20. Januar 2026, 16:20 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ob Duftkerzen, Räucherstäbchen oder Diffusor – ätherische Öle liegen im Trend. Sie sollen entspannen, die Stimmung heben oder für frischen Duft sorgen. Doch was für Menschen angenehm ist, kann für Katzen zur ernsten Gefahr werden. Viele Katzenhalter unterschätzen, wie sensibel ihre Tiere auf Raumdüfte reagieren – und wie schnell es durch ätherische Öle zu Vergiftungen kommen kann. PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider erklärt, warum Katzen ätherische Öle oft nicht vertragen, welche Düfte besonders riskant sind und worauf Halter achten sollten.
Warum ätherische Öle für Katzen problematisch sind
Katzen nehmen ihre Umwelt vor allem über den Geruch wahr. Ihr Geruchssinn ist deutlich feiner als der des Menschen. Zusätzlich besitzen sie mit dem Jacobson-Organ ein weiteres Riechorgan, über das sie Duftstoffe besonders intensiv wahrnehmen.
Das eigentliche Problem liegt jedoch im Stoffwechsel: Katzen fehlt in der Leber ein wichtiges Enzym, das viele Inhaltsstoffe ätherischer Öle abbaut. Vor allem Terpene und Phenole, die in vielen Duftölen enthalten sind, können dadurch nicht ausreichend verstoffwechselt werden. Die Substanzen reichern sich im Körper an und wirken toxisch.1
Gefährlich ist dabei nicht nur der direkte Kontakt. Katzen können ätherische Öle einatmen, über die Haut aufnehmen oder beim Putzen verschlucken. Gerade Diffuser, Duftlampen oder Raumsprays stellen ein hohes Risiko dar, weil die Katze den Duftstoffen dauerhaft ausgesetzt ist.
Katze und ätherische Öle: Diese Düfte gelten als giftig
Viele ätherische Öle, die für Menschen harmlos erscheinen, sind für Katzen problematisch oder sogar lebensgefährlich. Dazu gehören unter anderem:2
- Teebaumöl
- Eukalyptus
- Pfefferminze und andere Minzöle
- Lavendel
- Zimt- und Nelkenöl
- Oregano und Thymian
- Zitrusöle wie Zitrone, Orange oder Bergamotte
- Kiefer, Tanne und andere Nadelbaumöle
- Wintergrün, Zucker-Birke, Ylang-Ylang
Diese Öle stecken nicht nur in reinen Duftprodukten, sondern auch in Reinigungsmitteln, Duftkerzen, Flüssig-Potpourris oder Insektenschutzmitteln. Besonders tückisch: Selbst kleine Mengen können bei Katzen schwere Vergiftungserscheinungen auslösen.3,4,5
Woran Halter eine Vergiftung durch ätherische Öle erkennen
Eine Vergiftung durch ätherische Öle kann sich bei Katzen sehr unterschiedlich äußern. Häufige Symptome sind: 6
- starkes Speicheln,
- Erbrechen oder
- Durchfall,
- Zittern,
- unsicherer Gang oder
- auffällige Teilnahmslosigkeit.
Manche Katzen bekommen Atemprobleme, andere zeigen Krampfanfälle oder brechen plötzlich zusammen. Typisch ist oft auch ein deutlicher Duft am Fell, am Maul oder im Erbrochenen der Katze. Treten solche Symptome auf, sollte man nicht abwarten.
Was tun bei Verdacht auf Vergiftung?
Besteht der Verdacht, dass eine Katze mit ätherischen Ölen in Kontakt gekommen ist, sollte die Duftquelle sofort entfernt und der Raum gelüftet werden. Katzen dürfen weder zum Erbrechen gebracht werden noch sollte man ihnen Milch geben, da diese die Aufnahme der Giftstoffe verstärken kann. 7
Befindet sich Öl auf Fell oder Haut, sollte es möglichst rasch mit lauwarmem Wasser und mildem Spülmittel oder Tiershampoo abgewaschen werden. Anschließend gilt: sofort zum Tierarzt oder in die Tierklinik – auch dann, wenn die Symptome zunächst mild erscheinen. Die Verpackung des Produkts sollte, wenn möglich, mitgenommen werden. 8
17 Gerüche, die Katzen absolut widerlich finden
Ist Aromatherapie auch für Hunde und Katzen geeignet?
Gibt es ätherische Öle, die für Katzen ungefährlich sind?
Kurz gesagt: Nein. Es gibt keine ätherischen Öle, die für Katzen wirklich als unbedenklich gelten. Auch Düfte, die häufig als „sanft“ oder „katzenfreundlich“ beworben werden – etwa Lavendel –, können bei Katzen Vergiftungen auslösen. Entscheidend sind Konzentration, Dauer der Anwendung und die individuelle Empfindlichkeit des Tieres.
Am sichersten ist daher der vollständige Verzicht auf Duftstoffe im Katzenhaushalt. Wer dennoch nicht auf einen angenehmen Geruch verzichten möchte, sollte auf regelmäßiges Lüften setzen. Hydrolate (Pflanzenwasser) gelten als mildere Alternative, sollten aber ebenfalls nur sehr sparsam und niemals im Diffuser verwendet werden.
Fazit: Katze und ätherische Öle – besser strikt trennen
Ätherische Öle sind für Katzen kein harmloser Wellness-Trend, sondern ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko. Ihr besonderer Stoffwechsel macht sie extrem empfindlich gegenüber Duftstoffen, die wir Menschen oft bedenkenlos nutzen. Diffuser, Duftlampen oder aromatisierte Reinigungsmittel können unbemerkt zu schweren Vergiftungen, Organschäden oder sogar zum Tod führen.
Wer mit Katzen lebt, sollte deshalb auf ätherische Öle im Haushalt verzichten. Eine wirklich katzenfreundliche Umgebung ist vor allem eines: duftfrei – und damit deutlich sicherer für unsere Katzen.
Zur Autorin
Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrem Studium an der Freien Universität Berlin widmete sie sich vor allem der Zoologie und dem Verhalten von Tieren. Neben der Ausbildung zur Redakteurin absolvierte sie eine Ausbildung zur Verhaltensberaterin mit Schwerpunkt Katze.