Seit Tagen blicke ich dauernd auf mein Smartphone und hoffe, dass auf Whatsapp endlich der zweite Haken erscheint, der anzeigt, dass meine Nachrichten Euch erreicht haben und Ihr hoffentlich rasch bestätigt, unversehrt zu sein. Wie zu befürchten war, als das Internet gesperrt wurde, versucht das Regime nach zwei Wochen relativer Zurückhaltung den nächsten Aufstand blutig niederzuschlagen, der Iran erfasst hat. Nicht mehr nur von Dutzenden, sondern von zweitausend Toten und mehr war am Wochenende plötzlich die Rede, und dann erreichten uns am Sonntag die Videos von der Gerichtsmedizin in Karizak im Süden Teherans, wo Angehörige zwischen Hunderten Leichensäcken weinen und klagen, die auf dem Boden verstreut liegen. Die Bilder sollen von Freitag sein, heißt es, auch wenn unklar bleibt, wer genau die Leichen sind.
FreiheitskampfAn meine Freunde in Iran, an das iranische Volk
Lesezeit: 6 Min.
Statt Whatsapp-Nachrichten, die nicht ankommen, ein Brief an die Menschen in Iran. Einer, der ihren großen Mut preist und den schrecklichen Kleinmut des Westens voller Scham beim Namen nennt.
Gastbeitrag von Navid Kermani
Iran :„Es geht den Menschen ums Überleben“
Fünf- oder sechsmal saß Mahnaz Mohammadi in Iran wegen ihres Aktivismus im Gefängnis. Nun verfolgt die Regisseurin den Aufstand gegen das Mullah-Regime aus Berlin – und ist sich sicher, dass entscheidende Tage angebrochen sind.
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