Jungle+ Artikel 15.01.2026
Vor zehn Jahren überfielen Hunderte Neonazis den Leipziger Stadtteil Connewitz

Die längste letzte Reihe der Welt

Im Januar 2016 überfielen Hunderte Neonazis den Leipziger Stadtteil Connewitz. Die meisten Angreifer kamen glimpflich davon, die Hintergründe bleiben ungeklärt.

23 kaputte Läden, 19 beschädigte Autos und über 100.000 Euro Sachschaden, mindestens drei verletzte Personen und ein ganzes Stadtviertel in Schock: Das war die Bilanz des Neonazi-Angriffs auf den linken Stadtteil Connewitz im Süden Leipzigs vor zehn Jahren.

Zur selben Zeit, als Legida (Leipziger gegen die Islamisierung des Abendlandes), der örtliche Ableger der seit Winter 2014 in Dresden stattfindenden Pegida-Kundgebungen, in der Innenstadt ihren ersten Jahrestag mit einem rechten Aufmarsch feierte, sammelten sich 20 Kilometer entfernt knapp 300 Neonazis und rechte Hooligans auf einem Parkplatz.

In der Regel gaben die Tatverdächtigen zu, in Connewitz dabei gewesen zu sein, behaupteten aber, von dem geplanten Angriff nichts gewusst haben.

Die meisten von ihnen kamen aus Leipzig und Sachsen, aber auch aus angrenzenden Bundesländern, Berlin und sogar Österreich waren Leute angereist. Sie hatten Äxte, Messer, Knüppel und mit Nägeln bespickte Zaunlatten dabei, dazu Steine, Böller und selbstgebaute Kugelbomben.

Chat-Nachrichten der Neonazis, die das Stadtmagazin Kreuzer später veröffentlichte, zeigen, dass der Angriff von langer Hand geplant war – und was sein Ziel war: »Denkt dran, dass es knallen wird«, »Es ist Krieg«, »Bewaffne dich bis an die Zähne, wird morgen nicht lustig«, »Wamsen, Wamsen, Wamsen, Wamsen, Wamsen«.

Während sich Polizei und Antifa­schist:in­nen auf die Legida-Kundgebung in der Innenstadt konzentrierten, attackierte der Mob aus schwarz gekleideten Vermummten auf der Wolfgang-Heinze-Straße, einer zentralen Straße von Connewitz, Geschäfte, Kneipen, Wohnungen und Autos und hinterließ eine Spur der Verwüstung.

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