Nach dem Anschlag auf die Berliner Stromversorgung greift der Bund tief in die Tasche. Er lobt eine Million Euro Belohnung aus für Hinweise, die für die Aufklärung des Brandanschlags Anfang Januar führen und zur Ermittlung des oder der Täter. Der Anschlag führte zu einem Blackout im Südwesten Berlins. Zehntausende Haushalte waren tagelang ohne Strom.
Diese riesige Summe unterstreicht die Bedeutung der Ermittlungen für die Behörden. Inzwischen hat sie der Generalbundesanwalt übernommen. Und womöglich verrät sie auch etwas über die bisherigen Fahndungserfolge. In Berliner Regierungskreisen wird die hohe Belohnung als Zeichen dafür gesehen, dass den Ermittlern bisher jede Spur zu den Tätern fehlt.
Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach von einem Ausnahmefall: "Das ist ein einmaliger Vorgang. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass der Bund in so einer Größenordnung und in so einer Situation es so gemacht hat."
Eine Million Euro für den entscheidenden Hinweis - diese Summe sucht in der Geschichte der Bundesrepublik tatsächlich ihresgleichen. Im Folgenden eine Auswahl prominenter Fälle, in denen hohe Belohnungen ausgeblobt wurden:
Nach dem Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz im Jahr 2016 setzen die Behörden für Hinweise auf den islamistischen Terroristen Anis Amri bis zu 100.000 Euro aus. Amri fuhr mit einem LKW auf das Gelände des Weihnachtsmarktes auf dem Breitscheidplatz und tötete zwölf Menschen. Amri wurde später bei einer Personenkontrolle in der Nähe von Mailand erschossen.
Nach dem Einbruch ins Historische Grüne Gewölbe in Dresden im Jahr 2019 setzten die Ermittler eine Belohnung von 500.000 Euro aus. Eine Diebesbande stahl damals Kunstobjekte und Schmuckstücke mit Tausenden Diamanten. Wie der SWR berichtete, hatte die Beute einen Versicherungswert von knapp 114 Millionen Euro. Wohl um ihre Strafe zu mildern, gaben die Täter später einen Großteil der Beute zurück, jedoch wurden viele Stücke stark beschädigt. Sachverständigte schätzten den Gesamtschaden damals auf 22 bis 25 Millionen Euro.
Besonders hohe Belohnungen werden insbesondere bei Terrorverdacht oder bei schweren politisch motivierten Straftaten ausgelobt - hier wurden auch schon Belohnungen in Millionenhöhe versprochen.
Im Fall der früheren RAF-Mitglieder Daniela Klette, Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub waren für sachdienstliche Hinweise "mindestens 150.000 Euro" ausgelobt. Klette wurde im Frühjahr 2024 festgenommen, die Fahndung nach Garweg und Staub läuft weiter. Für den konkreten Hinweis, der zur Fenstnahme Klettes in Berlin führte, zahlte das Bundeskriminalamt nach Informationen des NDR später 25.564,60 Euro aus. Diese Summe entsprach demzufolge der im Jahr 1993 ausgelobten Summe von 50.000 DM.
Nach dem Mord an Alfred Herrhausen, Manager der Deutschen Bank, im Jahr 1989 wurden laut Medienberichten insgesamt vier Millionen Mark für entscheidende Hinweise ausgelobt. Herrhausen starb bei einem Bombenattentat, zu dem sich auch die RAF bekannte. Die Täter wurden bis heute nicht ermittelt - das Verfahren läuft weiter gegen Unbekannt.
Auch nach dem RAF-Anschlag auf den Siemens-Forschungsleiter Karl Heinz Beckurts im Jahr 1986 wurde eine hohe Millionensumme ausgelobt: nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung waren es 3,1 Millionen DM. Rund 100.000 davon wurden demnach vom Bund ausgelobt, weitere drei Millionen Belohnung lobte der Siemens-Konzern aus.
Auch bei den Ermittlungen zum NSU-Komplex wurden teils hohe Summen ausgelobt und immer wieder erhöht. So wurde nach dem Mord an einer Polizistin in Heilbronn die Belohnung auf 100.000 Euro gesetzt und später auf 300.000 Euro erhöht. Wie die "Heilbronner Stimme" 2023 berichtete, wurde das Geld später tatsächlich zu gleichen Teilen an drei Hinweisgeber im Bundesgebiet ausgezahlt.
Sendung: rbb|24, 27.01.2026, 09:11 Uhr
1 Kommentar
Nun wird man abwarten müssen, was hier leider nicht steht ist, ob das Ausloben von Geldbeträgen in der radikalen linken Szene in der Vergangenheit Erfolg hatte. Bei den Rechtsextremisten der NSU hatte das ja dem Artikel nach gewirkt.