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Ermittlungen wegen Pyrotechnik Was aus den Böller-Fällen von 2025 wurde
Dogan repariert am 02.01.2025 Fenster vor dem Gebäude Vorbergstraße 1 im Stadtteil Schöneberg. (Quelle: dpa-Bildfunk/Jörg Carstensen)
3 Min
Audio: rbb|24 | 02.01.2026 | Hasan Gökkaya | dpa-Bildfunk/Jörg Carstensen
  • Influencer-Fall Neukölln: Sechs Monate Bewährung - Staatsanwaltschaft legt Revision ein
  • Kugelbomben in Schöneberg: Ermittlungen gegen 13 Beschuldigte laufen weiter
  • Kugelbombe in Tegel: Siebenjähriger Junge lebensgefährlich verletzt - Telefon von 17-Jährigem überprüft
  • 2024/2025: 576 Ermittlungsverfahren - in 83 Fällen Anklage erhoben

Die letzten Raketen und Böller sind explodiert, Silvester und Neujahr sind vorbei. Für die Polizei und Justiz bahnt sich jedoch viel Arbeit an. Denn der Rückblick auf die jüngste Silvesternacht zeigt: Es stehen Ermittlungen an, womöglich werden Strafverfahren eingeleitet und einige Fälle müssen möglicherweise vor Gericht ausgefochten werden. Darauf deutet zumindest die diesjährige Bilanz hin.

Laut der Berliner Polizei wurden 430 Personen vorübergehend festgenommen, gegen 14 wurde ein "Unterbindungsgewahrsam" verhängt, sieben Personen wurden einem Haftrichter vorgeführt. Insgesamt leitete die Polizei etwa 800 Ermittlungsverfahren ein, hauptsächlich wegen Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz sowie Angriffen auf Polizisten. Und: Bereits im Vorfeld wurden über 220.000 Stück Pyrotechnik, davon 109.000 illegal, beschlagnahmt. Am Freitag kam zudem heraus, dass in Potsdam ein 12-jähriger Junge am Neujahrstag durch einen Sprengkörper schwer verletzt wurde. Bei dem Feuerwerkskörper könnte es sich um eine sogenannte Kugelbombe gehandelt haben. Das Kind sei in einem "kritischen Zustand", hieß es zunächst. Inzwischen soll der Zustand stabil sein.

Bereits vergangenes Jahr machte die Nutzung illegaler Pyrotechnik in Berlin bundesweit Schlagzeilen. Besonders der Einsatz von Kugelbomben verursachte enorme Schäden, auch Menschen wurden teils massiv verletzt. Daraufhin folgten Festnahmen, Ermittlungen, Wohnungsdurchsuchungen. Inzwischen ist ein Jahr vergangen.

Was wurde aus diesen Fällen?

Drei Fälle stachen 2025 hervor

Insbesondere drei Fälle stachen bei den silvestertypischen Delikten hervor.

Der Social Media-Influencer Atallah Younes schoss am 31. Dezember 2024 eine Feuerwerksrakete in Neukölln ab - mitten in das Fenster einer Wohnung im dritten Stockwerk eines Mietshauses. Der Feuerwerkskörper explodierte im Schlafzimmer. Der Influencer war in Berlin als Tourist aus Ramallah unterwegs gewesen. Die Ergreifung des Täters dauerte nicht lang, denn die Tat wurde gefilmt und im Netz geteilt. Das aufgenommene Video war an einem Tag über sechs Millionen Mal auf dem Kanal des Influencers aufgerufen worden. Er kam für drei Monate in Untersuchungshaft und wurde wegen Sachbeschädigung zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Er reiste nach seiner Freilassung ab.

Er habe viel aus seinem Verhalten gelernt, sagte er vorher noch: "Jeden Tag im Leben lernen wir hinzu, bekommen Lektionen erteilt. Das ist eine für mich." Allerdings ist die Staatsanwaltschaft mit dem Strafmaß nicht zufrieden. Doch die Kammer urteilte, dass man dem Angeklagten weder eine versuchte gefährliche Körperverletzung, noch schwere Brandstiftung vorwerfen könne. Aus Sicht des Gerichts ließ sich keine vorsätzliche Tat beweisen. Die Staatsanwaltschaft ging daraufhin in Revision. Die sei noch im Gericht anhängig, teilte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Berlin rbb|24 am Freitag auf Nachfrage mit.

Zwei Kugelbomben verursachen massive Schäden in Schöneberg

In Berlin-Schöneberg verursachten zwei Explosionen eine zerstörte Litfaßsäule und massive Schäden an einem Wohnhaus. Die Wucht ließ Fenster flächendeckend zerbersten und machte 36 Wohnungen unbewohnbar. Es wurde sogar ein Statiker bestellt, der das Haus überprüfen musste. Es bestand jedoch keine Einsturzgefahr. Fenster und Türen müssten aber alle neu gemacht werden. Ein Sprecher der Berliner Feuerwehr sprach damals von einem "Schlachtfeld".

Doch die Ermittlungen stellten sich als komplex dar: Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen 13 mutmaßliche Täter. Zuletzt hatte es Ende Juli 2025 Durchsuchungen bei drei Verdächtigen im Alter von 18, 24 und 26 Jahren gegeben. "Die Auswertung der sichergestellten elektronischen Datenträger dauert an", sagte ein Sprecher vor einigen Wochen.

7-Jähriger bekam Luftröhrenschnitt

Auch im Fall eines illegalen Böllers, der im Bottroper Weg in Tegel explodierte, dauern die Ermittlungen gegen einen Jugendlichen laut der Staatsanwaltschaft an. Ein damals erst sieben Jahre alter Junge wurde durch eine Kugelbombe lebensgefährlich verletzt. Dazu soll es nach derzeitigem Stand, als ein 17-Jähriger versucht haben soll, eine Kugelbombe aus einem Kunststoffrohr abzufeuern. Das Rohr sei nach der Zündung umgefallen, wodurch die Kugelbombe quer über den Platz schoss und explodierte. Auch ein damals 41-Jährige erlitt schwere Verletzungen.

Der 17-Jährige sei über Hinweise aus der Bevölkerung und über das eigens eingerichtete Internet-Hinweisportal der Polizei gefunden worden, teilte die Polizei damals mit. Der siebenjährige Junge musste nach dem Vorfall mehrfach operiert werden und sich regelrecht ins Leben zurückkämpfen. Das sagte die Schwesters des Jungen vor wenigen Tagen in einem Interview mit der "Bild" [bild.de]. Demnach lag er über einen Monat im künstlichen Koma und bekam einen Luftröhrenschnitt.

Der 17-Jährige werde weiterhin als Tatverdächtiger geführt, es müssten noch Daten auf seinem Telefon überprüft werden. Das gehe mit größerem Aufwand einher, so ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Berlin am Freitag auf Nachfrage von rbb|24.

15 Verfahren noch offen - viele eingestellt

Nach dem Jahreswechsel 2024/2025 leitete die Staatsanwaltschaft Berlin insgesamt 576 Ermittlungsverfahren wegen silvestertypischer Straftaten ein. Im Dezember waren davon noch 15 Verfahren offen. In 83 Fällen wurde Anklage erhoben, in 45 weiteren eine Bestrafung über einen Strafbefehl beantragt. Neun Verfahren wurden als vereinfachte Jugendverfahren geführt.

343 Verfahren, also ein Großteil der Ermittlungen, wurde eingestellt - meist weil keine Täter ermittelt werden konnten, teils wegen geringer Schuld bei erstmals auffälligen Jugendlichen oder weil Verfahren zusammengelegt oder an andere Staatsanwaltschaften abgegeben wurden.

Sendung: rbb|24, 02.01.2026, 18 Uhr

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