Es waren noch acht Stufen bis zu seiner Wohnung. Doch die schaffte Bernd K. (75) nicht mehr. Eine Nachbarin entdeckte ihn auf den Treppenstufen sitzend, mit dem Rücken an die Wand gelehnt – tot.
Tragödie in einem Hochhaus in Berlin-Marzahn, das vom landeseigenen Unternehmen Degewo verwaltet wird. Die beiden Fahrstühle seien öfter kaputt, berichten Nachbarn. Der eine seit Juni, der andere funktionierte seit dem 31. August nicht mehr. Also mussten die Mieter zu Fuß gehen, wie Bernd K., der in der 18. Etage an der Marzahner Promenade wohnte. Eine Tortur für ihn. „Er war herzkrank“, sagt eine Bewohnerin.
288 Stufen bis zu seiner Wohnung
Am Dienstag, dem 2. September, musste er Besorgungen machen. Der Rentner schleppte sich am Vormittag mit seinem Einkaufsbeutel die Treppen hoch. 288 Stufen sind es bis zu seiner Wohnung.
Auch für Mieterin Monika T. (70) ist es ein Kraftakt, mit ihrem kaputten Knie in ihre Wohnung in der 9. Etage zu gelangen – sie hat Probleme mit dem Meniskus.
Als sie gegen 11 Uhr ihre Wohnung erreicht hatte, war sie erleichtert: „Endlich hab ich’s geschafft.“ Dann entdeckte sie Nachbar Bernd K. Er saß erschöpft und kraftlos auf den Stufen ihrer Etage, den Stoffbeutel zwischen seinen Beinen. „Ich hab’ erst die Halbzeit“, soll er zu ihr gesagt haben – denn er musste noch neun Etagen höher.
Senior saß mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt
Stunden später kam eine direkte Nachbarin des 75-Jährigen nach Hause. Sie hatte gerade ihre Kinder aus dem Kindergarten abgeholt. Eine halbe Treppe vor seiner Etage saß der Senior auf den Treppenstufen, mit dem Rücken an die Wand gelehnt, er war tot.
Die Zeugin alarmierte die Rettungskräfte gegen 17 Uhr, die Sanitäter eilten in die 18. Etage. Doch sie konnten Bernd K. nicht mehr helfen.
Degewo-Sprecher Stefan Weidelich zu B.Z.: „Wir haben am 31. August erfahren, dass auch der zweite Aufzug in der Marzahner Promenade 32 ausfiel und haben diesen schnellstmöglich reparieren lassen. Seit dem 4. September ist er wieder funktionstüchtig.“
Und weiter: „Unsere Mieterinnen und Mieter haben wir zudem schnellstmöglich informiert, dass sie im Fall eines Totalausfalls der Aufzüge die Feuerwehr rufen oder die Dienste unseres Tochterunternehmens Sophia in Anspruch nehmen können, um ihre Wohnung verlassen bzw. wieder betreten zu können.“
Bernd K. hilft das nichts mehr. Die Polizei hat seine Wohnung versiegelt. Weil die Todesursache unklar ist, wurde ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Der Senior soll nun obduziert werden.