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Forschungsprojekt
Pflaster soll HIV-Infektionen automatisch erkennen
Einfach ein Pflaster auf den Oberarm kleben und nach einer Viertelstunden wissen, ob man positiv ist. Das soll nach dem Willen von europäischen Forschenden bald Wirklichkeit werden.
Projektleiterin Anja Haase (li.) zeigt mit ihrer Kollegin Laura Angermann-Krammer gedruckte Elektronik (Bild: JOANNEUM RESEARCH / Suppan)
- Gestern, 16:30h 3 Min.
Ein internationales Forschungsteam arbeitet an einer Methode, die HIV-Tests radikal vereinfachen und beschleunigen soll: Statt Blutproben bei traditionellen Tests ins Labor zu schicken und Tage auf Ergebnisse zu warten, könnte bald ein kleines Pflaster reichen, um eine HIV-Infektion ohne besondere Kenntnisse festzustellen. Anders als bei bereits existierenden HIV-Schnelltests soll hier alles automatisch funktionieren und es damit keine Gefahr für Anwendungsfehler geben, die das Ergebnis verfälschen können. Das von der Europäischen Union geförderte FORTIFIEDx1 wird von der Katholischen Universität im niederländischen Leuven koordiniert.
Das Pflaster, das so groß ist wie ein Post-It, soll auf den Oberarm geklebt werden. Feine Mikronadeln durchdringen beim Aufkleben auf die Haut die oberste Schicht, ohne Schmerzen zu verursachen, und entnehmen so eine winzige Menge Blut. Das Blut wird automatisch durch mikrofeine Kanäle geleitet, dort aufbereitet und direkt im Pflaster analysiert – mit Hilfe von gedruckter Elektronik. Innerhalb von etwa 15 bis 20 Minuten zeigt der Test ein einfaches "Positiv" oder "Negativ" an.
Auch Erkrankungen wie Ebola oder Lassa sollen erkannt werden
Ein Labor oder speziell geschultes Personal sind damit nicht nötig, was Vorteile bringt: Das macht den Test interessant für Regionen mit schlechter Infrastruktur, Krisengebiete und mobile Einsätze von Gesundheitsdiensten. Ziel des Projekts ist es, eine neue Generation tragbarer Diagnosetests zu entwickeln, die mehrere Infektionen gleichzeitig erkennen – neben HIV und Syphilis etwa auch schwere Viruskrankheiten wie Ebola und Lassa.
Bei bisherigen Standard-Tests liegen zwischen Blutentnahme, der Analyse im Labor und der Rückmeldung an die Patient*innen mehrere Tage zwischen Test und Ergebnis. Hinzu kommt, dass die Hürde, sich einem derartigen Test zu unterziehen, höher ist. Die Verzögerung kann dann dazu führen, dass Infektionen erst spät erkannt und behandelt werden. Die neue Technologie soll genau diese Lücke schließen. So kann etwa bei einem HIV-positivem Testergebnis eine retrovirale Therapie schneller begonnen werden. Diese Therapien reduzieren die Viruslast und verbessern nicht nur die Gesundheit der Betroffenen, etwa um Organschäden in der symptomfreien Phase zu verhindern. Sie senken auch das Risiko der Übertragung auf andere Menschen praktisch auf Null.
Anja Haase, Projektleiterin seitens des österreichischen Forschungseinrichtung Joanneum Research, erklärte, dass die Pflaster in großer Anzahl zu einem niedrigen Stückpreis produziert werden können. Gegenüber "Futurezone"2 betonte sie, dass Tests in Afrika geplant seien, wo gerade Krankheiten wie Ebola kursieren. Dies könnte aber auch für Europa wichtiger werden: "Das Projekt wird von der EU gefördert, weil manche dieser Krankheiten, die grundsätzlich eher im Süden vorkommen, durch die Klimaerwärmung potenziell zu uns in den Norden wandern könnten und man gut darauf vorbereitet sein möchte."
Das FORTIFIEDx-Projekt läuft noch bis 2027 und wird von einem Konsortium aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus mehreren EU-Ländern getragen. Aktuell befinden sich die Tests noch in der Entwicklungs- und Validierungsphase. Die Herstellung der Pflaster im industriellen Maßstab und erste klinische Tests stehen noch bevor. Der Plan ist, die Technologie dort einzusetzen, wo sie am meisten gebraucht wird – in Regionen ohne stabile Laborinfrastruktur und in Gesundheitszentren, die schnelle Entscheidungen treffen müssen. (cw)
Links
- https://www.fortifiedx.eu/
- https://futurezone.at/science/mikronadel-pflaster-bluttest-schnelltest-hiv-syphilis-ebola-lassa/403119121













