lou :sparklesEnby:<p>Die Entscheidung, den Preis des Deutschland-Tickets ab Januar 2026 auf 63 Euro zu erhöhen, ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die tagtäglich auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind. Erst zu Jahresbeginn war der Preis bereits von 49 auf 58 Euro gestiegen, ein Anstieg von fast 18 %. Nun folgt erneut ein Sprung um 5 Euro. Dabei hatte die Bundesregierung im Koalitionsvertrag versprochen, den Preis bis 2029 stabil zu halten. Dieses Versprechen wird nun gebrochen, auf dem Rücken der Nutzerinnen und Nutzer.</p><p>Die sozialen Folgen sind deutlich spürbar. Studierende, Auszubildende, Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit niedrigem Einkommen werden nun erneut belastet. Viele, die ohnehin jeden Cent zweimal umdrehen müssen, werden sich die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs künftig noch schwerer leisten können. Eine Studie des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Deutschen Bahn zeigt bereits, dass die Zahl der Deutschlandticket-Nutzer von 14,5 Millionen im Dezember 2024 auf 13,4 Millionen im Januar 2025 zurückging, ein Rückgang von über 7 %. Besonders junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren sind betroffen, ihre Zahl sank um mehr als 36 %. Solche Zahlen zeigen deutlich, dass Preissteigerungen die Nutzung des ÖPNV hemmen, anstatt sie zu fördern.</p><p>Doch es geht nicht nur um soziale Gerechtigkeit. Auch die Verkehrswende steht auf dem Spiel. Wenn der öffentliche Nahverkehr zunehmend unerschwinglich wird, werden viele Menschen wieder ins Auto steigen. Dies hat direkte negative Folgen für Klima, Luftqualität und die Lebensqualität in unseren Städten. Gerade in Zeiten, in denen Klimaschutz und Nachhaltigkeit höchste Priorität haben sollten, sendet die Politik ein völlig falsches Signal.</p><p>Es gibt bereits zahlreiche Beispiele in Europa, die zeigen, dass ein günstiger oder sogar kostenloser Nahverkehr möglich ist. Städte wie Tallinn oder Dunkerque haben gezeigt, dass kostenfreier ÖPNV die Mobilität erhöht, den Individualverkehr reduziert und gleichzeitig soziale Teilhabe fördert. Deutschland muss diesem Beispiel folgen. Die Finanzierung ist möglich, wenn Bund, Länder und Kommunen bereit sind, die notwendigen Mittel langfristig bereitzustellen und die vorhandenen Strukturen effizient zu nutzen.</p><p>Ein Deutschlandticket für 63 Euro ist weder gerecht noch zukunftsfähig. Wir brauchen ein solidarisches, klimafreundliches Verkehrssystem, das für alle Menschen zugänglich ist, unabhängig vom Einkommen. Die Politik muss sich entscheiden. Entweder sie setzt auf soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz, oder sie riskiert, dass die Verkehrswende scheitert und immer mehr Menschen auf das Auto angewiesen sind. Ein günstiger, besserer und perspektivisch kostenloser ÖPNV ist keine utopische Forderung, sondern eine notwendige Maßnahme für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft.</p>