Mir gegenüber im Zug sitzt eine junge Transperson, Mitte zwanzig vielleicht, vermutlich non-binäre Syrerperson. They hat einen DIN-A4-großen Block auf den Schoß und schreibt mit einer Feder einen Text auf die Linien. They blickt auf. „Entschuldigung, was ist der Unterschied zwischen schwül und schwul?“, fragt they mich. Ich muss lächeln, erkläre them dann den Unterschied. Nun lächelt they auch. „Ich bin stockschwul!“, sagt they. Im weiteren Verlauf erfahre ich, dass they tatsächlich vor ein paar Jahren aus Syrien geflüchtet ist, als Teenager*in. They Deutsch ist nahezu nicht vorhanden, und man merkt them an, dass they nicht nur um sprachliche Korrektheit, sondern um Eleganz ringt. Solche Menschen machen mir Hoffnung. Menschne, die die sprachliche Klaviatur sorgfältiger und überlegter bespielen als viele andere. „Ich bin stockschwul!“ Wie wahr.