Neue Studie Wenn Wunden dank Kuscheln besser heilen
Beim Kuscheln wird viel von dem Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Das kann Wunden besser heilen lassen, zeigt eine Studie von Forschenden aus Heidelberg und Zürich. Viel hängt demnach vom Verhalten der Paare ab.
Kuscheln, Zärtlichkeit und Nähe - was wir als wohltuend für die Seele empfinden, hat offenbar auch einen positiven Effekt auf den Körper. Das Kuschelhormon Oxytocin spielt dabei eine entscheidende Rolle - sorgt unter anderem für Entspannung und Vertrauen. Eine Studie der Universität Heidelberg und des Universitätsspitals Zürich hat untersucht, ob Oxytocin auch beim Heilen von Wunden hilft.
Freiwillige werden für das Experiment verletzt
Für die Studie haben sich 80 Paare freiwillig verletzen lassen - nur so konnte das Forschungsteam unter halbwegs kontrollierten Bedingungen untersuchen, welchen Effekt Kuscheln und der Botenstoff Oxytocin auf die Wundheilung hat. Durch eine Saugglocke wurden vier kleinere Blasen am Unterarm als Verletzung hervorgerufen. Die Wunden waren laut den Forschenden aber sehr klein und oberflächlich. "Die heilen sehr schnell", sagt Psychologin Beate Ditzen von der Universität Heidelberg, die an der Studie mitgearbeitet hat. 500 Euro haben die Probanden als Entschädigung bekommen. Trotzdem war es nicht leicht, genügend Freiwillige für das Experiment zu finden.
Das Forschungsteam musste also sehr genau hinschauen, um eine bessere oder schlechtere Wundheilung überhaupt bewerten zu können. Die erzeugten Wunden heilen auch ohne Kuscheln und Oxytocin sehr schnell. Für eine noch bessere Wundheilung inhalierte die Hälfte der Probanden in der Studie per Nasenspray regelmäßig Oxytocin. So sollte der Botenstoff möglichst direkt ins Gehirn gelangen und die Wundheilung verbessern. Die andere Hälfte bekam ein Placebo ohne Oxytocin.
Zusätzlich erfasste das Forschungsteam, wie häufig die Paare kuschelten und auch Sex hatten. Mit täglichen Speicheltests kontrollierten die Paare selbst ihren Hormonhaushalt.
Nur wer viel kuschelt, hatte eine bessere Wundheilung
Das Forschungsteam überprüfte sieben Tage nach der Verletzung, wie gut die Wunden verheilt waren. Bei den Probanden, die das Nasenspray genutzt hatten, gab es eine leichte Tendenz für eine verbesserte Wundheilung. Aber nur wenn sie zusätzlich auch viel gekuschelt haben, in der Beziehung zum Partner eine hohe Verbindung gespürt haben und vergleichsweise häufiger Sex hatten, war der Effekt deutlicher und so stark genug, dass das Forschungsteam von einem Zusammenhang sprechen kann: "Diejenigen, die über viel Berührung und über Sex im Alltag berichtet haben, hatten die beste Wundheilung", sagt die Psychologin Beate Ditzen.
Fehlte diese Nähe in der Partnerschaft, war die Wundheilung trotz Oxytocin-Nasensprays nicht besser. Oxytocin wirkte nur in Kombination mit positiven Interaktionen in der Partnerschaft und Intimität. Weder das Spray allein noch Zärtlichkeit allein hatten eine starke Wirkung. Aber warum? Das Forschungsteam hat eine Vermutung: Paare, die vergleichsweise häufig kuscheln und sich näherkommen, haben im Gehirn regelmäßig eine höhere Konzentration des Oxytocins. "Ihr System hat das gelernt", sagt Beate Ditzen. Das Gehirn habe vermutlich deswegen stärker auf das zusätzliche Oxytocin-Spray reagiert.
Vermutung: Nur "trainierte Gehirne" profitieren
Das Gehirn profitiert demnach besonders vom Oxytocin aus dem Nasenspray, wenn es durch Kuscheln und körperliche Nähe ohnehin regelmäßig mit diesem Botenstoff in Kontakt kommt: "Es hängt wirklich sehr stark vom sozialen Kontext ab und vom Verhalten der Personen", sagt die Psychologin Ditzen. Sie bezeichnet es als "ausgesprochen ermutigendes und erfreuliches Ergebnis."
Das Verhalten und die Nähe der Partnerschaft haben auf den Körper in vielerlei Hinsicht wahrscheinlich einen positiven Einfluss. Bei der Wundheilung konnte das Forschungsteam das nun zum ersten Mal messen. Und die Paare waren deutlich entspannter, wenn sie vergleichsweise häufig Sex hatten.
Die Ergebnisse sind ein weiterer Hinweis, welche positive Effekte Kuscheln auf den Körper haben kann. Die Wunden verheilten bei allen Probanden in der Studie - egal ob sie viel gekuschelt haben oder das Nasenspray mit der Extra-Portion Oxytocin erhalten haben.
Ob Kuscheln auch bei größeren Verletzungen dem Körper zusätzlich hilft, müssen weitere Studien zeigen: Bis dahin ist Kuscheln und Zärtlichkeit aber allein schon mit Blick auf die Psyche häufig eine gute Idee.