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Labor in Nauen aufgedeckt Europol nimmt bei Schlag gegen Drogen-Netzwerk über 80 Verdächtige fest
Archivbild:Ein großes Drogenlabor in Nauen (Brandenburg) bei Berlin. Zollfahndung und Polizei durchsuchten das Labor seit dem 29. Oktober 2025.(Quelle:picture alliance/Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg)
00:33 Min
Audio: Radioeins | 21.01.2026 | Andreas Meyer-Feist | picture alliance/Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg

Nach mehr als einjährigen Ermittlungen haben die europäischen Sicherheitsbehörden zu einem weiteren Schlag gegen kriminelles Drogen-Netzwerk ausgeholt, das auf synthetische Drogen spezialisiert war. Wie die EU-Polizeibehörde Europol am Mittwoch im niederländischen Den Haag mitteilte, wurden bei Razzien in Deutschland und Polen 20 Verdächtige festgenommen sowie dort und in Belgien 50 Objekte durchsucht.

Die Gesamtzahl der Festnahmen in dem Ermittlungskomplex stieg damit auf 85. Bereits in den Monaten zuvor hatten Ermittler Dutzende Drogenlabore - darunter auch das in Nauen im Havelland - aufgelöst, tonnenweise Rauschgift beschlagnahmt und Verdächtige festgenommen.

Europol sprach vom bislang "größten Einsatz aller Zeiten"

Europol sprach in seiner abschließenden Einsatzbilanz am Mittwoch vom bislang "größten Einsatz aller Zeiten" gegen synthetische Drogen in Europa. Demnach stießen die Ermittler bei insgesamt 20 Razzien seit Februar vergangenen Jahres auf 24 Drogen-Großlabore "in industriellem Maßstab", 16 Lagerstandorte, mehr als dreieinhalb Tonnen Rauschgift, tausend Tonnen Chemikalien und zigtausende Liter giftige chemische Abfälle. Der Einsatz lief unter der Bezeichnung "Operation Fabryka".

Europol zufolge handelte es sich um ein Netzwerk aus verschiedenen kriminellen Gruppierungen, deren Kern eine hochprofessionelle Bande in Polen bildete. Diese importierte Chemikalien aus China und Indien für angeblich legale industrielle Zwecke und verteilte diese über ein Tarnfirmennetzwerk an die verschiedenen Drogenlabore, wo in großem Stil Rauschgifte wie Amphetamine, MDMA oder 4-CMC hergestellt wurden.

400 Kilogramm Drogen in Nauen sichergestellt

Ermittlungen liefen in Polen, Belgien, Tschechien, den Niederlanden, Spanien sowie maßgeblich auch in Deutschland. Nach Angaben des Zolls vom Mittwoch wurden sechs der insgesamt 24 Drogenlabore hierzulande ausgehoben, wobei die Einsätze zumindest größtenteils bereits bekannt waren. Darunter befand sich auch das im Oktober vergangenen Jahres in Nauen entdecktes illegales großes Untergrundlabor.

Vor Ort wurden etwa 400 Kilogramm der synthetischen Drogen 3-CMC und 4-CMC sichergestellt. Insgesamt hatten die fertig produzierten Drogen vermutlich einen Verkaufswert von knapp fünf Millionen Euro. Den Angaben zufolge wurden zwölf große Container mit Müll und Chemikalien aus den Hallen gebracht und abtransportiert. Zollfahnder, Feuerwehrleute und Chemiker arbeiteten mit dicken Schutzanzügen, Masken und Gummihandschuhen, um sich nicht zu gefährden. In Deutschland wurden weitere Labore in Schleswig-Holstein und Niedersachsen gefunden.

Ermittlungen seit Ende des Jahres 2024

Wie die Generalzolldirektion in Bonn mitteilte, wurden bei der mehrmonatigen Operation in Deutschland insgesamt 45 Verdächtige festgenommen und mehr als 800 Kilogramm Drogen beschlagnahmt. Dazu kamen etwa 160.000 Liter giftige Abfälle aus der Produktion. Bei den abschließenden Razzien am Freitag wurden demnach hierzulande nochmals eine Cannabis-Plantage in Nordrhein-Westfalen sowie in Niedersachsen 15.000 Liter Chemikalien-Abfälle gefunden. Es gab zudem eine Festnahme.

Laut Europol handelt es sich bei den mutmaßlichen Hauptdrahtziehern um Polen, die meisten anderen Verdächtigen sind ebenfalls polnische Staatsbürger. Die Ermittlungen wurden demnach Ende des Jahres 2024 durch Hinweise der polnischen Polizei ausgelöst. Ermittlern waren verdächtig große Importe bestimmter Chemikalien aufgefallen, die legale Bedarfe der Industrie weit überstiegen.

Sendung: Radioeins, 21.01.2026, 14:00 Uhr

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