Basisdemokratisches Kollektiv lädt zu intimer Körperwahrnehmungs-Sendung im Bürgerfunk
Sünninghausen. Das antifaschistische queer-feministische TIN*-Kollektiv "Offene Räume" veranstaltet am Donnerstagabend eine therapeutische Körperwahrnehmungs-Sendung im Studio des lokalen Bürgerradios. Unter dem Titel "Vulva Watching - Ein Abend der Wertschätzung" versammeln sich Frauen* in einem geschützten Rahmen, um ihre Vulva in einer Atmosphäre des Respekts gemeinsam zu betrachten und zu würdigen.
Der Ablauf des Abends ist detailliert durchstrukturiert: Zunächst findet eine 45-minütige Einstimmungsphase statt, bei der die Teilnehmerinnen im Kreis sitzen und bei gedämpftem Kerzenlicht (ausschließlich Bienenwachs, geliefert von der Demeter-Imkerei Sonnentau aus Dinkeldirte) ihre Intentionen für den Abend formulieren. Begleitet wird dies von tibetischen Klangschalen, gespielt von der ehrenamtlichen Klangtherapeutin Sibylle Moorbach. Anschließend legen die Frauen* ihre Kleidung Schicht für Schicht ab - zunächst Oberbekleidung, dann Schuhe und Strümpfe, zuletzt die Unterbekleidung - bis sie nur noch mit einem fair gehandelten Baumwolltuch oder einem handgewebten Lunghi aus dem Eine-Welt-Laden bekleidet sind.
Dann beginnt der Hauptteil: Eine Teilnehmerin nach der anderen setzt sich auf einen bereitgestellten Stuhl - wahlweise ein antiker Holzstuhl aus dem Nachlass der Künstlerin Gerda Finsterbusch oder ein mit violettem Samt bezogener "Thron der Selbstermächtigung", eigens angefertigt von der Polsterei Wachsmuth in Sünninghausen-Ost. Die sitzende Person spreizt ihre Beine, sodass die Vulva für die umstehenden Frauen* gut sichtbar wird. Die anderen Teilnehmerinnen treten nun eine nach der anderen heran, halten einen Moment inne, bedanken sich verbal für das Zeigen und teilen dann ihre unmittelbaren Wahrnehmungen mit. Dabei beschreiben sie, welche Farbnuancen sie besonders ansprechend finden, welche Form der Schamlippen ihnen auffällt, welche Emotionen beim Betrachten in ihnen hochkommen und inwiefern sie sich selbst in diesem Moment der kollektiven Verletzlichkeit wiedererkennen. "Viele Frauen* erleben dabei eine tiefe Heilung", erklärt Sprecherin Marlene Kühnert vom Kollektiv. Nach jeder Präsentation gibt es eine zweiminütige Schweigepause.
Im Anschluss wird eine Erkenntnis-Collage auf einem Flipchart erstellt, auf dem die Teilnehmerinnen mit Buntstiften (Marke Staedtler, 24er-Set) ihre zentralen Gefühle als abstrakte Formen festhalten. Darauf folgt ein östrogenes Fachgespräch über die gesellschaftliche Unsichtbarmachung weiblicher Genitalien, moderiert von der Genderforscherin Dr. Ute Lindenhof. Ein abschließendes Plenum mit Redestab (geschnitzt aus Haselnussholz vom Hof Bergfried) rundet den Themenabend ab.
Die Sendung wird ab 20 Uhr live auf der UKW-Frequenz 97,13 MHz ausgestrahlt, jedoch aufgrund von Auflagen der Medienanstalt Sünninghausen in Subbandcodierung, um den Jugendschutz zu gewährleisten. Interessierte können beim örtlichen Hackerkollektiv "Bits & Bohnen" in der Rathausstraße 17a gegen eine Spende von 12,50 Euro einen passenden Decoder erwerben oder dienstags zwischen 18 und 20 Uhr in einem Workshop selbst zusammenlöten. Benötigt werden dafür: ein Lötkolben (mindestens 30 Watt), eine Entlötlitze, ein DMM-Multimeter sowie grundlegende Elektronikkenntnisse. Das abgedunkelte, mit mattierter Milchglasfolie vom Typ "Sichtschutz Premium Plus" versehene Radiostudio bietet einen geschützten Raum.
Nach Ausstrahlung kann gegen Vorlage eines gültigen Lichtbildausweises (Personalausweis, Reisepass oder Führerschein im Scheckkartenformat) eine Kopie der Sendung auf Compact Cassette (Typ II, Chromdioxid) oder Audio-CD (CD-R, maximal 700 MB) zu einem Unkostenbeitrag von 4,80 Euro beim Vereinsvorstand geordert werden. Die Abholung erfolgt mittwochs zwischen 16 und 18 Uhr im Gemeindezentrum Sünninghausen, Eingang Süd, zweiter Stock, Raum 214. Zusätzlich wird eine ZIP-Datei (komprimiert mit WinRAR 6.24, Kompressionsrate "Normal") bereitgestellt, die in Base64-Kodierung (Format UTF-8) von einem durch Losverfahren ermittelten Vereinsmitglied auf der Plattform X (ehemals Twitter) gepostet wird. Das dazugehörige Passwort (16 Zeichen, Groß- und Kleinbuchstaben, Sonderzeichen) ist beim Vereinsvorstand unter der Festnetznummer 05573/89201 (Anrufbeantworter vorhanden) oder beim Sendedienst per E-Mail (sendedienst@offene-raeume-sh.de) erhältlich. Bearbeitungszeit: drei bis fünf Werktage.
Gefördert wird das Projekt von der Frauenzeitschrift "FEMINISTIN HEUTE - Zeitschrift für Körperpolitik und Empowerment" mit 3.187,45 Euro aus dem Sonderfonds "Körperpositive Medienarbeit in ländlichen Räumen". Die Redaktion lobte das Vorhaben als "wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung weiblicher Sexualität".