Kultur-Hotspot
Neues Konzept fĂĽr alten Bahnhof und was ein Schloss damit zu tun hat
Hohenmocker / Lesedauer: 4 min
Dass Bahnhofsgebäude nicht zwingend verfallen müssen, und weiterhin ein attraktiver Treffpunkt sein können, beweist ein Projekt, das jetzt vorgestellt wurde: Die Schloss Broock GmbH & Co. KG hatte 2018 den Bahnhof Sternfeld erworben. Mit Unterstützung durch das Leader-Programm geht es dort nun voran.
BaustellenfĂĽhrung fĂĽr alle Interessierten
Denn nicht nur die Bahn hat jüngst in Sternfeld gebaut. Auch am Bahnhof standen Gerüste. Zu dem Gebäudekomplex gehören neben dem Haupthaus auch ehemalige Wirtschafts- und Toilettenräume, ein Güterschuppen nebst Verladerampe sowie das gesamte Gelände um den Bahnhof herum. Was dort bereits geschafft worden ist, und was in Zukunft geplant ist, das erläuterte das Team von Schloss Broock am Wochenende bei einer Baustellenführung allen Interessierten.
Im Konzept von Schloss Broock, das die Berliner Architekten Monika und Stefan Klinkenberg derzeit gemeinsam mit dem Kulturverein zu einem kulturellen Anziehungspunkt umgestalten, wird der Sternfelder Bahnhof zukünftig eine ganz entscheidende Rolle spielen: Er ist lediglich sieben Kilometer vom Schloss entfernt, und soll bei Großveranstaltungen eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ermöglichen. Denn von dort können die Gäste mit dem Bus zum Schloss gebracht werden.
Bahnhof liegt an Hauptstrecke Berlin-Stralsund
„Die Entscheidung für Sternfeld lag auf der Hand“, sagt Stefan Klinkenberg. „Der Bahnhof liegt an der Hauptstrecke Berlin-Stralsund, Züge aus beiden Richtungen kreuzen hier.“ Doch auch sonst solle der Bahnhof unweit von Schloss Broock die Kulturlandschaft im Tollensetal erweitern. Stolz berichtet der Architekt, dass das Gebäude mittlerweile unter Denkmalschutz steht, und dass vor dem Baubeginn deshalb ein sehr langes Genehmigungsverfahren durchzustehen war.
Doch die Mühe hat sich gelohnt. Neben Dach und Fassade ist auch das Willkommensfoyer bereits fertiggestellt, ebenso die Sanitäranlagen einschließlich Behinderten-WC. Dieser erste Bauabschnitt kostete 200.000 Euro, davon waren 150.000 Euro Fördermittel, so Klinkenberg. Geplant sind weiter ein Veranstaltungsraum im bisherigen Güterschuppen, eine Freiluftterrasse, renovierte Wirtschaftsgebäude, eine Zufahrtsstraße und ein Parkplatz mit 600 Stellplätzen sowie eine separate Wohnung für den zukünftigen Hausmeister. Gefördert wurde das Vorhaben unter anderem von der EU über das Leader-Programm.
Gemeinde steht hinter dem Projekt
Insgesamt wurden für das Projekt nach Aussage von Stefan Klinkenberg bereits 600.000 Euro investiert. „Das ist gut angelegtes Geld, wir brauchen aber noch 100.000 Euro“, erklärte der Architekt. Und trotz der Fördermittel sei die Wirtschaftlichkeit „schwierig“, stellt der Investor fest: „Ich freue mich, dass die Gemeinde voll hinter dem Projekt steht.“
Hohenmockers Bürgermeister erinnert an die Bedeutung des Sternfelder Bahnhofs: „In meiner Kindheit war der Bahnhof der Schlüssel in die weite Welt“, schaut Thomas Korrmann zurück: „Wir konnten unsere Fahrräder am Bahnhof abstellen und in die Züge in beide Richtungen einsteigen. Auch die Plumpsklos im Toilettengebäude machten uns nichts aus.“ Bis Anfang der 1980er Jahre wurden in Sternfeld auch Tiere aus der damaligen Schweinemastanlage verladen, erzählt Korrmann. Doch nach der Wende begann der Verfall des Bahnhofs.
Inzwischen bietet sich vielerorts entlang der Bahnstrecke ein Anblick, der nicht gerade einladend wirkt. So gelang es bislang weder in Altentreptow noch in der frĂĽheren Kreisstadt Demmin, den Bahnhof wieder zu einer ansprechenden Visitenkarte fĂĽr die Stadt zu machen.
In Sternfeld sieht das glücklicherweise anders aus: „Als die Sanierung ins Gespräch kam, erkannten wir, dass dieses neue Nutzungskonzept für die Gemeinde eine Bereicherung ist, und wir stimmten in der Gemeindevertretung einstimmig zu“, sagt Bürgermeister Thomas Korrmann. „Es gibt viele Interessenten für die geplante neue touristische Infrastruktur.“
„Ein Schmuckstück und eine Bereicherung“
„Der Bahnhof ist jetzt schon ein Schmuckstück und eine Bereicherung für unser Dorf“, stellt Anwohnerin Caroline Henning fest. „Ich freue mich auf künftige Veranstaltungen und kann mir durchaus vorstellen, in den Räumen selbst Familienfeiern durchzuführen.“ „Wir haben als Gemeinde viele Anregungen eingebracht, und die Erwartungen wurden erfüllt“, bestätigt auch Gemeindevertreterin Jana Kasten: „Der neu gestaltete Bahnhof gefällt mir wirklich gut.“
Auch Pastor Christian Bauer zeigte sich begeistert: „ Ich sehe die Entwicklung sehr positiv. Besonders freue ich mich über das Zusammenwirken aller Beteiligten. Hier entsteht ein echter Mehrwert für unsere Gemeinde.“
„Die Gestaltung des Bahnhofs ist ein Gewinn für alle“, nickt Rainer Graßmuck, 1. Vorsitzender des Kulturvereins Schloss Broock. „Wir hoffen, dass viele Gäste die Möglichkeit nutzen, um mit dem Zug anzureisen und werden unsererseits alles daran setzen, an beiden Orten attraktive Kulturprogramme auf die Beine zu stellen.“