EHC Kloten«Ich arbeite nicht mehr viel, sondern gescheit»
Vor 16 Jahren hat Nicholas Steiner das erste Spiel für die Kloten Flyers gespielt. Wer ist der unauffällige Verteidiger eigentlich? Und was weiss er über die vielen Hochs und Tiefs des Clubs zu erzählen?
- Der EHC Kloten hat den Vertrag des langjährigen Verteidigers Nicholas Steiner verlängert.
- Nach acht Monaten Pause wegen eines Kreuzbandrisses kehrte Steiner zum Saisonstart zurück.
- Statt mehr trainiert der 34-jährige Verteidiger heute schlauer mit individuellem Trainingsplan.
«Stoney ist ein Vorbild in Sachen Arbeitseinstellung und Teamgeist», mit diesen Worten beschrieb der Klotener Sportchef Ricardo Schödler kürzlich Nicholas Steiner, als er dessen Vertragsverlängerung verkündete. Angesprochen auf die Worte des Sportchefs, zeigt sich der langjährige Verteidiger erfreut, aber auch überrascht.
«Ich probiere es zumindest», antwortet er mit einem zurückhaltenden Lachen. Grosse, markige Worte sind nicht Steiners Ding. «Ich bin schon ein Spieler, der die Mannschaft an erste Stelle stellt und mich selbst erst danach.» Eishockey sei ein Mannschaftssport, man sei nur als Einheit gut. Über sein Privatleben lässt er nur wissen, dass er seit fünf Jahren verheiratet ist, zwei Hunde hat, und dass er irgendwo auf dem Land lebt.
Nicholas Steiners Lehr- und Wanderjahre
Vor 16 Jahren hat «Stoney» als U20-Junior auch die ersten Spiele für die Profimannschaft der damaligen Kloten Flyers spielen dürfen. «Das waren erfolgreiche Zeiten damals, mit den Finalqualifikationen und den Vizemeistertiteln», erinnert er sich an die Jahre um 2010 herum. Der Erfolg wurde allerdings teuer erkauft – zu teuer im Nachhinein gesehen. «Danach sind wir durch ein paar schwierige Jahre gegangen.» Das sei aber trotzdem eine schöne Zeit gewesen, so der Verteidiger. «Wir sind sehr schnell in Aufbruchstimmung gekommen nach dem Beinahe-Konkurs.»
Nachdem er zum Erfahrungensammeln an mehrere Clubs in der NLB – die heutige Swiss League – ausgeliehen wurde und eine Saison Profi bei den Klotenern war, zog es Nicholas Steiner für eine Weile weg. «Als junger Spieler habe ich andere Chancen in anderen Teams für mich gesehen», erklärt er seine Lehr- und Wanderjahre. Fünf Jahre spielte er für die SCL Tigers und den EHC Biel in der NLA, heute National League.
«Danach habe ich mich sehr gefreut, nach Kloten zurückkehren zu dürfen.» Und das, obwohl der EHC Kloten in jenem Jahr in die Swiss League abgestiegen war. Es habe trotz allem immer ein paar Konstanten gegeben in Kloten, die mitgeholfen hätten. «Es gab immer einen gewissen Optimismus im Club. Wir haben nie aufgegeben, weder auf dem Eis, noch neben dem Eis», sagt Nicholas Steiner. Viele aus dem Umfeld hätten immer zum Club gehalten, darüber seien sie wirklich froh gewesen.
Kreuzbandriss bei Nicholas Steiner mit 33: «Da kommt man schon ins Grübeln»
Den Wiederaufstieg hätten sie verdient und auch viel dafür gemacht, er sei aber auch gerade noch zur rechten Zeit gekommen, findet Steiner. «Es war überlebensnotwendig für den Club, gerade wenn man sieht, wie schwer es die Swiss League zurzeit hat.» Am härtesten traf es bisher den SC Langenthal – für den Steiner selbst 22 Spiele gespielt hatte, inklusive welche um den Aufstieg –, der 2023 aus finanziellen Gründen freiwillig in die Myhockey League abgestiegen ist.
Finanzen interessieren Nicholas Steiner, der sonst nur ungern über sein Leben abseits des Eisfelds spricht, weshalb er ein Wirtschaftsstudium begonnen hat. Mit 34 Jahren muss der Verteidiger auch an die Zeit nach der Hockeykarriere denken. Besonders nach der schweren Knieverletzung in der vergangenen Saison.
«Da kommt man schon ein bisschen ins Grübeln», erinnert sich Steiner an die Zeit nach dem Kreuzbandriss. Im ersten Moment sei auch Enttäuschung dabei gewesen, vor allem da sie gerade einen guten Lauf gehabt hätten. Nach der Diagnose ging es allerdings schnell vorwärts, es folgte sofort die Operation und wenige Tage später die Reha. «Da ist eigentlich alles wieder dem Optimismus gewichen.» Die Aufbauzeit war trotzdem lang, acht Monate hat Nicholas Steiner keine Matches gespielt.
Dass es der Mannschaft gleichzeitig so gut lief, hat hingegen sogar eher Druck rausgenommen. «Ich fühle mich eher schlecht, wenn es nicht läuft, und ich nicht mithelfen kann», erklärt Steiner. So habe er sich hingegen voll auf die Reha konzentrieren können. Zum Start der laufenden Saison ist Nicholas Steiner wieder zurückgekehrt.
«Stoney» sei nach dem Kreuzbandriss unglaublich stark zurückgekommen und bringe der Defensive eine grosse Stabilität, sagt Sportchef Ricardo Schödler. Der Angesprochene erklärt es mit einer veränderten Trainingseinstellung in den letzten Jahren. «Irgendwann wurde ich einfach nicht mehr besser, obwohl ich viel trainiert hatte. Da wusste ich, dass ich neu denken muss.» Nun arbeite er nicht mehr viel, sondern gescheit.
Viele Veränderungen seit Nicholas Steiners erstem Spiel
Es ist eine der grossen Veränderungen, die es in den 16 Jahren von Steiners Profikarriere gegeben hat. Jeder Spieler hat nun einen individuellen, auf ihn abgestimmten Trainings- und Ernährungsplan, der auch Regenerationsphasen einbezieht. «Ich weiss gar nicht, ob ich das sagen darf, aber als ich angefangen habe, gab es noch Kettenraucher im Team», erinnert Nicholas Steiner lachend. Das wäre heutzutage unmöglich im Profisport.
Verändert hat sich aber nicht nur die Arbeit neben dem Eis, sondern auch auf der kühlen Unterlage. Ein Verteidiger wie Steiner ist nicht mehr nur für die defensiven Aufgaben zuständig. «Bei mir liegen die Stärken offensichtlich im defensiven Bereich, aber wir verteidigen zusammen, wir greifen zusammen an und es ist eigentlich egal, ob man ein Stürmer oder ein Verteidiger ist, wir schiessen als Einheit Tore», erläutert er. Und hier, beim Toreschiessen, hapert es Nicholas Steiner zufolge gerade beim EHC Kloten.
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Von der Leistung her würden sie nicht schlechter spielen als in der vergangenen Saison, findet er. «Es sind eher die Goals, die momentan nicht fallen. Die Spiele, die wir letztes Jahr mit einem Goal mehr gewonnen haben, verlieren wir nun mit einem Goal weniger, und das schlägt sich natürlich auf die Punkte nieder.»
Drei weitere Vertragsverlängerungen beim EHC Kloten
Was der Verteidiger nach seiner Karriere machen möchte, weiss er noch nicht so genau. In den kommenden zwei Jahren wird es aber voraussichtlich noch Eishockeyspielen sein, denn so lange wurde sein Vertrag verlängert. Neben Nicholas Steiner bleiben Keijo Weibel und Keanu Derungs dem EHC Kloten zwei weitere Jahre erhalten, und Leandro Profico hat einen Vertrag für ein weiteres Jahr unterschrieben.
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