Brandunglück in Crans-Montana Bar wurde jahrelang nicht behördlich kontrolliert
Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana hat der Gemeinderat Fehler eingeräumt. Offenbar hatten die Behörden jahrelang keine Kontrollen in der Bar durchgeführt. Aber auch davor war deren Deckendämmung wohl kein Thema.
Die Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana, in der an Neujahr ein verheerender Brand ausbrach, wurde jahrelang nicht behördlich kontrolliert. Das teilte der Gemeinderat von Crans-Montana mit. Von 2020 bis 2025 habe es in dem Lokal "Le Constellation" keine Brandschutz- und Sicherheitskontrollen gegeben.
"Wir bereuen das bitterlich", sagte Gemeinderatspräsident Nicolas Féraud. Der Grund für die fehlenden Kontrollen sei nicht bekannt.
Nach dem Brandunglück in einer Bar räumte der Gemeinderat von Crans-Montana bei einer Pressekonferenz fehlende Kontrollen ein.
Auch bei den Kontrollen vor 2020 war das Dämmmaterial der Decke laut Gemeinderat kein Thema. Der Schaumstoff könnte den Ermittlern zufolge zur schnellen Ausbreitung des Brandes beigetragen haben. Er soll durch Funken sprühende Partyfontänen Feuer gefangen haben.
Trotz der Versäumnisse ziehe der Gemeinderat vorerst keinen Rücktritt in Betracht. Als gewählter Volksvertreter verlasse man ein Schiff nicht mitten im Sturm, sagte Féraud.
Unterdessen soll ein Video, das der Schweizer Sender RTS präsentierte, zeigen, dass offensichtlich schon früher ein Risiko bekannt war. Eine Szene aus der Silvesternacht 2019, als ebenfalls Flaschen mit Wunderkerzen und Tischfeuerwerken durch die Bar getragen wurden - und ein Mitarbeiter warnt: "Faites gaffe à la mousse!" ("Passt auf den Schaum auf!").
Ermittlung wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung
Als Reaktion auf die Brandkatastrophe will Crans-Montana den Gebrauch pyrotechnischer Gegenstände in geschlossenen Räumen verbieten. Außerdem habe der Gemeinderat dem Betreiberpaar von "Le Constellation" die Betriebsbewilligung für ein zweites Restaurant in dem Ort entzogen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung gegen die Betreiber.
Dass die Gemeinde trotz der nun offensichtlichen Versäumnisse als Nebenklägerin am Strafverfahren gegen die Betreiber der Bar teilnehmen will, ist für den Gemeindepräsidenten kein Widerspruch: "Die Justiz wird entscheiden, ob wir als Klägerin auftreten können. Wir sehen uns als Opfer. Denn wir sind mehr als alle anderen von diesem Drama betroffen, denke ich, und wir fühlen uns als Opfer."
Alle Todesopfer identifiziert
Der Brand in Crans-Montana war in den frühen Morgenstunden des 1. Januar ausgebrochen. Insgesamt 40 Menschen starben, mittlerweile sind alle von ihnen identifiziert.
Auch die verletzten Überlebenden haben die Schweizer Behörden nun alle identifiziert. Es handele sich um 116 Personen, von denen 83 in Kliniken behandelt würden, teilte die Polizei des Kantons Wallis mit. Unter den Opfern seien keine Deutschen.
Mit Informationen von Kathrin Hondl, ARD-Studio Genf