Zugunglück in Spanien Fatale Kollision auf gerader Strecke
Bei einer Kollision von zwei Hochgeschwindigkeitszügen in Spanien sind mindestens 39 Menschen getötet und viele weitere verletzt worden. Dabei war die betroffene Strecke laut Verkehrsminister Puente frisch modernisiert.
Die Fernseh- und Handybilder zeigen das ganze Ausmaß der Katastrophe: Mit bloßen Händen versuchen sich die Passagiere aus den umgekippten Waggons zu befreien, bahnen sich den Weg durch zertrümmerte Fensterscheiben. Der Schrecken steht ihnen ins Gesicht geschrieben.
"Plötzlich war alles dunkel, ich saß hinten im Waggon, alles hat sich gedreht, ich wusste nicht mehr wo ich war, die Leute haben geschrien und die Koffer fielen auf uns", erzählt eine junge Frau im spanischen Fernsehen.
Zur andauernden Bergung der Opfer des Zugunglücks im Süden Spaniens: Sebastian Kisters, ARD Madrid
Großaufgebot an Rettungskräften vor Ort
Eine andere berichtet: "Meine Tochter hat mich weinend angerufen und mir gesagt, der Zug sei entgleist. Sie sprach von einer Katastrophe, von vielen Toten und dass sie sich selbst aus dem Waggon befreien musste und dazu das Fenster zerschlagen musste."
Die spanischen Rettungskräfte sind mit einem Großaufgebot vor Ort, befreien Menschen, die in den Trümmern eingeklemmt sind. Viele haben Knochenbrüche oder schwere Schnittwunden.
Viele Betroffene werden in die Stadt Adamuz gebracht und dort behandelt.
Entgleisung in fatalem Moment
Von einem "fatalen Zufall" spricht der spanische Verkehrsminister Oscar Puente: Die hinteren Wagen des Zuges von Málaga Richtung Madrid entgleisten genau in dem Moment, in dem sich aus der Gegenrichtung der Hochgeschwindigkeitszug von Madrid nach Huelva näherte.
Die Waggons kollidierten mit so großer Wucht mit dem entgegenkommenden Zug, dass die Waggons an dessen Spitze aus den Gleisen geschleudert wurden und eine vier Meter hohe Böschung herunterfielen. Die Gründe der Tragödie sind noch unklar.
"Dieser Unfall ist außergewöhnlich seltsam"
"Der verunglückte Iryo-Zug war praktisch neu, nicht älter als vier Jahre und die Gleise haben wir erst kürzlich überholt", sagte Verkehrsminister Puente. Das Land habe 700 Millionen Euro in den andalusischen Teil des Hochgeschwindigkeitsnetzes investiert, die betreffende Strecke erst im Mai überholt und ausgebaut. "Und das Unglück ereignete sich auf einer gerade Strecke. Dieser Unfall ist außergewöhnlich seltsam."
Untersuchungsergebnisse werde es frühestens in einem Monat geben. Die Hochgeschwindigkeitsstrecken von Madrid nach Andalusien bleiben bis auf weiteres gesperrt.
Gutes Gleisnetz, häufige Verspätungen
Spanien hat mit 4.000 Kilometern das größte Hochgeschwindigkeitsnetz Europas, die Schnellzüge gelten als verlässlich und komfortabel. Und darauf ist das Land stolz. 40 Millionen Passagiere nutzten die Schnellzüge im vergangenen Jahr.
Doch zuletzt geriet das Netz in Kritik: Verspätungen häuften sich, auch weil seit der Liberalisierung des Netzes neue Anbieter auf den Markt drängen: Auf der Andalusien-Strecke bieten drei verschiedene Gesellschaften täglich 54 verschiedene Verbindungen an.
Der Unfall ereignete sich in der Nähe von Adamuz in der Provinz Córdoba, etwa 360 km südlich der Hauptstadt Madrid.
Puente: Kein Zusammenhang mit hoher Taktung
Einen Zusammenhang mit der höheren Taktung schloss Verkehrsminister Puente aus: "Unfälle gibt es sehr wenige. Was es gibt, sind Verspätungen oder Probleme mit der Verlässlichkeit."
Aber das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. Da dürfe man keinen Zusammenhang herstellen, so Puente. "Was wir jetzt machen müssen, ist, uns um die Opfer kümmern - und darauf hoffen, dass die Zahl nicht noch weiter in die Höhe geht."
Schwerstes Zugunglück seit 2013
Doch das können die Rettungskräfte nicht ausschließen. Alle Verletzten wurden noch in der Nacht medizinisch behandelt, ambulant oder in Krankenhäusern. Doch die Bergungs- und Aufräumarbeiten dauern an. Weitere Tote sind nicht ausgeschlossen.
Das Unglück ist das schwerste seit der Tragödie in Santiago de Compostela im Juli 2013. Damals entgleiste ein Hochgeschwindigkeitszug wegen zu hohen Tempos - 79 Menschen starben.