Edelmetalle

Schlimmster Silbercrash seit 1980

Der Silberpreis ist an einem einzigen Tag um fast 30 Prozent abgestürzt. Auch Gold brach tief ein. Doch was sind die Ursachen für diesen steilen Absturz?

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Der Preis für eine Feinunze Silber hat sich von 121 auf 84 Dollar verbilligt.
Der Preis für eine Feinunze Silber hat sich von 121 auf 84 Dollar verbilligt.APA / Comyan / Robert Jaeger

Es war der schlimmste Tagesverlust für Silber seit dem 27. März 1980. Nachdem am Donnerstagnachmittag ein Flash-Crash bei Edelmetallen für Aufsehen gesorgt hat, fiel der Silberpreis am folgenden Tag um bis zu 30 Prozent weiter. Hatte eine Feinunze Silber am Donnerstagvormittag noch ein Rekordhoch von mehr als 121 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) erreicht, fiel der Preis zeitweise auf 83 Dollar, bis er sich zuletzt zwischen 84 und 85 Dollar einpendelte. Verstärkt wurde der Preisverfall durch die Ernennung von Kevin Warsh zum künftigen US-Notenbank-Präsidenten, der als „Falke“ gilt, also für eine straffere Geldpolitik steht. Das ließ den Dollar steigen und Edelmetalle und teilweise auch Technologieaktien fallen. Gold kostet nun wieder weniger als 5000 Dollar. Am Donnerstagvormittag wurde es zeitweise noch um knapp 5600 Dollar gehandelt.

Erholung erst nach 45 Jahren

Der Silberabsturz erinnert in seiner Heftigkeit an den 27. März 1980, als es um 33 Prozent (und binnen einer Woche um mehr als 50 Prozent) nach unten ging. Damals hatten die Hunt-Brüder den Silberpreis auf bis zu 50 Dollar nach oben manipuliert. Zuletzt waren auch Kleinanleger auf den Zug aufgesprungen. Als die Rohstoffbörse Comex ihre Regeln für Silberkontrakte verschärfte, mussten die Hunt-Brüder plötzlich so hohe Sicherheiten hinterlegen, dass sie ihr Silber auf den Markt werfen mussten. Der Preis brach ein und hat erst 2025, also 45 Jahre später, wieder das nominelle Rekordniveau von damals erreicht.

Dass er im Vorjahr und heuer so stark gestiegen ist (Silber kostet trotz des Absturzes noch mehr als zu Jahresbeginn), hat gute Gründe: Seit fünf Jahren wird weniger Silber produziert (geschürft und recycelt) als von der Industrie für Fotovoltaik, E-Autos und Batterien nachgefragt. Inzwischen leeren sich die Lager. China ist dazu übergegangen, Silberexporte zu beschränken, die USA haben Silber zum kritischen Metall erklärt. Auch Privatanleger kaufen Silber vermehrt als Absicherung gegen die Abwertung von staatlichen Währungen wie Euro oder Dollar. Zuletzt hatte Silber fast Kultstatus. Man kaufte es, um das coolste Investment zu haben. Der zuletzt extrem steile Anstieg schrie aber regelrecht nach einer Korrektur, die nun mit einer Heftigkeit gekommen ist, mit der kaum jemand gerechnet hat.

Fed-Chef war nur Auslöser für Absturz

Als der Preisabsturz am Donnerstag einsetzte, erwischte es zunächst jene Investoren, die gehebelt (also mit Krediten im Hintergrund) auf einen steigenden Preis gewettet hatten. Sie mussten teilweise notverkaufen. Das drückte den Preis weiter, was neue automatische Verkaufsorders auslöste. In der Nacht auf Freitag schien der Preisverfall zu enden, diese Hoffnung war jedoch verfrüht. Am Freitag setzte sich der Absturz unbarmherzig fort. Der künftige Fed-Chef war nur der Anlass für die Korrektur.

Doch wird der Silberpreis auch heute manipuliert? In den vergangenen Jahren wurden tatsächlich mehrere Großbanken, darunter JPMorgan, wegen Silberpreismanipulation verurteilt. Sie hatten etwa Großaufträge platziert und sofort wieder gelöscht. So etwas tun Banken nach eigenen Angaben heute nicht mehr. Doch wird vielfach spekuliert, dass das nicht ganz stimmt. Kritiker verweisen darauf, dass der Silberpreis für physische Lieferung an der Börse in Shanghai höher ist als der Preis für Papierkontrakte an der New Yorker Rohstoffbörse Comex, weswegen sie letzteren für künstlich niedrig halten.

Anleger nehmen lieber Gewinne mit

Die Differenz hat aber auch damit zu tun, dass viele Unternehmen, die Silber benötigen, wegen der Knappheit dazu übergegangen sind, dieses direkt bei Minenbetreibern und nicht an der Comex zu kaufen. Tatsächlich hatten im Vorjahr viele Marktteilnehmer auf einen fallenden Silberpreis gewettet. Als das nicht passierte, kam es zu einem Short-Squeeze, als diese Anleger ihre Positionen glattstellen und Silber liefern mussten. Bei Privatanlegern löste der Preisanstieg „Fomo“ aus, „Fear of Missing out“, die Angst, nicht dabei zu sein.

Diese Angst ist jetzt vorerst verflogen, die Anleger nehmen lieber Gewinne mit. Kurzfristig scheint die Luft ein wenig draußen zu sein. Längerfristig dürfte die starke Nachfrage dafür sorgen, dass sich der Silberpreis wieder erholt. 45 Jahre wird es diesmal nicht dauern.

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