Mit Disketten- und CD-ROM-Laufwerk Aldi-PC kommt ins Haus der Geschichte
Ansturm auf Computer bei Aldi im Jahr 2001: Stundenlanges Warten
Foto: HRSchulz / IMAGOAldi ist für so manche Revolution im Einzelhandel berühmt geworden. Einst etablierte das in Nord und Süd aufgeteilte Unternehmen hierzulande das Discounter-Konzept mit Selbstbedienung aus Kartons, die oft noch auf Paletten stehen. In den Neunzigerjahren dann machte sich der Lebensmittelhändler auch auf bisher ungewohntem Terrain einen Namen – nämlich als Lieferant günstiger Computer.
Die damals noch riesigen Blechkisten mit sperrigen Monitoren wurden erschwinglich und so mancher Rechner der Eigenmarke Medion zog in deutsche Arbeits- und Jugendzimmer ein. Der Aldi-PC wurde im Land der Schnäppchenjäger zu einem echten Phänomen. Ab dem Jahr 1995 standen die Kunden an bestimmten Aktionstagen oft stundenlang vor den Türen des Discounters, um ein Exemplar zu ergattern.
Das Ungetüm kostete 1.800 D-Mark
Nun kommt der Aldi-PC in eines der meistbesuchten Museen in Deutschland. Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik in Bonn zeigt von heute an einen Tower-PC mit Disketten- und CD-Rom-Laufwerk von Aldi aus dem Jahr 1997, den das Museum 2009 von einem privaten Stifter aus Köln erhalten hatte. Mit diesem Rechner wird ein erster Teil einer neuen Dauerausstellung eröffnet, die an dieses bedeutende Detail der Technikgeschichte in Deutschland erinnert.
Die Supermarktkette hatte erstmals im November 1995 einen IBM-kompatiblen Computer im Sortiment. Der Erfolg hielt sich zunächst noch in Grenzen. Die Hardware des PCs war zwar vergleichsweise leistungsstark. Der Rechner wurde aber mit dem damals bereits veralteten Betriebssystem Windows 3.11 ausgeliefert. Attraktiver wäre das neue Windows 95 gewesen, das Microsoft-Mitbegründer Bill Gates drei Monate zuvor mit großem Tamtam präsentiert hatte.
Faustkampf um letzten Rechner
Seinen großen Durchbruch erlebte der Aldi-PC zwei Jahre später. In dem Rechner von Medion steckte ein Pentium-166-Chip von Intel. Die Zahl 166 stand für die Taktfrequenz in Megahertz, mit der der Prozessor betrieben wurde. Der PC und ein 15-Zoll-Monitor kosteten im Paket knapp 1.800 D-Mark (rund 920 Euro).
Schlange vor einem Aldi-Markt in Düsseldorf: Zugänglich für »nahezu alle sozialen Schichten«
Foto: Martin Gerten / picture-alliance / dpaDas Schnäppchenrennen geriet manchmal auch außer Kontrolle. In Konstanz kämpften im November 1997 zwei Männer mit den Fäusten um den letzten PC-Karton im Regal. Dabei zog sich ein 36-jähriger Kunde eine Platzwunde am Kopf zu. Der Verletzte gab sich jedoch nicht geschlagen und erzwang mit gezückter Schreckschusspistole die Herausgabe des PCs. Mit nach Hause nehmen durfte er den PC allerdings nicht, denn an der Kasse nahm ihn die inzwischen herbeigerufene Polizei vorläufig fest.
In den vergangenen Jahren wurden PCs immer günstiger und Aldi sowie der Hauslieferant Medion setzten regelmäßig Zehntausende ab. Auch die Konkurrenz von Lidl, Norma und anderen Discountern hatten zwischen Gemüse, Toilettenpapier und H-Milch auch PCs im Sortiment.
Fachhändler geht Pleite
Die Leidtragenden dieser Discounter-Offensive waren traditionelle Computerhändler wie die Firma Schadt Computertechnik. Das Stuttgarter Unternehmen versuchte eine Zeit lang, mit eigenen kreativen Aktionen die Angebote von Aldi und Co. zu kontern und bot zeitweise Gummibärchen, Duschcreme und Schokolade deutlich unter Einkaufspreis an. In der Werbekampagne hieß es dazu: »Computer kauft man beim Fachhändler, nicht beim Gemüsehändler«. Trotzdem wurde 1998 ein Konkursverfahren gegen Schadt eröffnet.
Das Haus der Geschichte stellt nun den Aldi-PC in seiner zeithistorischen Sammlung aus, in der die markanten Veränderungen des täglichen Lebens mit Originalobjekten dokumentiert werden. Eine Sprecherin des Museums sagte: »Der Aldi-PC entwickelte sich dank des relativ geringen Preises und einer wettbewerbsfähigen Ausstattung zu einer Art 'Volks-PC', denn er ermöglichte nahezu allen sozialen Schichten den Einstieg ins Informations- und Internetzeitalter.«