Ein schlechter Witz
Es gibt einen schlechten Witz, der ungefähr so geht: »Kommt die Welt zum Arzt. Fragt der Arzt: Was hast du denn? Die Erde antwortet: Menschen!« Diese Pointe, über die Misanthropen aller Couleur bedeutungsschwanger schmunzeln, gibt mit ihrer schwer moralisch daherkommenden Menschenverachtung in Giorgos Lanthimos’ neuem Film »Bugonia« den Ton vor. Das klingt schon in der ersten Szene an, die in Nahaufnahme zeigt, wie eine Biene eine Blume befruchtet, während eine Stimme aus dem Off kommentiert, der Vorgang sei »wie Sex, nur sauberer« – niemand werde verletzt. Hier die vermeintlich harmonische Natur, dort die niederen Menschen mit ihren Perversionen und Ambivalenzen.
Im Folgenden widmet sich »Bugonia« zunächst ausführlich der Entfaltung eines anderen Konflikts, nämlich des Klassenwiderspruchs. In einem heruntergekommenen Landhaus trainieren die beiden nerdigen Cousins Teddy (Jesse Plemons) und Don (Aidan Delbis) für ihren verschwörungstheoretisch begründeten Kampf gegen vermeintliche Aliens, die angeblich die Welt regieren und ins Verderben stürzen wollen – zunächst, indem sie sich durch halbherzige Liegestützen auf die körperlichen Herausforderungen der bevorstehenden Revolte vorbereiten. Unterdessen ertüchtigt sich die erfolgreiche Unternehmerin Michelle (Emma Stone) für den unerbittlichen Konkurrenzkampf – in ihrer riesigen, von Glas, Sichtbeton und klaren Formen geprägten Villa übt sie sich in Kampfsport.
Der Film krankt an der Abwesenheit jedweder Subtilität – »Bugonia« will verstören, um zu verstören.
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