- Wetterlage sorgt für flächendeckende Vereisung von Oberleitungen im Straßenbahnnetz
- BVG stellt Tramverkehr im gesamten Stadtgebiet ein – BVG-Chef nennt das historisch
- Spezialfahrzeuge und Turmwagen versuchen, Leitungen zu prüfen und zu enteisen
Berlin hat am Montagmorgen eine Situation erlebt, die es in der Geschichte der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) so noch nie gegeben hat: Wegen flächendeckend vereister Oberleitungen ist der komplette Straßenbahnverkehr in der Hauptstadt eingestellt worden. Seit kurz vor 4 Uhr früh fährt keine einzige Tram mehr.
"Wir haben ehrlich gesagt eine historische Lage, dass wir seit heute in den frühen Morgenstunden eine durchgehende Vereisung der Oberleitung haben und die Betriebsleitung aus Sicherheitsgründen entschieden hat, den gesamten Betrieb einzustellen", sagte BVG-Chef Hernik Falk dem rbb. Selbst langjährige BVG-Beschäftigte sprechen laut Falk von einer Ausnahmelage – Kolleginnen und Kollegen, die seit 40 Jahren im Unternehmen sind, hätten so etwas noch nie erlebt.
Nach aktuellem Stand ist auch am Dienstagvormittag witterungsbedingt kein Straßenbahnverkehr möglich, wie die BVG am späten Montagnachmittag mitteilte.
Auslöser war gefrierender Regen, der sich innerhalb kürzester Zeit an den Oberleitungen festsetzte und dort zu massivem Eisaufwuchs führte. Der Stromabnehmer vieler Fahrzeuge konnte keinen sicheren Kontakt mehr halten – Bahnen blieben auf offener Strecke stehen, weitere Störungen waren absehbar. Die Betriebsleitung zog schließlich die Notbremse und stoppte den gesamten Verkehr.
Kranwagen überprüft Oberleitungen
Wie aufwendig es ist, die Bahnen wieder auf die Straße und Schiene zu bekommen, zeigte sich unter anderem an der Kreuzung Landsberger Allee/Petersburger Straße. Dort kam ein BVG-Kranwagen zum Einsatz, um die Oberleitungen aus nächster Nähe zu prüfen. Parallel arbeiten Teams mit sogenannten Turmwagen im gesamten Stadtgebiet.
Die vereisten Oberleitungen können nicht automatisiert enteist werden. Jeder einzelne Streckenabschnitt muss manuell bearbeitet werden. Derzeit sind drei Turmwagen im Einsatz, auf denen jeweils mehrere Mitarbeitende stehen und das Eis in Handarbeit von den Leitungen entfernen, wie die BVG erklärt. Direkt im Anschluss fährt jeweils eine Straßenbahn ohne Fahrgäste hinterher. Erst wenn sichergestellt ist, dass die Technik wieder zuverlässig funktioniert, kann ein Abschnitt wieder für den regulären Betrieb freigegeben werden.
Erschwerend kommt hinzu, dass das Berliner Straßenbahnnetz rund 200 Kilometer umfasst und damit zu den größten der Welt zählt. Regional war Berlin in der vergangenen Nacht besonders stark vom Eisregen betroffen. Entsprechend zeitintensiv ist die Arbeit: Abschnitt für Abschnitt, Strecke für Strecke, Meter für Meter.
Schneeregen setzte sich an Oberleitungen fest
Solange bleibt der Straßenbahnverkehr im gesamten Stadtgebiet eingestellt. Doch warum musste diese drastische Maßnahme ergriffen werden?
Laut einer BVG-Sprecherin ist es grundsätzlich nicht möglich, betriebliche Störungen bei so einem Unwetter auszuschließen. Der Schneeregen habe sich unmittelbar an den Oberleitungen festgesetzt und sei dort gefroren. Technische Möglichkeiten, das zuverlässig zu verhindern, stehen derzeit nicht zur Verfügung, wie die Sprecherin weiter ausführte.
40 Straßenbahnen saßen in der Nacht fest
Nach Angaben der BVG strandeten bereits in der Nacht rund 40 Straßenbahnen auf den Strecken. Fahrerinnen und Fahrer mussten teils stundenlang in den Fahrzeugen ausharren, um sie zu sichern. Parallel liefen erste Versuche, das Netz wieder befahrbar zu machen – mit sogenannten Turmwagen und Spezialfahrzeugen zur Enteisung.
Doch die Bedingungen blieben extrem. Immer neuer gefrierender Regen sorgte dafür, dass sich frisch enteiste Leitungen in kürzester Zeit erneut mit Eis überzogen. "Wir versuchen zu enteisen, aber das ist bei dieser Wettersituation unglaublich schwierig", sagte Falk.
Falk: "Hoffentllich für die nächsten 40 Jahre Ruhe"
Eine belastbare Prognose, wann die ersten Straßenbahnen wieder rollen, gibt es bislang nicht. Ziel sei es, zunächst zentrale Hauptachsen freizubekommen. Doch solange die Temperaturen niedrig bleiben und weiterer Regen fällt, stoßen auch die Spezialfahrzeuge an ihre Grenzen.
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) machte sich am Hackeschen Markt selbst ein Bild von der Lage und dankte den BVG-Beschäftigten für ihren Einsatz. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiteten mit Hochdruck, sagte Wegner, um Berlin wieder in Bewegung zu bringen.
Für BVG-Chef Falk ist der komplette Stillstand ein Einschnitt in der Unternehmensgeschichte. Zwar sei man Schnee und Eis in Berlin gewohnt, doch die aktuelle Mischung aus flächendeckender Vereisung, gefrierendem Regen und dauerhaft niedrigen Temperaturen habe das gesamte Netz lahmgelegt.
Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass die BVG vor solchen Wetterphänomenen nun wieder "für die nächsten 40 Jahre Ruhe" haben würde.
Sendung: rbb24 Inforadio, 26.01.2026, 18:30 Uhr
144 Kommentare
Nett, wie man an Menschen denkt. Viele ältere Bürger kommen nicht zu Ärzten. Kinder müssen zur ihren Schulen laufen. Aber die Tram fährt nicht. Wie wäre es mit SEV durch Busse?
In Köpenik/Oberschöneweide gibt es gar kein Busse, geschweige denn eine U-Bahn ( hab' ich da was verpasst?), die man alternativ zur Tram nutzen könnte. Da gibt es nun nur Nacht's einen Nachtbus...und ob der Nacht's nun fährt..egal...man kümmert sich einfach null. Diese Autofahrermentalität - erschreckend. Na dann können hier ja alle, die kein Aoto haben, 30 Minuten in schnellem Schritt bei glatten Strassen zu S-Bahn laufen. Da kommt keiner auf die Idee, einen Schienenersatzverkehr einzurichten? ...was für eine Frechheit!
Völlig affig. Ist doch klar, dass die Oberleitungen frieren, wenn die Bahnen nicht fahren. Nichts wird angepackt, sondern aus einer Witterung wieder ein Problem konstruiert.