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Berliner Stadtmission Mutmaßlicher Kältebus-Angriff löst Welle der Hilfsbereitschaft aus
Ein ausgebrannter Kältebus steht am 29.12.2025 an der Berliner Stadtmission. Der Bus war in der Nacht zum Sonntag komplett ausgebrannt, ein zweiter wurde in Mitleidenschaft gezogen, kann aber noch repariert werden. (Quelle: dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow)
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Kältebus-Ersatz für Berliner StadtmissionKältebus-Ersatz für Berliner Stadtmission
2 Min
Video: rbb24 Abendschau | 29.12.2025 | Nural Akbayir | dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow
  • Berliner Stadtmission erlebt nach Brand an zwei Kältebussen große Solidarität
  • Stiftung der Deutschen Bahn spendet 70.000 Euro für neues Fahrzeug, die Gebewo leiht der Stadtmission einen Bus
  • Zahlreiche Privatpersonen und andere Stellen signalisieren Spendenbereitschaft

Obwohl zwei der drei Kältebusse der Berliner Stadtmission nach einem Brand ausfallen, soll es das Hilfsangebot für Obdachlose auf der Straße auch in den kommenden Nächten in gewohntem Umfang geben. Improvisation und viel Hilfsbereitschaft machen es möglich - etwa durch das Angebot eines privaten Unternehmens aus dem Rettungsdienst, bei den Kältebusfahrten einzuspringen.

"Wir sind überwältigt von der Solidarität der Menschen", sagte Stadtmissionssprecherin Barbara Breuer auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (DPA). "Andere Träger und Unternehmen aus Berlin haben ihre Hilfe angeboten." Auch erste Geldspenden seien bereits angekommen, eine konkrete Summe lasse sich aber noch nicht nennen. "Die Kältebusfahrten sind abgesichert, und wir sind total dankbar."

Zwei Kältebusse beschädigt

Ein Bus der Stadtmission der Evangelischen Kirche war in der Nacht zum Sonntag komplett ausgebrannt, ein zweiter wurde durch den Brand so stark beschädigt, dass er zurzeit nicht eingesetzt werden kann. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung. Ein Brandkommissariat des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen.

Nach Angaben der Polizei hatte ein Zeuge gegen 3 Uhr in der Nacht zu Sonntag die Feuerwehr alarmiert. Er hatte beobachtet, wie eine unbekannte Person in der Seydlitzstraße bei den Kältebussen stand, von denen einer kurz darauf in Flammen aufging.

"Ein Bus ist schrottreif", so die Stadtmissionssprecherin - und auch nicht auf die Schnelle zu ersetzen: "Das Besondere an dem Bus war, wir haben ihn 2022 von der Deutschen Bahn Stiftung gespendet bekommen, und er hatte spezielle Einbauten", erklärte Breuer.

Er habe unter anderem über eine Rampe für Rollstuhlfahrer verfügt, über Schubladen für Wechselkleidung und auch die Möglichkeit geboten, Tee zuzubereiten. So ein Fahrzeug lasse sich nicht wie aus dem Katalog bestellen. "Das muss alles wieder angefertigt werden."

Auch auf den zweiten Bus muss die Stadtmission zunächst verzichten - er muss repariert werden. Es habe aber schon Angebote von Berliner Werkstätten gegeben, die Reparatur zu übernehmen.

Ein ausgebrannter Kältebus steht am 29.12.2025 an der Berliner Stadtmission. Der Bus war in der Nacht zum Sonntag komplett ausgebrannt, ein zweiter wurde in Mitleidenschaft gezogen, kann aber noch repariert werden. (Quelle: dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow)
Ein Blick in den ausgebrannten Kältebus. (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)

Empörung über mutmaßlichen Brandanschlag

Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) zeigte sich am Sonntag über den mutmaßlichen Angriff erschüttert. "Wer Fahrzeuge zerstört, die dazu da sind, Menschen vor dem Erfrieren zu schützen, greift nicht nur Sachwerte an, sondern gefährdet unmittelbar Leben", erklärte die Senatorin auf Instagram. "Die Kältebusse sind für viele der letzte Rettungsanker, der Weg in eine warme, sichere Unterkunft. Dass nun genau diese Hilfe mutwillig angegriffen wurde, ist unerträglich."

Stadtmissionsdirektor Christian Ceconi zeigte sich ebenfalls betroffen. Die Beschädigung der Busse sei angesichts der Minusgrade dramatisch und lebensgefährlich für viele Menschen. Jede Nacht erreichen die Stadtmission 120 Anrufe. Ceconi rief zu Spenden auf, um einen neuen Bus anzuschaffen und den anderen reparieren zu können.

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Deutsche-Bahn-Stiftung spendet 70.000 Euro

Die Gebewo, ein sozialer Träger, der ebenfalls in der Obdachlosenhilfe aktiv ist, habe sich bereit erklärt, einen Bus auszuleihen. Das Fahrzeug wurde der Stadtmission am Montagmittag in Neukölln übergeben.

Die Deutsche-Bahn-Stiftung gab am Dienstag bekannt, der Stadtmission für die Finanzierung eines neuen Fahrzeugs 70.000 Euro zu spenden. Evelyn Palla, seit kurzem Chefin der Deutschen Bahn und Beiratsvorsitzende der Stiftung, verwies daraus, dass der Stadtmission nun "gleich zwei Fahrzeuge [fehlen], um Menschen aus der Kälte zu holen". Die DB-Stiftung antworte darauf mit "Solidarität statt Sprachlosigkeit".

Vielfältige Spendenbereitschaft und Hilfsangebote

Der SPD-Politiker Lars Düsterhöft schrieb bereits am Sonntag auf Instagram, die Senatsverwaltung für Soziales wolle prüfen, ob aus dem Haushalt des Jahres 2025 noch Restmittel für die Stadtmission zur Verfügung gestellt werden könnten. Am Montag teilte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Soziales mit, die Landesbehörde habe der Stadtmission Hilfe angeboten. Am Montagvormittag habe der Vorstand mitgeteilt, "dass der Hilfedienst der Kältebusse durch Unterstützung eines anderen Trägers und zahlreiche Spenden kurzfristig gesichert werden kann".

Bereits auf die Berichterstattung hin, auch von rbb|24, hatten zahlreiche Nutzer angekündigt, an die Stadtmission spenden zu wollen. Eine Autovermietung bot an, die beiden beschädigten Fahrzeuge übergangsweise zu ersetzen, bei der Reparatur des beschädigten Busses finde man sicher eine "schnelle Lösung". Der Eishockey-Club Eisbären Berlin kündigte zudem eine Spendensammlung am 2. und 4. Januar an.

60 Ehrenamtliche helfen Obdachlosen

Die Kältebusse der Stadtmission sind nach eigenen Angaben seit 1994 in Berlin unterwegs. Sie sind unter anderem im Einsatz, um obdachlose Menschen in kalten Winternächten in Notunterkünfte zu bringen. Die ehrenamtlichen Helfer, die mit den Bussen nachts unterwegs sind, bringen ihnen aber auch Schlafsäcke, heißen Tee oder Suppe. Zuletzt hatte die Stadtmission drei Fahrzeuge betrieben und für die Fahrten rund 60 Ehrenamtliche eingesetzt.

Die Kältehilfe mit Notübernachtungsplätzen hat am 1. Oktober begonnen, seit dem 1. November sind die Kältebusse wieder im Einsatz. Während des vergangenen Winters hatten die Kältebusse der Stadtmission insgesamt 2.100 Menschen in Unterkünfte bringen können. Neben den Kältebussen der Stadtmission betreibt noch das Deutsche Rote Kreuz in Berlin einen Bus ("Wärmebus").

Sendung: rbb24 Abendschau, 29.12.2025, 19:35 Uhr

Berlin Obdachlose

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36 Kommentare

  • Volker

    Mutmaßlich ??? Ernsthaft ??? Die "Busse" stehen da und sind verbrannt !!!

    • Mutmaßlicher Kältebus-Angriff

      Die Mutmaßung bezieht sich auf den "Angriff". Solange offiziell nichts ermittelt ist, könnte dies auch ein "Kabelbrand" gewesen sein. Das ist so im seriösen Journalismus.

  • Seht ihr das?

    ,,Das Besondere an dem Bus war, wir haben ihn 2022 von der Deutschen Bahn Stiftung gespendet bekommen, und er hatte spezielle Einbauten." Als Garnicht-Nutzer finde ich, dass das hier auch mal gewürdigt werden sollte. Die Bahn hat das Fahrzeug "gespendet" nicht einfach nur geliehen. Ich wette, dass bei so viel Text so manche/r Leser:In das vielleicht schnell überlesen hat. Aber darin steckt so viel mehr, nämlich, dass jede/r einzelne Bahnnutzer:In mit dem Kauf jeder Bahnkarte seinen/ihren eigenen Spendenanteil für Bedürftige/Obdachlose leistet. Und auch für die gesamten Ehrenamtler der DB-Mission, also für etliche Menschen, die 24/7 im Einsatz für Hilfebedürftige sind. DAS (!). muss man sehen! Und nicht immer nur die Bahn anmotzen wegen Unpünktlichkeit und so.

    0 Antworten
  • Corinna

    Ich bin so erschüttert, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Niederträchtiger, als Menschen, die ohnehin schon am Rand der Gesellschaft stehen, einen dermaßen großen Schaden zuzufügen, geht es wohl nicht. Meine grenzenlose Verachtung für Individuen (Menschen kann man sie ja nicht nennen), die so etwas tun ! Hab‘ gespendet und hoffe, dass das ganz Viele tun !

    • Volker

      „ Andere Länder sind dahingehend positiv beispielhaft.“ Der Unterschied zu Journalisten, die lassen ihre persönliche Meinung außen vor und würden schreiben andere Länder machen es so und so. Und die Millionen Kosten für die Krankenkassen…. Listen sie mal auf welche Kosten die Krankenkassen noch so zu tragen haben wegen diverser Unfälle die nicht wegen Böller entstehen… fangen sie mal beim Alkohol an und arbeiten sie sich hoch zu alle möglichen Sportarten. Irgendwann werden sie ehrlicherweise feststellen ups… ich falle ja auch der Allgemeinheit zur Last, weil ich dies und das mache.

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