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Anwohner kritisiert „Doppelsünde“: Am Brasselsberg müssen alte Bäume weichen

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Axel Dietrich Sauer wohnt in unmittelbarer Nähe zu einem Grundstück An den Vogelwiesen am Brasselsberg, auf dem vor wenigen Tagen noch ganz anders aussah als jetzt.

Kassel – Dort, wo bis vor Kurzem noch große und teils alte Laub- und Nadelbäume standen, stehen nun Bagger und andere Gerätschaften auf einer freien Fläche. Sauer erinnert sich noch, als auf dem Grundstück ein denkmalgeschützter Bungalow stand. Dieser ist schon vor einiger Zeit abgerissen worden. Dass in seinem Stadtteil vermehrt abgeholzt wird, um große Gebäude zu errichten, findet Sauer überhaupt nicht gut – Wohnungsnot hin oder her.

Vor allem um eine etwa 20 Meter hohe und rund 100 Jahre alte Eiche tut es Sauer leid. „Die Bäume waren wunderschön.“ Er ist skeptisch, inwieweit das Vorhaben im Einklang mit der Baumschutzsatzung der Stadt Kassel stehen soll. Von einer Stadtvilla mit mehreren Hundert Quadratmetern Wohnfläche und einer Tiefgarage geht er aus und ist damit gar nicht glücklich. Er spricht von einer „Doppelsünde“, denn schon der Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes im Vorfeld habe ihn geschmerzt.

Kasseler kritisiert Baumfällungen am Brasselsberg

Im Ortsbeirat, zu dem er parteilos gehört, habe er dieses und ähnliche Themen immer wieder angesprochen. Oft höre er dann aber nur, dass nach geltendem Recht gehandelt werde und man eben nichts machen könne. Das reicht Sauer nicht. „Über Radbügel wird stundenlang diskutiert, aber über so etwas geht man einfach hinweg?“, fragt er sich. Bei der nächsten Sitzung möchte er das Problem der Nahverdichtung erneut zum Thema machen – insbesondere angesichts des ungenutzten Leerstands am Brasselsberg.

Sehen die Natur gefährdet: Ingrid Pee und Axel Dietrich Sauer sind nicht zufrieden mit den Baumfällungen auf einem Grundstück am Brasselsberg.
Sehen die Natur gefährdet: Ingrid Pee und Axel Dietrich Sauer sind nicht zufrieden mit den Baumfällungen auf einem Grundstück am Brasselsberg. © Neu, Daria

Das Umwelt- und Gartenamt der Stadt Kassel betont auf Anfrage, dass es sich bei den Arbeiten auf dem Grundstück An den Vogelwiesen um ein genehmigtes Bauvorhaben handele. „Damit der Neubau verwirklicht werden kann, ist auch die Beseitigung von geschützten Bäumen erforderlich“, sagt ein Sprecher. Die Regel: Sofern sich Bäume im geplanten und von der Bauaufsicht genehmigten Bereich befinden, ist die Fällung zulässig. „Der Bauherr hat hier das Recht zu bauen.“ Dieses Recht habe in der Regel Vorrang vor dem Erhalt von Bäumen. Gleichwohl werde vor Erteilung der Baugenehmigung geprüft, wie Bauen und Baumerhalt bestmöglich in Einklang zu bringen seien. Für den Verlust von Bäumen soll zumindest ein Ersatz geschaffen werden.

Bauvorhaben ist genehmigt

Ingrid Pee von der BI Pro Habichtswald lebt ebenfalls im Stadtteil und engagiert sich schon seit Jahrzehnten für den Naturschutz. Für die „wilden Verdichtungsfantasien“ in der Stadt hat sie schon lange kein Verständnis mehr. „Das sind zum Teil vollkommen gesunde Bäume, die hier weichen mussten“, sagt sie.

Um die Arbeiten kümmert sich die Spangenberger Firma Holzbau Kühlborn, die auf ihrer Homepage mit dem Bau von Mehrfamilien­häusern und Mehr­geschoss­bauten wirbt. Sie selbst äußert sich auf HNA-Anfrage nicht zu ihrem konkreten Vorhaben auf dem Grundstück und zur vorgebrachten Kritik der Anwohner.

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