2018 er­hal­ten ha­be, son­dern ist le­dig­lich der Auf­fas­sung, bei wei­te­rer Auf­klä­rung hät­te "zu­min­dest die Mög­lich­keit be­stan­den", dass das Be­ru­fungs­ge­richt zu die­ser Auf­fas­sung ge­langt wä­re. Im Üb­ri­gen hat das Ver­wal­tungs­ge­richt, des­sen Fest­stel­lun­gen sich das Be­ru­fungs­ge­richt zu ei­gen ge­macht hat (vgl. UA S. 19), in Be­zug auf das Schrei­ben an das Po­li­zei­prä­si­di­um D. vom 17. No­vem­ber 2017 ge­stützt auf den Vor­trag des Be­klag­ten (UA S. 11) fest­ge­stellt, dass er hier­von be­reits im No­vem­ber 2017 Kennt­nis er­hielt (vgl. UA S. 16 f.).

12 (2) Der wei­te­re Ein­wand der Be­schwer­de, das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be ver­säumt wei­ter auf­zu­klä­ren, wel­chen In­halt der Face­book-Kom­men­tar des Be­klag­ten zu dem Ar­ti­kel "Acht Mo­na­te Haft für 87-jäh­ri­ge Ho­lo­caust-Leug­ne­rin" vor der vom Be­klag­ten be­haup­te­ten Ver­än­de­rung ge­habt ha­be, geht fehl.

13 In dem vom Un­ter­su­chungs­grund­satz be­herrsch­ten Ver­wal­tungs­pro­zess ist es Auf­ga­be des Tat­sa­chen­ge­richts, den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halt zu er­mit­teln und die da­zu von Amts we­gen er­for­der­li­che Sach­ver­halts­auf­klä­rung zu be­trei­ben (vgl. BVer­wG, Be­schluss vom 25. Fe­bru­ar 2021 - 2 B 69.20 -‌ Buch­holz 235.2 LDis­zi­pli­narG Nr. 85 Rn. 17). Be­zo­gen auf den Vor­trag ei­nes Be­tei­lig­ten be­steht für das Tat­sa­chen­ge­richt nur dann An­lass zu wei­te­rer Sach­ver­halts­er­mitt­lung, wenn für die Ent­schei­dung er­heb­li­che Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen wer­den, wenn al­so in schlüs­si­ger Form ein in sich stim­mi­ger Sach­ver­halt ge­schil­dert wird, aus dem sich - die­ser als wahr un­ter­stellt - die be­haup­te­te Rechts­fol­ge er­gibt (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 7. No­vem­ber 1986 - 8 C 27.85 -‌ NVwZ 1987, 404 <404>).

14 Trotz der ge­richt­li­chen Auf­klä­rungs­pflicht sind auch die Be­tei­lig­ten ver­pflich­tet, bei der Er­for­schung des Sach­ver­halts mit­zu­wir­ken (§ 86 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 2 Vw­GO). Dies gilt in be­son­de­rem Ma­ße für Tat­sa­chen, die nur dem je­wei­li­gen Be­tei­lig­ten be­kannt sind. Kom­men die Be­tei­lig­ten die­ser Pflicht nicht nach, ob­wohl ih­nen ih­re Er­fül­lung oh­ne Wei­te­res mög­lich und zu­mut­bar ist, kann dies zu ei­ner Re­du­zie­rung der An­for­de­run­gen an die Auf­klä­rungs­pflicht des Ge­richts füh­ren (vgl. BVer­wG, Be­schlüs­se vom 16. Fe­bru­ar 1995 - 1 B 205.93 -‌ Buch­holz 451.20 § 14 Ge­wO Nr. 6 <6 f.> und vom 30. Ju­ni 2010 - 8 B 37.10 -‌ ju­ris Rn. 4). Dem­zu­fol­ge sind die Tat­sa­chen­ge­rich­te nicht ver­pflich­tet, in Er­mitt­lun­gen ein­zu­tre­ten, die durch das Vor­brin­gen der Be­tei­lig­ten nicht ver­an­lasst sind (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 14. Au­gust 1987 - 8 C 60.86 - NVwZ 1988, 361 <363>; Be­schlüs­se vom 17. Mai 2023 - 9 B 33.22 - ju­ris Rn. 33 und vom 7. Au­gust 2024 ‌- 4 BN 8.24 - ju­ris Rn. 2).

15 So liegt der Fall hier. Ab­ge­se­hen da­von, dass der an­walt­lich ver­tre­te­ne Be­klag­te in der münd­li­chen Ver­hand­lung auch in­so­weit nicht auf ei­ne wei­te­re Sach­auf­klä­rung hin­ge­wirkt hat und die Be­schwer­de nicht er­hellt, wel­cher In­halt der Face­book-Kom­men­tar vor sei­ner Ver­än­de­rung ge­habt ha­ben soll, blieb für das Be­ru­fungs­ge­richt nach dem Vor­trag des Be­klag­ten of­fen, an wel­chen Stel­len und mit wel­chem In­halt nach­träg­li­che Ver­än­de­run­gen mut­ma­ß­lich vor­ge­nom­men wur­den (vgl. UA S. 40). Da­mit fehl­te es - jen­seits der pau­scha­len Be­haup­tung des Be­klag­ten - an tat­säch­li­chen An­knüp­fungs­punk­ten für ei­ne Ver­än­de­rung des Face­book-Kom­men­tars, die dem Be­ru­fungs­ge­richt An­lass zu wei­te­ren Er­mitt­lun­gen hät­ten ge­ben müs­sen. Auch der Grund­satz der Amts­auf­klä­rung ver­pflich­tet ein Ge­richt nicht zu Nach­for­schun­gen, die we­der durch ent­spre­chen­des Vor­brin­gen noch durch an­de­re kon­kre­te An­halts­punk­te ver­an­lasst sind (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 7. No­vem­ber 1986 - 8 C 27.85 - NVwZ 1987, 404 <404>; Be­schlüs­se vom 24. Au­gust 1987 - 4 B 129.87 - ju­ris Rn. 43, vom 19. Ok­to­ber 2006 - 10 B 10.06 - ju­ris Rn. 4 und vom 28. Ju­ni 2018 - 2 B 57.17 - ju­ris Rn. 17).

16 (3) Ei­ne Ver­let­zung der ge­richt­li­chen Auf­klä­rungs­pflicht er­gibt sich auch nicht aus der Rü­ge, das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be es un­ter­las­sen auf­zu­klä­ren, wel­che Er­kennt­nis­se der Be­klag­te bei sei­ner ta­ge­lan­gen In­ter­net­re­cher­che ge­won­nen ha­be, die schlie­ß­lich zur Kon­takt­auf­nah­me mit den Her­ren M. und D. ge­führt hat. Denn die Be­schwer­de lässt of­fen, wel­che tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen bei der Durch­füh­rung der - die Sphä­re des Be­klag­ten be­tref­fen­den - un­ter­blie­be­nen Sach­ver­halts­auf­klä­rung vor­aus­sicht­lich ge­trof­fen wor­den wä­ren und in­wie­fern die­se bei Zu­grun­de­le­gung der ma­te­ri­ell-recht­li­chen Auf­fas­sung des Tat­sa­chen­ge­richts zu ei­ner für den Be­schwer­de­füh­rer güns­ti­ge­ren Ent­schei­dung hät­ten füh­ren kön­nen.

17 Dar­le­gun­gen zur Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit muss­ten sich der Be­schwer­de schon des­halb auf­drän­gen, weil das Be­ru­fungs­ge­richt das ta­ge­lan­ge "Goo­geln" im In­ter­net nur er­gän­zend ("Das gilt um­so mehr" – UA S. 37) zur Stüt­zung sei­ner recht­li­chen Wür­di­gung her­an­ge­zo­gen hat. Über­dies hat der Be­klag­te auch in­so­weit we­der auf ei­ne wei­te­re Sach­ver­halts­auf­klä­rung in der münd­li­chen Ver­hand­lung hin­ge­wirkt noch lässt sich der Be­schwer­de ent­neh­men, in­wie­fern sich dem Be­ru­fungs­ge­richt wei­te­re Er­mitt­lun­gen von Amts hät­ten auf­drän­gen müs­sen. Hin­zu kommt, dass das Be­ru­fungs­ge­richt dem Be­klag­ten nicht un­ter­stellt hat, auf­grund der ta­ge­lan­gen In­ter­net-Re­cher­che zu der Er­kennt­nis ge­langt zu sein, "dass es sich bei Herrn M. um ei­nen der füh­ren­den Köp­fe der Reichs­bür­ger­be­we­gung" han­de­le. Viel­mehr hat es in dem von der Be­schwer­de zi­tier­ten Ab­schnitt der an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dung all­ge­mein fest­ge­stellt, dass es sich bei Herrn M. um ei­nen der füh­ren­den Köp­fe der Reichs­bür­ger-Sze­ne han­de­le (vgl. UA S. 24, 37 f.). Dass das Be­ru­fungs­ge­richt hier­von nicht oh­ne wei­te­re Er­mitt­lun­gen aus­ge­hen durf­te, hat die Be­schwer­de - je­den­falls nicht in­ner­halb der Frist des § 133 Abs. 3 Satz 1 Vw­GO (s. hier­zu auch b) cc)) – nicht aus­ge­führt.

18 bb) Der Ein­wand der Be­schwer­de, das Be­ru­fungs­ge­richt sei von ei­nem fal­schen oder un­voll­stän­di­gen Sach­ver­halt aus­ge­gan­gen und ha­be hier­durch ge­gen § 3 LDG NRW i. V. m. § 108 Abs. 1 Satz 1 Vw­GO ver­sto­ßen, geht eben­falls fehl.

19 Nach § 3 LDG NRW i. V. m. § 108 Abs. 1 Satz 1 Vw­GO ent­schei­det das Ge­richt nach sei­ner frei­en, aus dem Ge­samt­er­geb­nis des Ver­fah­rens ge­won­ne­nen Über­zeu­gung. Die Sach­ver­halts- und Be­weis­wür­di­gung ei­ner Tat­sa­chen­in­stanz ist der Be­ur­tei­lung des Re­vi­si­ons­ge­richts nur in­so­weit un­ter­stellt, als es um Ver­fah­rens­feh­ler i. S. d. § 132 Abs. 2 Nr. 3 Vw­GO geht. Rü­ge­fä­hig ist da­mit nicht das Er­geb­nis der Be­weis­wür­di­gung, son­dern nur der Ver­fah­rens­vor­gang auf dem Weg dort­hin. Der­ar­ti­ge Män­gel lie­gen ins­be­son­de­re vor, wenn das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil von ei­nem fal­schen oder un­voll­stän­di­gen Sach­ver­halt aus­geht, al­so bei­spiels­wei­se ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Ak­ten­in­halt über­geht oder auf ei­ner ak­ten­wid­ri­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge ba­siert. Die Ein­hal­tung der ver­fah­rens­mä­ßi­gen Ver­pflich­tun­gen des Tat­sa­chen­ge­richts ist nicht schon dann in Fra­ge ge­stellt, wenn ein Be­tei­lig­ter ein aus sei­ner Sicht feh­ler­haf­tes Er­geb­nis der ge­richt­li­chen Ver­wer­tung des vor­lie­gen­den Tat­sa­chen­ma­te­ri­als rügt, aus dem er an­de­re Schlüs­se zie­hen will als das an­ge­foch­te­ne Ur­teil. Die Be­weis­wür­di­gung des Tat­sa­chen­ge­richts darf vom Re­vi­si­ons­ge­richt nicht dar­auf­hin über­prüft wer­den, ob sie über­zeu­gend ist, ob fest­ge­stell­te Ein­zel­um­stän­de mit dem ih­nen zu­kom­men­den Ge­wicht in die ab­schlie­ßen­de Be­weis­wür­di­gung ein­ge­gan­gen sind und ob die­se Ein­zel­um­stän­de die Wür­di­gung tra­gen. Sol­che Feh­ler sind re­vi­si­ons­recht­lich re­gel­mä­ßig nicht dem Ver­fah­rens­recht, son­dern dem ma­te­ri­el­len Recht zu­zu­ord­nen und kön­nen ei­nen Ver­fah­rens­man­gel i. S. d. § 132 Abs. 2 Nr. 3 Vw­GO grund­sätz­lich nicht be­grün­den. Ein Ver­stoß ge­gen den Über­zeu­gungs­grund­satz hat je­doch dann den Cha­rak­ter ei­nes Ver­fah­rens­feh­lers, wenn das Tat­sa­chen­ge­richt all­ge­mei­ne Sach­ver­halts- und Be­weis­wür­di­gungs­grund­sät­ze ver­letzt (stRspr, vgl. BVer­wG, Be­schlüs­se vom 8. Fe­bru­ar 2017 - 2 B 2.16 -‌ ju­ris Rn. 15, vom 8. Ju­ni 2017 - 2 B 5.17 - ju­ris Rn. 17, vom 23. Ja­nu­ar 2024 ‌- 2 B 25.23 - ju­ris Rn. 24 und vom 4. März 2025 - 2 B 42.24 - ju­ris Rn. 21). Über­prüft wer­den kann dem­zu­fol­ge auch, ob das Tat­sa­chen­ge­richt ge­gen das Ver­bot se­lek­ti­ver Ver­wer­tung des Pro­zess­stoffs ver­sto­ßen, ob es das Ge­bot ra­tio­na­ler, um Ob­jek­ti­vi­tät be­müh­ter Be­ur­tei­lung ver­letzt oder ob es den ihm ge­zo­ge­nen Be­ur­tei­lungs­rah­men über­schrit­ten hat (stRspr, vgl. zu­letzt BVer­wG, Be­schlüs­se vom 11. Ju­li 2022 - 2 B 31.21 - ju­ris Rn. 25, vom 19. De­zem­ber 2023 ‌- 2 B 43.22 - ju­ris Rn. 26 und vom 8. Ja­nu­ar 2025 - 2 B 32.24 - ju­ris Rn. 14, je­weils m. w. N.).

20 Da­nach hat die Be­schwer­de ei­nen Ver­fah­rens­feh­ler auch in­so­weit nicht dar­ge­tan.

21 (1) Ent­ge­gen der Rü­ge der Be­schwer­de kann dem Be­ru­fungs­ge­richt im Hin­blick auf den zeit­li­chen Zu­sam­men­hang zwi­schen den vom Be­klag­ten ver­fass­ten oder die­sem nach Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts zu­zu­rech­nen­den Schrei­ben und dem Wi­der­ruf der Ge­ne­ral­voll­macht nicht der Vor­wurf ge­macht wer­den, es ha­be "sei­ner dis­zi­pli­na­ri­schen Wür­di­gung ei­nen Sach­ver­halt zu Grun­de ge­legt, hin­sicht­lich des­sen Vor­lie­gens es sich über­haupt kei­ne Über­zeu­gung ver­schafft" ha­be. In der Sa­che rügt die Be­schwer­de da­mit le­dig­lich das Feh­len von Fest­stel­lun­gen, hin­sicht­lich de­rer sich dem Be­ru­fungs­ge­richt, wie sich aus Vor­ste­hen­dem er­gibt, ei­ne wei­te­re Auf­klä­rung des Sach­ver­halts nicht auf­drän­gen muss­te. Das Be­ru­fungs­ge­richt ist dem­zu­fol­ge ge­ra­de nicht von ei­nem un­voll­stän­di­gen Sach­ver­halt aus­ge­gan­gen.

22 (2) So­weit die Be­schwer­de be­an­stan­det, das Be­ru­fungs­ge­richt sei da­von aus­ge­gan­gen, dass der Be­klag­te "Herrn M. nicht zu­fäl­lig oder irr­tüm­lich" um Un­ter­stüt­zung ge­be­ten ha­be (vgl. UA S. 37 f.), der Be­klag­te sich mit­hin dar­über im Kla­ren ge­we­sen sei, dass es sich bei Herrn M. um ei­nen der füh­ren­den Köp­fe der Reichs­bür­ger­be­we­gung ge­han­delt ha­be, greift die Be­schwer­de das Er­geb­nis der be­ru­fungs­ge­richt­li­chen Be­weis­wür­di­gung an; hier­mit wird ein Ver­stoß ge­gen den Über­zeu­gungs­grund­satz in­des nicht dar­ge­tan.

23 cc) Ein mit dem An­spruch auf Ge­wäh­rung recht­li­chen Ge­hörs (Art. 103 Abs. 1 GG, § 3 Abs. 1 LDG NRW i. V. m. § 108 Abs. 2 Vw­GO) nicht zu ver­ein­ba­ren­des Über­ra­schungs­ur­teil liegt eben­falls nicht vor.

24 Der An­spruch auf Ge­wäh­rung recht­li­chen Ge­hörs aus Art. 103 Abs. 1 GG und (§ 3 Abs. 1 LDG NRW) § 108 Abs. 2 Vw­GO soll si­cher­stel­len, dass ein Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter Ein­fluss auf den Gang des ge­richt­li­chen Ver­fah­rens und des­sen Aus­gang neh­men kann. Zu die­sem Zweck muss er Ge­le­gen­heit er­hal­ten, sich zu al­len tat­säch­li­chen und recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten zu äu­ßern, die ent­schei­dungs­er­heb­lich sein kön­nen. Zwar kor­re­spon­diert mit die­sem Äu­ße­rungs­recht kei­ne um­fas­sen­de Fra­ge-, Auf­klä­rungs- und Hin­weis­pflicht des Ge­richts. Viel­mehr kann re­gel­mä­ßig er­war­tet wer­den, dass die Be­tei­lig­ten von sich aus er­ken­nen, wel­che Ge­sichts­punk­te Be­deu­tung für den Fort­gang des Ver­fah­rens und die ab­schlie­ßen­de Sach­ent­schei­dung des Ge­richts er­lan­gen kön­nen, und ent­spre­chend vor­tra­gen. Je­doch ver­langt der Schutz vor ei­ner Über­ra­schungs­ent­schei­dung, dass das Ge­richt nicht oh­ne vor­he­ri­gen Hin­weis auf ei­nen recht­li­chen Ge­sichts­punkt ab­stellt, mit dem auch ein ge­wis­sen­haf­ter und kun­di­ger Pro­zess­be­tei­lig­ter nach dem bis­he­ri­gen Pro­zess­ver­lauf nicht zu rech­nen braucht (stRspr, vgl. BVerfG, Be­schluss vom 30. Sep­tem­ber 2022 - 2 BvR 2222/21 - ‌N­JW 2022, 3413 Rn. 28; BVer­wG, Be­schlüs­se vom 11. Ju­li 2022 - 2 B 31.21 -‌ ju­ris Rn. 29 f. und vom 13. Mai 2024 - 2 B 4.24 - NVwZ-RR 2024, 815 Rn. 15).

25 (1) Die der Be­schwer­de bei rechts­schutz­freund­li­cher Aus­le­gung zu ent­neh­men­de Rü­ge, das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be den An­spruch des Be­klag­ten auf Ge­wäh­rung recht­li­chen Ge­hörs da­durch ver­letzt, dass es "zu kei­nem Zeit­punkt deut­lich ge­macht" ha­be, dass es da­von aus­ge­he, der Be­klag­te ha­be die ihm nach Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts zu­zu­rech­nen­den Schrei­ben nicht erst in zeit­li­chem Zu­sam­men­hang mit dem Wi­der­ruf der Ge­ne­ral­voll­macht er­hal­ten, geht fehl. Be­reits das Ver­wal­tungs­ge­richt hat dar­auf ab­ge­stellt, dass der Be­klag­te der Ver­brei­tung von reichs­bür­ger­ty­pi­schem Ge­dan­ken­gut durch sei­nen Be­voll­mäch­tig­ten nicht um­ge­hend ent­ge­gen­ge­tre­ten ist (vgl. UA S. 20). Es lag des­halb für den an­walt­lich ver­tre­te­nen Be­klag­ten nicht fern, dass die­ser Ge­sichts­punkt auch im Be­ru­fungs­ver­fah­ren auf­ge­grif­fen und Be­deu­tung er­lan­gen wür­de.

26 Im Üb­ri­gen fehlt es an ei­ner sub­stan­ti­ier­ten Dar­le­gung des­sen, was der Be­klag­te bei aus­rei­chen­der Ge­hörs­ge­wäh­rung noch vor­ge­tra­gen hät­te und in­wie­weit der wei­te­re Vor­trag zu ei­ner ihm güns­ti­ge­ren Ent­schei­dung hät­te füh­ren kön­nen (vgl. BVer­wG, Be­schlüs­se vom 26. Ok­to­ber 2006 - 2 B 54.06 - ju­ris Rn. 11, vom 5. Fe­bru­ar 2009 - 2 PKH 2.09 - ju­ris Rn. 7, vom 15. Ju­ni 2022 - 8 B 9.22 -‌ Buch­holz 310 § 86 Abs. 3 Vw­GO Nr. 66 Rn. 6 und vom 26. Sep­tem­ber 2024 ‌- 9 B 19.24 - ju­ris Rn. 7).

27 (2) Ei­ne Über­ra­schungs­ent­schei­dung liegt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­schwer­de auch nicht des­halb vor, weil der Be­klag­te da­von ha­be aus­ge­hen dür­fen, dass sein Face­book-Kom­men­tar zu dem Ar­ti­kel "Acht Mo­na­te Haft für 87-jäh­ri­ge Ho­lo­caust-Leug­ne­rin" für das Be­ru­fungs­ge­richt kei­ne Rol­le spie­len wer­de, zu­mal der Sach­ver­halt nicht Ge­gen­stand der Dis­zi­pli­nar­k­la­ge ge­we­sen sei. Letz­te­res trifft zwar zu, als sol­chen hat das Be­ru­fungs­ge­richt den Face­book-Kom­men­tar in­des auch nicht be­han­delt, son­dern sich hier­zu bei der Maß­nah­me­be­mes­sung im Rah­men der Ge­samt­wür­di­gung sämt­li­cher zu be­rück­sich­ti­gen­der Ge­sichts­punk­te ver­hal­ten (vgl. UA S. 38 f.).

28 Un­ge­ach­tet des­sen war der Face­book-Kom­men­tar Ge­gen­stand des Be­klag­ten­vor­trags im Ver­fah­ren vor dem Be­ru­fungs­ge­richt. Vor die­sem Hin­ter­grund muss­te der Be­klag­te da­mit rech­nen, dass sich das Ge­richt - un­ab­hän­gig vom ge­nau­en In­halt des Rechts­ge­sprächs in der münd­li­chen Ver­hand­lung - in den Ent­schei­dungs­grün­den mit dem schrift­sätz­li­chen Vor­brin­gen des Be­klag­ten, das sich eben­falls in dem pau­scha­len Hin­weis auf ei­ne nach­träg­li­che Ver­än­de­rung des Face­book-Kom­men­tars er­schöpf­te, aus­ein­an­der­set­zen und dies wür­di­gen wür­de (vgl. BVer­wG, Be­schlüs­se vom 3. Ju­li 2023 - 1 WB 49.22 - ju­ris Rn. 48 und vom 13. Fe­bru­ar 2025 - 3 B 16.24 - NVwZ 2025, 765 Rn. 33). Ei­ne Ver­let­zung recht­li­chen Ge­hörs schei­det dem­nach aus.

29 (3) So­weit die Be­schwer­de dar­über hin­aus ei­ne Ver­let­zung recht­li­chen Ge­hörs rügt, weil das Be­ru­fungs­ge­richt den Be­klag­ten nicht da­zu be­fragt ha­be, ob er sich zum Zeit­punkt der Kon­takt­auf­nah­me mit Herrn M. und der Er­tei­lung der Ge­ne­ral­voll­macht dar­über im Kla­ren ge­we­sen sei, dass es sich bei die­sem um ei­nen der füh­ren­den Köp­fe der Reichs­bür­ger­be­we­gung ge­han­delt ha­be, fehlt es eben­falls an ei­ner sub­stan­ti­ier­ten Dar­le­gung des­sen, was der Be­klag­te bei aus­rei­chen­der Ge­hörs­ge­wäh­rung noch vor­ge­tra­gen hät­te und in­wie­weit der wei­te­re Vor­trag zu ei­ner ihm güns­ti­ge­ren Ent­schei­dung hät­te füh­ren kön­nen.

30 b) Die von der Be­schwer­de gel­tend ge­mach­te grund­sätz­li­che Be­deu­tung der Rechts­sa­che (§ 67 Satz 1 LDG NRW i. V. m. § 132 Abs. 2 Nr. 1 Vw­GO) liegt nicht vor.

31 Ei­ne Rechts­sa­che hat grund­sätz­li­che Be­deu­tung i. S. d. § 132 Abs. 2 Nr. 1 Vw­GO, wenn sie ei­ne Fra­ge des re­vi­si­blen Rechts von all­ge­mei­ner, über den Ein­zel­fall hin­aus­rei­chen­der Be­deu­tung auf­wirft, die im kon­kre­ten Fall ent­schei­dungs­er­heb­lich ist. Ein der­ar­ti­ger Klä­rungs­be­darf be­steht nicht, wenn die Rechts­fra­ge be­reits ge­klärt ist oder auf der Grund­la­ge der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung mit Hil­fe der an­er­kann­ten Aus­le­gungs­re­geln auch oh­ne Durch­füh­rung ei­nes Re­vi­si­ons­ver­fah­rens ein­deu­tig be­ant­wor­tet wer­den kann (stRspr, vgl. BVer­wG, Be­schlüs­se vom 24. Ja­nu­ar 2011 - 2 B 2.11 - NVwZ-RR 2011, 329 Rn. 4, vom 9. April 2014 - 2 B 107.13 - Buch­holz 310 § 132 Abs. 2 Ziff. 2 Vw­GO Nr. 20 Rn. 9, vom 24. April 2017 - 1 B 70.17 - Buch­holz 310 § 132 Abs. 2 Ziff. 1 Vw­GO Nr. 68 Rn. 3 und vom 18. De­zem­ber 2024 - 2 B 21.24 - ju­ris Rn. 10).

32 aa) Die von der Be­schwer­de als klä­rungs­be­dürf­tig an­ge­se­he­ne Fra­ge,
"ob auch ei­ne er­heb­li­che Ver­min­de­rung der Fä­hig­keit, das Un­recht der Tat ein­zu­se­hen, bei der ei­ne ge­wis­se Un­recht­sein­sicht aber noch vor­han­den ist, zu ei­ner ver­min­der­ten Schuld­fä­hig­keit im Sin­ne von § 21 StGB füh­ren kann, wo­durch die Ver­hän­gung der Höchst­maß­nah­me re­gel­mä­ßig aus­ge­schlos­sen ist?",
recht­fer­tigt die Zu­las­sung der Re­vi­si­on nicht, weil sie sich in ei­nem Re­vi­si­ons­ver­fah­ren nicht stel­len wür­de.

33 Nach den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts, an die der Se­nat man­gels durch­grei­fen­der Ver­fah­rens­rü­gen in ei­nem Re­vi­si­ons­ver­fah­ren ge­bun­den wä­re (vgl. § 137 Abs. 2 Vw­GO), lag bei dem Be­klag­ten zum Zeit­punkt der je­wei­li­gen Pflicht­ver­let­zung kei­nes der Ein­gangs­merk­ma­le i. S. d. §§ 20, 21 StGB vor (vgl. UA S. 43). Zu­dem hat sich das Be­ru­fungs­ge­richt die Be­wer­tung des Gut­ach­tens zu ei­gen ge­macht, wo­nach die Vor­aus­set­zun­gen "entspr. § 20" man­gels Hin­wei­sen auf ei­ne so gra­vie­ren­de psy­chi­sche Ver­än­de­rung, dass von ei­ner auf­ge­ho­be­nen Ein­sichts- oder Steue­rungs­fä­hig­keit aus­ge­gan­gen wer­den kön­ne, zwei­fel­los nicht ge­ge­ben sei­en (vgl. UA S. 32). Es hat da­bei aus­führ­lich dar­ge­legt, war­um die bei dem Be­klag­ten dia­gnos­ti­zier­te An­pas­sungs­stö­rung bei Per­sön­lich­keits­ak­zen­tu­ie­rung und die de­pres­si­ve Epi­so­de kei­ne "schwe­re an­de­re see­li­sche Stö­rung" i. S. d. § 20 StGB zu be­grün­den ver­mag (vgl. UA S. 43 f.).

34 Die An­wen­dung des § 21 StGB kommt je­doch nur in Be­tracht, wenn ei­ne der in § 20 StGB auf­ge­führ­ten see­li­schen Stö­run­gen ("aus ei­nem der in § 20 be­zeich­ne­ten Grün­de") vor­liegt (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 20. April 2023 - 2 A 18.21 -‌ NVwZ 2024, 165 Rn. 36; Be­schlüs­se vom 26. Sep­tem­ber 2014 - 2 B 14.14 -‌ Buch­holz 235.1 § 57 BDG Nr. 5 Rn. 21, vom 23. Mai 2017 - 2 B 51.16 - Buch­holz 235.1 § 64 BDG Nr. 3 Rn. 15, vom 17. Ok­to­ber 2019 - 2 B 79.18 - NVwZ-RR 2020, 749 Rn. 10 und vom 20. Mai 2025 - 2 B 9.25 - ju­ris Rn. 10). Dies ist aus­ge­hend von den be­ru­fungs­ge­richt­li­chen Fest­stel­lun­gen je­doch zu ver­nei­nen. Zu­dem ist das Be­ru­fungs­ge­richt da­von aus­ge­gan­gen, dass - an­ders als die Be­schwer­de na­he­legt - Un­recht­sein­sicht bei dem Be­klag­ten vor­han­den war (vgl. UA S. 30).

35 Un­ge­ach­tet des­sen hat das Be­ru­fungs­ge­richt in An­knüp­fung an die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs (vgl. Be­schlüs­se vom 25. Ju­li 2012 - 1 StR 332/12 - ju­ris, vom 11. Mai 2021 - 4 StR 535/20 - NStZ 2022, 34 Rn. 4 und vom 13. März 2025 - 2 StR 492/24 - ju­ris Rn. 5; s. zum Gan­zen auch Eschel­bach, in: v. Heint­schel-Hein­egg/Kud­lich, Be­ck­OK StGB, Stand Mai 2025, § 21 Rn. 5) dar­auf ab­ge­stellt, dass ei­ne ver­min­der­te Ein­sichts­fä­hig­keit - die der Gut­ach­ter be­zo­gen auf den Be­klag­ten als wahr­schein­lich an­ge­se­hen hat, zu­min­dest aber nicht aus­schlie­ßen konn­te (vgl. UA S. 30) – straf­recht­lich erst dann von Be­deu­tung ist, wenn sie das Feh­len der Un­recht­sein­sicht zur Fol­ge hat. Da­nach ist der­je­ni­ge, der trotz er­heb­lich ver­min­der­ter Ein­sichts­fä­hig­keit im kon­kre­ten Fall Ein­sicht in das Un­recht sei­nes Tuns hat - so­fern nicht sei­ne Steue­rungs­fä­hig­keit er­heb­lich ein­ge­schränkt war - voll schuld­fä­hig. Die Be­schwer­de zeigt kei­nen über die­se Recht­spre­chung hin­aus­ge­hen­den Klä­rungs­be­darf auf. Der Um­stand al­lein, dass es zu ei­ner Rechts­fra­ge noch kei­ne aus­drück­li­che Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts gibt, ver­leiht ei­ner Rechts­sa­che kei­ne grund­sätz­li­che Be­deu­tung.

36 bb) Auch die wei­te­re auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge,
"ob auch bei der Be­mes­sung ei­ner Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me für ein im Ru­he­stand be­gan­ge­nes Dienst­ver­ge­hen auf die An­for­de­run­gen ab­ge­stellt wer­den kann, die sich für den ent­spre­chen­den Be­am­ten in sei­ner ak­ti­ven Dienst­zeit er­ga­ben?",
führt nicht zur Zu­las­sung der Re­vi­si­on, weil sie auf der Grund­la­ge der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung auch oh­ne Durch­füh­rung ei­nes Re­vi­si­ons­ver­fah­rens ein­deu­tig be­ant­wor­tet wer­den kann.

37 Das die Rechts­ver­ein­heit­li­chung im Dis­zi­pli­nar­recht an­stre­ben­de und die da­ma­li­ge Rechts­ent­wick­lung auch auf der Ebe­ne des Bun­des­dis­zi­pli­nar­ge­set­zes nach­voll­zie­hen­de Dis­zi­pli­nar­ge­setz für das Land Nord­rhein-West­fa­len (vgl. LT-Drs. 13/5220 S. 1, 77) sieht in § 13 Abs. 3 Satz 2 vor, dass das Ru­he­ge­halt ab­zu­er­ken­nen ist, wenn der Be­am­te als noch im Dienst be­find­li­cher Be­am­ter aus dem Be­am­ten­ver­hält­nis hät­te ent­fernt wer­den müs­sen. Dies er­for­dert, eben­so wie bei der bun­des­recht­li­chen Par­al­lel­vor­schrift in § 13 Abs. 4 Satz 2 BDG, ei­ne fik­ti­ve Ver­gleichs­be­trach­tung. Für die Fra­ge der Be­ein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung und der In­te­gri­tät des Be­rufs­be­am­ten­tums ist auf­grund der vom Ge­setz­ge­ber an­ge­ord­ne­ten Gleich­be­wer­tung mit­hin oh­ne Be­lang, dass ein Ru­he­stands­be­am­ter von der Dienst­ver­pflich­tung be­freit und ei­ne Be­ein­träch­ti­gung des Dienst­be­triebs folg­lich aus­ge­schlos­sen ist (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 7. No­vem­ber 2024 - 2 C 16.23 - BVer­w­GE 183, 332 Rn. 57; Be­schluss vom 7. Mai 2025 - 2 B 38.24 - Rn. 7).

38 Sinn und Zweck des § 13 Abs. 3 Satz 2 LDG NRW ist es - eben­so wie bei § 13 Abs. 4 Satz 2 BDG –, ei­ne gleich­mä­ßi­ge Sank­tio­nie­rung für im ak­ti­ven Dienst be­gan­ge­ne schwe­re Dienst­ver­ge­hen si­cher­zu­stel­len ("Als-ob-Über­le­gung" - LT-Drs. 13/5220 S. 83). Denn der dis­zi­pli­nar­recht­lich ge­bo­te­ne Ver­lust der Be­am­ten­rech­te we­gen ei­nes be­son­ders schwe­ren Dienst­ver­ge­hens soll nicht da­von ab­hän­gen, ob sich der Be­am­te bei rechts­kräf­ti­gem Ab­schluss des Straf- oder Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens noch im ak­ti­ven Dienst be­fin­det (vgl. zu § 13 Abs. 2 Satz 2 BDG a. F. BVer­wG, Ur­teil vom 7. No­vem­ber 2024 - 2 C 16.23 - BVer­w­GE 183, 332 Rn. 58; Be­schluss vom 30. Ju­li 2013 - 2 B 23.13 - NVwZ-RR 2013, 888 Rn. 12 f.). An­dern­falls wä­re aus­schlag­ge­bend für die dis­zi­pli­na­ri­sche Ahn­dung ei­nes Dienst­ver­ge­hens das mehr oder we­ni­ger zu­fäl­li­ge oder gar ge­steu­er­te Aus­schei­den aus dem ak­ti­ven Dienst (vgl. BVer­wG, Ur­tei­le vom 26. Ja­nu­ar 1999 ‌- 1 D 34.97 - ju­ris Rn. 16 und vom 7. No­vem­ber 2024 - 2 C 16.23 - BVer­w­GE 183, 332 Rn. 58; Be­schlüs­se vom 1. März 2012 - 2 B 140.11 - ju­ris Rn. 6 m. w. N. und vom 7. Mai 2025 - 2 B 38.24 - ju­ris Rn. 8).

39 cc) So­weit die Be­schwer­de im Schrift­satz vom 25. Ju­ni 2025 der Sa­che nach erst­mals die Fra­ge for­mu­liert,
in wel­chem Um­fang sich Be­am­te dis­zi­pli­na­risch das Ver­hal­ten Drit­ter zu­rech­nen las­sen müs­sen, die auf Grund­la­ge ei­ner vom Be­am­ten er­teil­ten Voll­macht tä­tig wer­den,
ist dies un­be­acht­lich, weil es sich um neu­es, erst nach Ab­lauf der zwei­mo­na­ti­gen Be­grün­dungs­frist (§ 133 Abs. 3 Satz 1 Vw­GO) ein­ge­gan­ge­nes Vor­brin­gen han­delt (vgl. BVer­wG, Be­schlüs­se vom 2. Au­gust 2010 - 4 BN 36.10 - ju­ris Rn. 5 und vom 15. Ja­nu­ar 2014 - 5 B 57.13 - ju­ris Rn. 6), mit dem auch nicht le­dig­lich ein recht­zei­tig gel­tend ge­mach­ter Zu­las­sungs­grund nä­her er­läu­tert und ver­deut­licht wird (vgl. BVer­wG, Be­schlüs­se vom 16. Au­gust 2017 - 3 B 53.16 - ju­ris Rn. 3 und vom 8. Fe­bru­ar 2022 - 4 B 25.21 - ju­ris Rn. 10).

40 c) Die Re­vi­si­on ist auch nicht we­gen der von der Be­schwer­de gel­tend ge­mach­ten Di­ver­genz (§ 67 Satz 1 LDG NRW i. V. m. § 132 Abs. 2 Nr. 2 Vw­GO) zu­zu­las­sen.

41 Ei­ne die Re­vi­si­ons­zu­las­sung nach § 132 Abs. 2 Nr. 2 Vw­GO be­grün­den­de "Ab­wei­chung" liegt nur vor, wenn zwi­schen den Ge­rich­ten ein grund­sätz­li­cher Mei­nungs­un­ter­schied hin­sicht­lich der die Rechts­an­wen­dung im Ein­zel­fall be­stim­men­den Maß­stä­be be­steht. Die Di­ver­genz­rü­ge setzt des­halb die Dar­le­gung ei­nes prin­zi­pi­el­len Auf­fas­sungs­un­ter­schieds über den Be­deu­tungs­ge­halt ei­nes im kon­kre­ten Rechts­streit er­heb­li­chen Rechts­sat­zes vor­aus. Die blo­ße Be­haup­tung ei­ner feh­ler­haf­ten oder un­ter­blie­be­nen An­wen­dung von Rechts­sät­zen, die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­ner Recht­spre­chung auf­ge­stellt hat, ge­nügt den Zu­läs­sig­keits­an­for­de­run­gen ei­ner Di­ver­genz­rü­ge da­ge­gen nicht. Das Re­vi­si­ons­zu­las­sungs­recht kennt - an­ders als die Vor­schrif­ten über die Zu­las­sung der Be­ru­fung (§ 124 Abs. 2 Nr. 1 Vw­GO) – den Zu­las­sungs­grund ernst­li­cher Rich­tig­keits­zwei­fel nicht (stRspr, vgl. BVer­wG, Be­schlüs­se vom 9. April 2014 - 2 B 107.13 - Buch­holz 310 § 132 Abs. 2 Ziff. 2 Vw­GO Nr. 20 Rn. 3, vom 14. De­zem­ber 2023 - 2 B 45.22 - NVwZ-RR 2024, 519 Rn. 16 und vom 18. De­zem­ber 2024 ‌- 2 B 21.24 - ju­ris Rn. 7).

42 aa) Die von der Be­schwer­de be­haup­te­te Di­ver­genz zwi­schen der an­ge­grif­fe­nen be­ru­fungs­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung und dem Be­schluss des Se­nats vom 28. Ja­nu­ar 2015 - 2 B 15.14 - (Buch­holz 235.1 § 58 BDG Nr. 11 Rn. 19 f.) liegt nicht vor.

43 Vor­aus­set­zung für die An­nah­me ver­min­der­ter Schuld­fä­hig­keit ist, wie sich aus Vor­ste­hen­dem und der von der Be­schwer­de be­zeich­ne­ten Ent­schei­dung des Se­nats er­gibt, auf­grund des zwei­stu­fi­gen Auf­baus des § 21 StGB zu­nächst, dass ei­ne der in § 20 StGB auf­ge­führ­ten see­li­schen Stö­run­gen vor­liegt. Erst wenn das Ein­gangs­merk­mal und sein Schwe­re­grad fest­ste­hen oder nach dem Grund­satz "in du­bio pro reo" nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­nen, kann be­ur­teilt wer­den, ob die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne er­heb­lich ge­min­der­te Schuld­fä­hig­keit vor­lie­gen (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 20. April 2023 - 2 A 18.21 - NVwZ 2024, 165 Rn. 34 f. m. w. N.). Ei­nen hier­von ab­wei­chen­den Rechts­satz hat das Be­ru­fungs­ge­richt nicht auf­ge­stellt, son­dern le­dig­lich im Rah­men der auf den vor­lie­gen­den Ein­zel­fall be­zo­ge­nen Rechts­an­wen­dung das Vor­lie­gen ei­ner der in § 20 StGB auf­ge­führ­ten see­li­schen Stö­run­gen un­ter Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen ver­neint.

44 bb) Das Be­ru­fungs­ge­richt weicht in der Maß­st­abs­bil­dung auch nicht vom Be­schluss des Se­nats vom 8. Ju­ni 2017 - 2 B 5.17 - (ju­ris) ab.

45 Nach § 13 Abs. 2 Satz 1 bis 3 LDG NRW ist die Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ins­be­son­de­re nach der Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens zu be­mes­sen, das Per­sön­lich­keits­bild des Be­am­ten ist an­ge­mes­sen zu be­rück­sich­ti­gen; fer­ner soll be­rück­sich­tigt wer­den, in wel­chem Um­fang das Ver­trau­en des Dienst­herrn oder der All­ge­mein­heit be­ein­träch­tigt wor­den ist. Hat der Be­am­te durch ein Dienst­ver­ge­hen das Ver­trau­en des Dienst­herrn oder der All­ge­mein­heit end­gül­tig ver­lo­ren, ist er nach § 13 Abs. 3 Satz 1 LDG NRW aus dem Be­am­ten­ver­hält­nis zu ent­fer­nen. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Se­nats, wie sie auch in vor­ge­nann­ter Ent­schei­dung zum Aus­druck kommt, ist die Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me nach der Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens un­ter an­ge­mes­se­ner Be­rück­sich­ti­gung der Per­sön­lich­keit des Be­am­ten und des Um­fangs der durch das Dienst­ver­ge­hen her­bei­ge­führ­ten Ver­trau­ens­be­ein­träch­ti­gung zu be­mes­sen. Die sich aus § 13 Abs. 2 Satz 1 bis 3 LDG NRW er­ge­ben­den Be­mes­sungs­kri­te­ri­en müs­sen mit dem ih­nen im Ein­zel­fall zu­kom­men­den Ge­wicht er­mit­telt und in die Ent­schei­dung ein­ge­stellt wer­den. Die ge­gen den Be­am­ten aus­ge­spro­che­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me muss un­ter Be­rück­sich­ti­gung al­ler be- und ent­las­ten­den Um­stän­de des Ein­zel­falls in ei­nem ge­rech­ten Ver­hält­nis zur Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens und zum Ver­schul­den des Be­am­ten ste­hen (vgl. BVer­wG, Ur­teil vom 20. April 2023 - 2 A 18.21 - NVwZ 2024, 165 Rn. 26; Be­schlüs­se vom 14. De­zem­ber 2021 - 2 B 43.21 -‌ ju­ris Rn. 11, vom 19. De­zem­ber 2023 - 2 B 43.22 - ju­ris Rn. 27 und vom 4. März 2025 - 2 B 42.24 - ju­ris Rn. 9).

46 Als ma­ß­ge­ben­des Be­mes­sungs­kri­te­ri­um ist die Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens nach § 13 Abs. 2 LDG NRW rich­tung­wei­send für die Be­stim­mung der er­for­der­li­chen Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me. Dies be­deu­tet, dass das fest­ge­stell­te Dienst­ver­ge­hen nach sei­ner Schwe­re ei­ner der im Ka­ta­log des § 5 Abs. 1 LDG NRW auf­ge­führ­ten Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me zu­zu­ord­nen ist. Da­von aus­ge­hend kommt es für die Be­stim­mung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me dar­auf an, ob Er­kennt­nis­se zum Per­sön­lich­keits­bild und zum Um­fang der Ver­trau­ens­be­ein­träch­ti­gung im Ein­zel­fall der­art ins Ge­wicht fal­len, dass ei­ne an­de­re als die durch die Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens in­di­zier­te Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ge­bo­ten ist (vgl. BVer­wG, Ur­tei­le vom 29. März 2012 - 2 A 11.10 - ju­ris Rn. 72 f. m. w. N., vom 2. De­zem­ber 2021 - 2 A 7.21 - BVer­w­GE 174, 219 Rn. 47, vom 28. Sep­tem­ber 2022 - 2 A 17.21 - Buch­holz 232.0 § 61 BBG 2009 Nr. 3 Rn. 105, vom 2. März 2023 - 2 A 19.21 - NVwZ-RR 2023, 916 Rn. 43 und vom 7. No­vem­ber 2024 - 2 C 16.23 -‌ BVer­w­GE 183, 332 Rn. 37).

47 Ei­nen hier­von ab­wei­chen­den recht­li­chen Maß­stab hat das Be­ru­fungs­ge­richt sei­ner Ent­schei­dung nicht zu­grun­de ge­legt (vgl. UA S. 32 ff.). Oh­ne Er­folg macht die Be­schwer­de gel­tend, das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be bei sei­ner Be­mes­sungs­ent­schei­dung ei­nem ma­ß­geb­li­chen ent­las­ten­den As­pekt, näm­lich den Um­stand, dass der Be­klag­te im Ja­nu­ar 2018 die zu­vor er­teil­te Ge­ne­ral­voll­macht wi­der­ru­fen und da­bei dar­auf hin­ge­wie­sen ha­be, die­se sei un­ter der Prä­mis­se er­teilt wor­den, dass die Ak­ti­vi­tä­ten der Be­voll­mäch­tig­ten mit dem Grund­ge­setz und der frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung über­ein­stimm­ten, kei­ner­lei Be­deu­tung bei­ge­mes­sen. Da­mit wen­det sich die Be­schwer­de le­dig­lich ge­gen die - aus ih­rer Sicht feh­ler­haf­te - Rechts­an­wen­dung im Ein­zel­fall, mit der sich ei­ne Di­ver­genz­rü­ge nicht be­grün­den lässt. Un­ge­ach­tet des­sen hat das Be­ru­fungs­ge­richt das Ver­hal­ten des Be­klag­ten wäh­rend der Dau­er des lau­fen­den Dis­zi­pli­nar(kla­ge)ver­fah­rens in sei­ner Ge­samt­heit ge­wür­digt (vgl. S. 53 UA; s. a. S. 48 f.).

48 Im Üb­ri­gen lässt sich dem be­ru­fungs­ge­richt­li­chen Ur­teil nicht der Rechts­satz ent­neh­men, "nach­träg­li­che Ver­hal­tens­wei­sen", die An­halts­punk­te da­für sein kön­nen, dass der Be­am­te wie­der auf dem Bo­den der frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung steht, sei­en für die Be­mes­sung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me au­ßer Acht zu las­sen. Denn das Be­ru­fungs­ge­richt hat das "Nacht­at­ver­hal­ten" des Be­klag­ten ge­wür­digt (vgl. UA 48 f.), hier­in aber kei­ne glaub­haf­te Di­stan­zie­rung von sei­nem Pflich­ten­ver­stoß er­kannt. Der Ein­wand der Be­schwer­de er­schöpft sich auch in­so­weit in ei­ner ver­meint­lich un­rich­ti­gen Rechts­an­wen­dung im Ein­zel­fall. Auf die­se Wei­se kann die Zu­las­sung der Re­vi­si­on mit­tels der Di­ver­genz­rü­ge nicht er­reicht wer­den (vgl. BVer­wG, Be­schlüs­se vom 21. Ju­ni 2017 ‌- 2 B 50.16 - ju­ris Rn. 15 und vom 30. April 2019 - 2 B 59.18 - ju­ris Rn. 6).

49 3. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 74 Abs. 1 LDG NRW i. V. m. § 154 Abs. 2 Vw­GO. Ei­ner Fest­set­zung des Werts des Streit­ge­gen­stands be­darf es nicht, weil für das Be­schwer­de­ver­fah­ren Fest­ge­büh­ren nach dem Ge­büh­ren­ver­zeich­nis der An­la­ge zu § 75 LDG NRW er­ho­ben wer­den.