Diese 7 Bücher machen deinen Herbst bunter
Lesen gegen den Herbstblues: Das sind die Buchempfehlungen der Redaktion.
Herbstzeit ist Lesezeit. Denn was gibt es Schöneres, als sich im Herbst in eine Decke einzukuscheln, ein leckeres Warmgetränk zu genießen und dabei ein gutes Buch zu lesen? Und dabei tust du dir etwas Gutes, denn Lesen ist gesund: Es baut Stress ab, fördert die Fantasie und verbessert die Konzentration.
Diese Woche startet die Frankfurter Buchmesse. Unsere Redaktion ist bereits im Lesefieber und verrät dir ihre liebsten Bücher für gemütliche Herbsttage. Hast du dich schon einmal gefragt, wie dein Leben verlaufen wäre, wenn du andere Entscheidungen getroffen hättest? Wolltest du immer schon einmal die Gedankenwelt deiner Eltern verstehen? Und was ist deine Antwort auf die Frage: Was zählt am Ende wirklich?
Tauche mit uns ein in neue Welten, erlebe eine Heldenreise und lerne mutige Frauen kennen.
Weltflucht gegen den Kapitalismus?: »Air«
von Dirk WalbrühlBereits während meines Literaturstudiums vor über 20 Jahren waren die Werke von Christian Kracht eine Wucht. Der Schweizer Schriftsteller schreibt häufig gegen die Untiefen der Konsumkultur an: In seinen Romanen ist die westliche Welt orientierungslos, von sich selbst entfremdet und im Niedergang. Vieles davon findet sich auch in Krachts neuestem Roman »Air« wieder.
Darin begegnen wir Paul, einem zurückgezogen lebenden Innenarchitekten, dessen Spezialgebiet Home Staging ist. Er richtet leerstehende Immobilien so ein, dass sie für Käufer wieder attraktiv sind. Eines Tages erhält er den merkwürdigen Auftrag, die Wände eines norwegischen Rechenzentrums weiß zu streichen. Dort, wo die Internetcloud gespeichert ist, geschehen mysteriöse Dinge: Paul verschwindet und taucht in einer Welt wieder auf, in der es eine Gruppe Rebellen mit dem übermächtig erscheinenden Herzog aufnimmt und in der eine unbekannte Krankheit tobt. Es beginnt eine typische Heldenreise.
Auf den ersten Blick wirkt das – wie so oft bei Kracht – kitschig. Das Verwischen von Realität und Fantasiewelt haben schon viele andere Fantasyromane vorher thematisiert. In »Air« wird es jedoch anspruchsvoll literarisch umgesetzt, Das Feindbild ist dabei klar: Eine alles verschlingende, oberflächliche Kultur des Kapitalismus.
Das eigentliche Geschehen bleibt dabei jedoch verrätselt. Flieht der gelangweilte Paul in eine Fantasiewelt, wo er sich als Held inszeniert und gegen einen Unterdrücker erhebt? Entspricht diese romantisierte Erzählung der Sehnsucht moderner Menschen nach Ausbruch, Veränderung und Sinn sowie dem Wunsch, den Zumutungen der Wirklichkeit zu entkommen? Geht es vielleicht sogar um die Unsicherheit darüber, was in Zeiten der Cloud und zunehmenden Digitalisierung, digitalen Spielen und Onlinechats, Social Media und Desinformationen überhaupt noch echt und wahr ist?