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Kino
Jannik Schümann als Hacker und was das queere Kinojahr sonst noch bringt
Ein Überblick über die wichtigsten queeren Filme in diesem Jahr.
Jannik Schümann in "Cyberpunk Romance" (Bild: Zum goldenen Lamm Filmproduktion / Wega Film / Sebastian Thaler)
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Gestern, 10:41h 10 Min.
Das Kinofrühjahr fängt ziemlich queer an. Fast jede Woche eine Neuerscheinung. Endlich kommt der Max-Ophüls-Gewinner "Scham" des jungen Lukas Röder auf die Leinwand. Dessen charismatischer Hauptdarsteller Til Schindler ist ein echter Geheimtipp. Das kann man von Hape Kerkeling nicht mehr behaupten. Deutschlands populärster Kino-Clown ist immer ein Erlebnis!
Bei den internationalen Stars kann man sich auf "All of Us Strangers"-Darling Paul Mescal und "Challenges"-Star Josh O'Connor als Liebespaar im "Brokeback Mountain"-Look freuen. Derweil "Harry Potter"-Mime Harry Melling und "Legend of Tarzan"-Darsteller Alexander Skarsgård das ungleiches Liebespaar in einer SM-Rom-Com spielen, die von Ralf König stammen könnte.
Hier ein Überblick über die wichtigsten queeren Filme in diesem Jahr.
Scham
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Mit "Langer, langer Kuss" präsentierte Lukas Röder vor drei Jahren auf der Berlinale einen rigorosen Kurzfilm. Nun folgt das Kino-Debüt des 32-jährigen Münchners. Erzählt wird von Aaron (Til Schindler), der als Kind von seiner Mutter psychisch und physisch missbraucht wird. Als Siebenjähriger erleidet er den sexuellen Missbrauch durch einen Unbekannten. Fortan beginnt er, mit gleichaltrigen Kindern Sex zu haben. Als junger Erwachsener ist seine Scham groß. Eine Begegnung mit der Mutter soll Klarheit über die Schatten der Vergangenheit bringen. "'Scham' ist eine streng formale Arbeit über die unauflösbar zwiespältige Beziehung zwischen Mutter und Sohn", sagt Lukas Röder über seinen Film. Til Schindler bietet eine schauspielerische Tour de Force, die man gesehen haben muss. (Kinostart: 15. Januar)
Extrawurst
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Hape ist Pflicht. Und hier ist er auch Kür. Als ewiger Vorsitzender vom Tennisclub Lengenheide ist seine Wiederwahl gesetzt. Ebenso unumstritten ist die geplante Anschaffung eines neuen Grills. Doch denkste! Plötzlich gibt es die Forderung, dass für den einzigen Muslim im Verein ein eigener Grill beschafft wird. Der lehnt dankend ab, doch der Streit ums Grillgut mutiert zur erbitterten Debatte über Glauben und Geschlechter, die Eskalation gerät außer Kontrolle. Damit die Satire nicht zum braven Botschaftskino verkommt, sorgen smarte Dialoge für erfrischende Provokationen. Sei es beim "Theoretischen Grill für theoretische Schwule". Der Frage, wie gefährlich das öffentliche Händchenhalten für queere Liebende ist. Oder dem Motto "Wir haben eine Krise. Da kann man sich Haltung nicht erlauben." (Kinostart: 15. Januar).
Plainclothes
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Ein junger Undercover-Polizist gerät in einen Konflikt zwischen Pflicht und Gefühl, als er sich in eines seiner Ziele verliebt. Bei der Suche nach einem verlorenen Brief an Silvester brechen alte Erinnerungen auf. Eine Geschichte von Begehren, Identität und Verrat mit Russell Tovey ("Looking") und Tom Blyth ("The Hunger Games") in den Hauptrollen. (Kinostart: 15. Januar)
Lesbian Space Princess
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Australischer Animationsfilm der durchgeknallten Art. Die introvertierte Weltraumprinzessin Saira muss ihren Heimatplaneten Clitopolis verlassen, um in einer inter-gay-laktischen Mission ihre gekidnappte Exfreundin zu befreien, die von den Straight White Maliens gefangen gehalten wird. Saira muss den Safe Space des queeren Weltraums verlassen und sie binnen 24 Stunden freikaufen: Die Maliens fordern nämlich die berühmte königliche Labrys – eine goldene Doppelaxt von schier unglaublicher lesbischer Macht. "Ein Film für die ganze Familie", verspricht das Poster. (Kinostart: 22. Januar).
Rains Over Babel
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Ein wildes Debüt aus Lateinamerika. Im neongetränkten queeren Club "Babel" spielt La Flaca mit den Seelen ihrer Gäste um Lebenszeit. Seelenfänger Dante sucht einen Ausweg, Roma und Darla bereiten sich auf die Drag Wars vor, Pastor Don Alfonso wettert dagegen, und Timbi muss mit La Pitonisa und dem sprechenden Salamander Rosa den Leadsänger von The Black Mamba finden. Der Verleih verspricht "eine schweißtreibende, glittergeschwängerte Tropical-Punk-Extravaganza, bei der Figuren und Bass gleichermaßen explodieren". (Kinostart: 5. Februar)
Night Stage
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Dem aufstrebenden Schauspieler Matias gefällt es, angeschaut zu werden – sei es auf der Bühne oder beim nächtlichen Sex in der Öffentlichkeit mit dem Politiker Rafael. Letzterer will Bürgermeister von Porto Alegre werden, und beiden liegt viel daran, ihre Beziehung zugunsten ihrer jeweiligen Karriere geheim zu halten. Trotzdem probieren sie immer wieder aus, wie weit sie bei ihren gemeinsamen Abenteuern gehen können: im Park, im Auto, im Büro oder im Hinterhof. Wohl wissend, dass Rafaels Geldgeber zu allen Mitteln greifen würden, um dieser Affäre ein Ende zu setzen. (Kinostart: 26. Februar)
The History of Sound
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Zwei der aktuell attraktivsten Schauspieler gemeinsam vor der Kamera: "All of Us Strangers"-Darling und potenzieller Bond-Nachfolger Paul Mescal steht mit "Challenges"-Star Josh O'Connor für "Moffie"-Regisseur Oliver Hermanus vor der Kamera. Erzählt wird von zwei jungen Männern, die sich während des Ersten Weltkriegs auf eine Reise begeben, um das Leben, die Stimmen und die Musik ihrer amerikanischen Landsleute aufzuzeichnen. Bei der zarten Lovestory weht stets eine "Brokeback Mountain"-Prise durch die wunderschönen Naturkulissen. Doch diese Romanze geht anders aus als man denkt! Ein Highlight des queeren Kinojahres! (Kinostart: 26. Februar)
Pillion
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Eine queere Rom-Com im SM-Milieu, so frech und freizügig wie von Ralf König ausgedacht! Der schmächtige Politeur Colin entdeckt im Pub den überaus attraktiven Biker Ray. Was nach einem Flirt ohne Chancen aussieht, entwickelt sich überraschend zu einer ziemlich besten Freundschaft der etwas ungewöhnlichen Art. Die Rollen in der Sado-Maso-Beziehung sind klar verteilt. Ray macht die Ansagen. Colin erfüllt alle Wünsche mit Begeisterung: je erniedrigender, desto lieber. Doch plötzlich probt der Sklave den Aufstand, und die Beziehungskarten werden neu gemischt. Was "Fifty Shades of Grey" gerne gewesen wäre, das liefert dieses lässige Debüt des britischen Regisseurs, dessen Name wie aus einem 007 klingt: Harry Lighton. Seine Absichten: "Make you laugh, make you think, make you feel and make you horny!". Mit "Legend of Tarzan"-Darsteller Alexander Skarsgård sollte das eine leichte Aufgabe sein. (Kinostart: 26. März)
A Wolf Among The Swans
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Basierend auf einer wahren Geschichte zeigt das brasilianische Drame, wie ein furchtloser junger Tänzer vom Hip-Hop zum Ballett findet und eine intensive, komplexe Beziehung zu seinem Mentor erlebt. (Kinostart noch offen)
Enzo
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Der 16-jährige Enzo will eine Lehre als Maurer machen – zum Entsetzen seiner Eltern, die sich einen ganz anderen Weg für ihren Sprössling vorgestellt haben. Die Konflikte in der Familienvilla unter der südfranzösischen Sonne spitzen sich zu. Unterdessen lernt Enzo auf der Baustelle den charismatischen Ukrainer Vlad kennen. Der hadert mit sich selbst: Sollte er nicht in seine Heimat zurückkehren und gegen Russland kämpfen? Vlad stellt Enzos Welt auf den Kopf und eröffnet ihm unerwartete Perspektiven. "Enzo" ist der letzte Film des 2024 verstorbenen Regisseurs – fertiggestellt von Weggefährte und Drehbuchautor Robin Campillo. (Kinostart noch offen)
Twinless
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Der Publikumspreis-Gewinner von Sundance bietet eine berührende Komödie: Nachdem Romans eineiiger Zwillingsbruder plötzlich stirbt, stolpert er in eine Selbsthilfegruppe für trauernde Zwillinge. Dort trifft er auf Dennis, der alles verkörpert, was Roman nicht ist: selbstbewusst, schwul und beim Trauern souverän. Die beiden freunden sich im Eiltempo an, doch bald zeigt sich: Dennis hütet ein Geheimnis, das ziemlich unheimlich ist. (Kinostart noch offen)
Hedda
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Die großartige Nina Hoss als Ex-Liebhaberin von Hedda (Tessa Thompson), die sich mit ihrem faden Ehemann ziemlich langweilt. Diese Neuinterpretation von Hedda Gabler verlegt die Handlung ins England der 1950er Jahre – in den Rahmen einer opulenten Feier eines jungen Ehepaars, deren Haus von Geheimnissen und verborgenen Motiven erfüllt ist, flankiert von ehemaligen Verehrern. Nia DaCosta entfaltet daraus ein feinsinniges Spiel um weibliche Wünsche und Macht, in dem Heddas Verlangen, sich den gesellschaftlichen Konventionen zu entziehen, zunehmend Spannungen erzeugt. (Kinostart noch offen)
Break
Archivbild: Felix Kammerer und Daniel Brühl im Jahr 2023 (Bild: IMAGO / Capital Pictures)
Nach seinem umwerfenden Auftritt als Mode-Ikone in "Becoming Karl Lagerfeld" wechselt Daniel Brühl für die nächste queere Biografie hinter die Kamera. In seiner zweiten Regiearbeit nach "Nebenan" erzählt er das Leben des "Tennisbarons" Gottfried von Cramm. Dieser erlebte seine größten Erfolge vor allem in den 1930er Jahren, weigerte sich aber stets, ein Mitglied der NSDAP zu werden. Wegen seiner Beziehung zu dem jüdischen Schauspieler Manasse Herbst wird dem Sport-Star der Prozess gemacht. Die Hauptrolle übernimmt "Im Westen nichts Neues"-Star Felix Kammerer. "Gottfried von Cramms Geschichte handelt von persönlichem Heldentum gepaart mit bescheidener Eleganz", erklärt Produzent Malte Grunert. "In einer Zeit, in der die Freiheit, die wir genießen, durch den zunehmenden Nationalismus und rechte Politik erneut bedroht ist, könnte sie nicht aktueller sein." (Kinostart noch offen)
Strange River
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Sommerferien am Donauufer, eine katalanische Familie radelt den Fluss entlang. Während seine Eltern in Erinnerungen an ihre Jugend schwelgen und seine jüngeren Brüder seine Nähe suchen, ist der 16-jährige Dídac lieber allein und still. Sein Herz schmerzt einer verflossenen, unerwiderten Liebe nach – warum viel reden, wenn einen ohnehin niemand versteht? Doch plötzlich beginnt er an jedem Stopp der Reise denselben rätselhaften Jungen zu sehen, im Wasser und an Land, in der Ferne und ganz nah. Und jedes Mal zieht es Dídac ein bisschen mehr in den Bann des Fremden hinein. (Kinostart noch offen)
Cyberpunk Romance
Szene aus "Cyberpunk Romance" (Bild: Zum goldenen Lamm Filmproduktion / Wega Film / Sebastian Thaler)
Die Zukunft ist da, und der junge Hacker Milo (Jannik Schümann) geht voll darin auf: Fremdsprachen lassen sich in Sekundenschnelle lernen, Fachwissen einfach uploaden und virtuelle Rauscherlebnisse eröffnen neue Horizonte. Möglichen machen das sogenannte Ports: USB-ähnliche Anschlüsse am Kopf, über die sich menschliche Gehirne direkt mit Computern und sogar anderen Gehirnen verbinden lassen. Milos anarchistische Hacker-Truppe probiert das alles lustvoll aus – bis Milo plötzlich in ein neurotechnisches Koma fällt. Nur seine technologiekritische Freundin Mona hat den Mut, sich Neuroviren, Brainbugs oder Mental Malware auszusetzen. Und reist direkt in seinen Kopf hinein. (Kinostart noch offen)
Kaktusfrüchte
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Nach dem Tod seines Vaters verbringt der Call-Center-Angestellte Anand aus Mumbai die traditionelle zehntägige Trauerzeit in seinem Heimatdorf bei seiner Mutter. Statt den Verlust verarbeiten zu können, muss er sich durch einen Wust an Formalitäten und Ritualen kämpfen – immer unter dem Druck, die Erwartungen der erweiterten Familie nicht zu enttäuschen. Der Enge des Dorfes entziehen kann er sich bei seinem Kindheitsfreund Balya, mit dem er in heimlichen Momenten etwas Ruhe und Zärtlichkeit findet. Doch dann endet die Trauerzeit, und Anand muss sich der Frage stellen, ob seine Beziehung zu Balya eine Zukunft hat. (Kinostart noch offen)
Mauern aus Sand
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Marko glaubt, seinen Weg gefunden zu haben: In der Schule wird er als Sportler gefeiert, mit seiner Freundin führt er eine stabile Beziehung, in der Werkstatt seines Vaters wartet ein guter Job. Er ist einer, den alle mögen – und als es darum geht, sein kroatisches Heimatdorf vor einer Flut zu schützen, stapelt er Sandsäcke, wie alle anderen auch. Doch dann taucht ein Freund aus der Vergangenheit auf und weckt Gefühle, die Markos sorgsam zusammengebautes Selbstbild in Frage stellen – und das Selbstverständnis der konservativen Dorfgemeinschaft gleich mit. (Kinostart noch offen)
Drunken Noodles
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Heiße Sommernächte in New York City. In Brooklyn hütet der junge Student Adnan die Wohnung seines Onkels. In Chinatown jobbt er in einer Galerie, in der die verspielten, sexuell aufgeladenen Stickereien des älteren Künstlers Sal ausgestellt werden. Mit ihm hatte Adnan vor einem Jahr eine zärtliche Affäre, so wie er im Hier und Jetzt nächtliche Abenteuer mit dem jungen Essenskurier Yariel erlebt. Und dazwischen hallt das Echo seiner großen Liebe zu dem Schriftsteller Iggie. Vergangenheit und Gegenwart verflechten sich, während sich Adnan treiben lässt zwischen Hook-Ups und dem Rauschen der Stadt, zwischen funkelnden Häuserschluchten und einem verzauberten Wald. (Kinostart noch offen)
Alles was brennt
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Der junge Literaturdozent Gabriel zieht nach Rio de Janeiro. In der Szenekneipe Glória, wo die queere Nachbarschaft auf die Sexarbeiter*innen der umliegenden Straßen trifft, findet er die Familie, die er immer gesucht hat. Er verliebt sich in den Escort Adriano, der ihm eine aufregende, aber auch dunkle neue Welt eröffnet. Als Adriano plötzlich verschwindet, begibt sich Gabriel auf eine besessene Suche, bei der er nicht nur sich selbst in Gefahr bringt. (Kinostart noch offen)
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Links
- https://www.youtube.com/watch?v=LgKB3jedKIg
- https://www.youtube.com/watch?v=YbC8F45HRr4
- https://www.youtube.com/watch?v=s6UDtB2RPUE
- https://www.youtube.com/watch?v=6ANC-8luriE
- https://www.youtube.com/watch?v=x0-iXZYtLck
- https://www.youtube.com/watch?v=5fUt-FxWpDc
- https://www.youtube.com/watch?v=xUwqgXTONDg
- https://www.youtube.com/watch?v=mf-f1Dzzsg4
- https://vimeo.com/1080521792
- https://www.youtube.com/watch?v=uzkfvYzxd1I
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- https://www.youtube.com/watch?v=m3lgD59KrTw
- https://www.youtube.com/watch?v=k6ayGNjMIjM
- https://www.youtube.com/watch?v=kydTXpOF9rg
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- https://www.youtube.com/watch?v=laox7KPzUfY
- https://www.youtube.com/watch?v=tV-dkUlSXFk
- https://www.sissymag.de/
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