rbb|24: Herr Gudd, es ist seit Tagen richtig winterlich bei eisigen Temperaturen in Berlin. Wie ist die aktuelle Wetterlage und wie wird sich das in den nächsten Tagen weiterentwickeln? Ich frage auch für die vielen Menschen im Südwesten der Stadt, die derzeit keinen Strom und damit keine Heizung haben.
Martin Gudd: Jetzt müssen wir die Worte "leider" und "bedauerlich" davorsetzen. Denn leider hält dieser Dauerfrost, den wir momentan haben, auch noch an. Da ist natürlich zu erwarten, dass die Frostgrade in den kommenden Nächten noch weiter nach unten gehen. Momentan hält das Wetter noch einigermaßen, weil ja auch manchmal die Sonne rauskommt.
Zur Person
Martin Gudd (geb. 1964) ist Diplom-Geograph und Meteorologe, hat in Mainz studiert und dort promoviert. Seit 2024 arbeitet er für das ARD-Wetterkompetenzzentrum. Außerdem gibt er seine Wetter-Expertise als Dozent in Schulungen und Vorträgen weiter.
rbb|24: Was bedeuten die anhaltenden Minusgrade tagsüber und nachts für unbeheizte Innenräume?
Gudd: Die Räume kühlen sich noch weiter aus. Sie sind ja jetzt schon nach der ersten strengen Frostnacht kalt. Aber sie werden in der nächsten Zeit noch weiter auskühlen. Wenn es dumm läuft – und die neuesten Berechnungen deuten das ein bisschen an – hält der Dauerfrost unter Umständen sogar bis über das kommende Wochenende hinaus an. Erst Richtung Montag oder Dienstag der nächsten Woche würden dann wieder Plus-Temperaturen erwartet. Dann können wir uns vorstellen, dass in den ungeheizten Innenräumen die Temperatur kaum noch über der Null-Grad-Marke liegen dürfte.
Die Räume kühlen sich noch weiter aus. Sie sind ja jetzt schon nach der ersten strengen Frostnacht kalt
«rbb|24: Im Moment ist der Stand so, dass es bis Donnerstag hoffentlich überall wieder Strom und damit auch Heizungswärme geben soll. Aber gibt es hinsichtlich der Auskühlung Unterschiede zwischen Gebäuden in dichter Stadtlage und freieren Wohngebieten?
Gudd: Auf jeden Fall, denn wenn ein Haus exponiert liegt, kommt ja noch der Wind hinzu. Das ist in dichter Stadtlage nicht so der Fall. Da wirkt das Gebäude selbst schon ein bisschen wärmend. Genau wie die Flächen drumherum. Aber wenn ein Haus exponiert am Stadtrand steht wie im Südwesten Berlins, kommt der Wind dazu. Das ist in den nächsten Tagen zum Glück nur bedingt der Fall – zurzeit ist es vor allem der Frost, der zur Auskühlung führt. Aber Richtung Wochenende käme dann – wenn die Wohnungen immer noch kalt sind – auch noch der Wind dazu. Er würde verschleppen, dass sich die Wohnungen wieder nachhaltig erwärmen können. Sodass manche Wohnung, auch wenn der Strom wieder da sein sollte, erst nach und nach wieder wärmer wird. Und bis das Mauerwerk dann richtig durchgewärmt ist, dauert es noch bis in die nächste Woche hinein.
rbb|24: Wie schnell kühlen Wohnungen bei diesen Außentemperaturen typischerweise aus?
Gudd: Es gibt von Tag zu Tag nur geringe Temperaturunterschiede. Allerdings immer mit der Tendenz nach unten. Gerade wenn die Sonne nicht oder nur wenig zum Vorschein kommt und an Orten, wo es windig ist, kühlen sich Wohnungen stärker ab. Das wird zum Glück bis Donnerstag nicht so sein in Berlin. Wir haben zwar heute und am Donnerstag nachts Frost bis Minus acht Grad, während es tagsüber minus zwei bis null Grad werden. Aber morgen wird wenigstens, nachdem es morgens ein wenig geschneit hat, die Sonne ein wenig scheinen. Auch am Mittwoch wird es sonnig. Allerdings ist der Sonneneffekt da schon nur bedingt zu erwarten, weil es kalt bleibt mit etwas Wind. Bis Donnerstag dürfte die Temperatur in den meisten Wohnungen nur noch bei knapp über null Grad liegen.
rbb|24: Aber die Sonne hilft schon auch im Januar dabei, die Räume aufzuheizen?
Gudd: Nur wenn die Häuser auch eine große Fensterfläche haben. Bei großen Südfronten ist es, sobald die Sonne scheint, so, dass sich die Innenräume ein bisschen erhitzen. Doch bei Häusern mit kleiner Fensterfläche oder ohne Fenster zur Südseite ist das nur bedingt der Fall.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Sabine Priess.
Sendung: rbb24 Inforadio, 05.01.2026, 14:40 Uhr
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75 Kommentare
Ruhig Blut, man wird die Täter schon noch ausfindig machen und zur Rechenschaft ziehen. Alles nur eine Frage der Zeit. Man hat ja schließlich auch diejenigen gefunden, die die Ostseepipeline gesprengt haben.
Richtig, wo ist den die AfD bei dem Thema? Passt nicht so ins politische Beuteschema (Ausländer)!
Auch an sie: können sie sich bitte angewöhnen die Wörter denn und den im richtigen Kontext zu verwenden? Gilt auch für die Wörter wenn und wen. Es nervt tierisch. Danke
Die sogenannten ,,Kritiker'' die fälschlicher Weise von ,,nichtvorhandenen Notfallplänen phantasieren, diese Dauerempörer, sind das eigentliche Problem hier! Es wird sich seit dem Anschlag, intensiv um die Menschen vorort gekümmert, durch sowohl die Rettungskräfte, wie auch dem Katasrtrophenschutz und dem Senat! Euer Ziel ist nicht die Problemlösung, da Ihr keinerlei konstruktive Vorschläge bringt, wie auch die Afd, sondern nur alle Institutionen und die Regierung/Senat, desavouieren wollt. Das ist Zersetzung.