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Restaurant Wilder Mann mit neuem Wirt
In Neerach lebt die Dorfbeiz im besten Sinn

Drei Personen sitzen an einem Tisch im Restaurant Wilder Mann in Neerach, ZH. Sie essen gemeinsam in einer gemütlichen Atmosphäre.
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Der erste Gedanke beim Betreten der Gaststube: «Hier hätte Grossvater sich genüsslich eine seiner krummen Brissago-Zigarillos angezündet und ein Zweierli Roten bestellt.» Im Wilden Mann in Neerach ist die Zeit stehen geblieben. Kein durchgestyltes Interieur, dafür ein wunderschöner Kachelofen, Bierdeckel, Aromat auf dem Tisch und an den Wänden Plakate, die den saisonalen Sauser anpreisen. 30 Plätze hat die Gaststube, das kleine Stübli 15, und im ersten Stock gibt es einen Saal für 80 Personen.

Das Restaurant Wilder Mann in Neerach ZH mit neuem Pächter; Fachwerkhaus mit Pflanzen vor dem Eingang, gelegen an einer geschwungenen Strasse.

Auf den Tischen liegt die Mittagskarte auf dem papierenen Set, das für die braune Brause aus Amerika wirbt. Wir lassen uns gleichwohl Mineralwasser bringen.

Gaststube als zweites Zuhause

Die freundliche Bedienung meistert den Mittagsservice problemlos allein, findet an den meisten Tischen Zeit für einen kurzen Schwatz. Wie sie später erzählt, arbeitet sie seit Jahren hier, kennt jeden der unzähligen Stammgäste: «Das hier ist wie eine grosse Stube, hier wird gelacht und geweint.» Im Wilden Mann weiss man ohne Worte, wer sein Panaché nicht zu kalt und die Portion etwas kleiner mag.

Salatteller mit buntem Salat und Dressing auf einem Restauranttisch in Neerach ZH, Restaurant Wilder Mann.

Zu den drei Mittagsmenüs gehört an diesem Tag wahlweise ein gemischter Salat oder eine Rüeblisuppe. Und mit dem Salat kommt bereits die erste Überraschung. Eine solche Portionengrösse, Vielfalt und Frische hätten wir nie und nimmer erwartet. Besonders nicht bei einem Menüpreis von 18.50 Fr. «Allein dieser Salat würde in der Stadt mindestens 12 Franken kosten», sagt der Kollege mit urbanem Background und lobt gleichzeitig seine sämige und perfekt gewürzte Rüeblisuppe.

Eine Schüssel Suppe mit Kräutern auf einem Tisch im Restaurant Wilder Mann in Neerach, Zürich.

Die Kürbisravioli – das Menü 1 – sind, was die Teigdicke angeht, eher von der rustikalen Sorte. Das Rahmpesto harmoniert dafür bestens mit der eher süsslichen Füllung.

Ein Teller mit Ravioli, garniert mit frischem Basilikum und geriebenem Käse, serviert im Restaurant Wilder Mann in Neerach ZH.

Beim Anschneiden des  goldbraunen Cordon bleu (mit Kalbfleisch 41 Franken) – es gibt auf der Speisekarte zehn Variationen davon – kann man dem Käse beim Herausfliessen zusehen. So muss das sein. Die Gaststube ist an diesem Mittag voll besetzt.

Alter Wirt hilft neuem Wirt

Am Tisch beim Kachelofen geniesst eine ältere Frau das Mittagessen mit Sohn und Schwiegertochter wie jeden Donnerstag. Überhaupt scheint – uns ausgenommen – niemand zum ersten Mal hier zu sein.

Ein Teller mit Wiener Schnitzel, Pommes frites und Gemüse im Restaurant Wilder Mann in Neerach ZH.

Der bisherige Wirt Serafettin Yavsan hat das Lokal am 1. Juli, kurz vor Erreichen des Pensionsalters, an  seinen Nachfolger Mustafa Piro übergeben.

Mustafa ’Musti’ Piro, neuer Pächter des Restaurants Wilder Mann in Neerach ZH, steht lächelnd in der Küche.

So richtig lösen kann sich Yavsan aber noch nicht von seiner guten Stube. Er unterstützt seinen Nachfolger in der Küche und an der Front. Irgendwann soll dann noch die offizielle Übergabe gefeiert werden. Viel wird sich aber ohnehin nicht ändern. Und das dürfte vielen Gästen recht sein.

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