Die EU bewilligt Kriegskredite – und greift dafür zu neuen Tricks

Der EU-Gipfel hat beschlossen, der Ukraine einen Kredit für die Fortführung des “Verteidigungs-Kriegs” gegen Russland bis 2027 zu zahlen. Dafür greift man tief in die Trickkiste – nicht zum ersten Mal.

Weil es für den Zugriff auf das russische Vermögen keine Mehrheit gab, müssen die EU-Chefs neue Schulden machen. Das sind zwar keine “Eurobonds”, für die alle haften, sondern Darlehen, die durch das EU-Budget abgesichert werden.

Doch dafür ist eine Änderung der Regeln für den „Mehrjährigen Finanzrahmen“ (das EU-Budget) erforderlich. Die erlauben bisher nämlich keine Kredite an Drittländer. Für die Ukraine macht man eine Ausnahme – der erste Trick.

Damit es überhaupt zu dem 90 Mrd. Euro schweren Beschluss kam, mußte der Widerstand aus Ungarn, Tschechien und der Slowakei überwunden wurden. Dafür bekamen sie ein “Opt-out” – sie müssen nicht für die Ukraine zahlen.

Notstand für die Aufrüstung

Möglich wurde dies durch einen weiteren Trick: Man beruft sich auf Artikel 20 des EU-Vertrags, der für „verstärkte Zusammenarbeit“ steht. Nun wird er dafür genutzt, die Zusammenarbeit bei der Ukraine für drei Neinsager auszusetzen!

Zuvor gab es bereits einen anderen Trick: Um das russische Vermögen unbefristet festzusetzen, nutzte man Artikel 122, der für wirtschaftliche Notlagen gedacht ist. Damit wurde auch noch das Europaparlament übergangen.

Im Ergebnis macht die EU neue Schulden für einen Drittstaat im Krieg, ohne Vertragsänderung, ohne parlamentarische Kontrolle, ohne Rückzahlungs-Perspektive. Man nennt es „zinsloses Darlehen“, faktisch ist es ein Transfer.

Die Umwertung der EU-Werte

Mit den EU-Verträgen ist das alles nicht mehr zu vereinbaren. Es sei denn, man halte Krieg für Frieden, den Zugriff auf fremdes Staatsvermögen für einen wirtschaftlichen Notstand und Verweigerung für verstärkte Zusammenarbeit!

Neu ist das allerdings nicht. Seit Beginn des Krieges hat die EU tief in die Trickkiste gegriffen. Erst wurde die “Friedensfazilität” für Waffenkäufe genutzt. Dann wurden Mittel aus dem zivilen EU-Budget für die Aufrüstung genutzt.

Die Europäische Investitionsbank wurde von Klimaschutz auf Kriegsproduktion umgepolt, Waffen wurden als “nachhaltig” deklariert. Man schränkte die Reisefreiheit ein und schuf ein “militärisches Schengen” mit Vorfahrt für Panzer!

Das Europaparlament ist willig

Last but not least setzte EU-Chefin von der Leyen einen “Verteidigungs”-Kommissar ein, der nun eifrig für Krieg mit Russland trommelt. Dabei ist diese Funktion in den EU-Verträgen nicht vorgesehen, dort geht es um Frieden!

Das Europaparlament hat sich dem nicht entgegengestellt, im Gegenteil. Nur einmal, beim Aufrüstungsprogramm SAFE, haben sich die Abgeordneten mit einer Klage gewehrt – weil sie im Eifer des Gefechts übergangen wurden.

Auch da wurde schon der Notstandsartikel 122 genutzt, wie jetzt wieder für das russische Vermögen. Doch während sich das Parlament im Sommer noch auf die Hinterbeine stellte, will es die neuen Kriegskredite im Eilverfahren absegnen…

Siehe auch Warum die Militarisierung in EUropa fatal ist

P.S. Positiv ist zu werten, daß Belgien und einige EU-Länder wenigstens teilweise erfolgreich versucht haben, das EU-Recht hoch zu halten. EU-Fans freuen sich zudem über die “verstärkte Zusammenarbeit” – endlich können man sich über die “Populisten” aus Ungarn, Tschechien und der Slowakei hinwegsetzen. Sie wünschen sich mehr davon…