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Umstrittene Plakataktion

Berliner Gorki Theater wirbt mit Antisemitismus

Das Gorki-Plakat zeigt Ensemblemitglied Karim Daoud (29) mit Kufiya und Anti-Israel-Shirt
Das Gorki-Plakat zeigt Ensemblemitglied Karim Daoud (29) mit Kufiya und Anti-Israel-Shirt Foto: Maxim Gorki Theater/ Instagram
Michael Zöllner
Katharina Metag,

Die Kufiya in der einen, eine Gebetskette in Palästina-Farben in der anderen Hand und auf seinem Shirt der Umriss Israels ohne Israel! So präsentierte das Maxim Gorki Theater auf einem aktuellen Werbeplakat eines seiner Ensemblemitglieder. Gegen Antisemitismus engagierte Künstler sind entsetzt.

Das T-Shirt des im Westjordanland geborenen Schauspielers zeigt die Umrisse eines Landes, „das wohl als Einstaaten-Lösung ohne Israel zu verstehen ist“, beklagt der Verein Artists Against Antisemitism Berlin (Künstler gegen Antisemitismus Berlin).

In einer Mitteilung nennt der Verein das Plakat einen „eklatanten Fehlgriff, der nichts weniger als eine symbolische Auslöschung Israels darstellt.“

Auf dem Instagram-Kanal des Theaters gab es offenbar Proteste in den Kommentarspalten. Daraufhin sei die Kommentarfunktion zunächst eingestellt und kurz darauf das Bild von Karim Daoud ohne Erklärung gelöscht worden, so das Künstlerkollektiv.

Das Maxim Gorki Theater in Mitte wirbt mit einer umstrittenen Foto-Aktion für seine Spielzeit
Das Maxim Gorki Theater in Mitte wirbt mit einer umstrittenen Foto-Aktion für seine Spielzeit Foto: picture alliance / Schoening

Das Gorki will sich zu „Einzelpersonalangelegenheiten“ aus Rechtsgründen nicht äußern, wie es heißt. Laut Theater konnten die Ensemblemitglieder aber bei dem Shooting „nach freiem künstlerischem Ermessen im Rahmen ihrer Kunstfreiheit sich zu sie berührenden Themen individuell äußern, weshalb Posen, Hintergründe, Kostüme und Requisiten frei von ihnen gewählt wurden“, so das Gorki weiter. Vorgaben für das Shooting oder eine anschließende Kontrolle der Motive habe es nicht gegeben.

Gorki-Theater: Schauspieler haben Motive frei gewählt

Doch der Verein Artists Against Antisemitism Berlin benennt zwei weitere aus seiner „Sicht problematische Fotos der Kampagne, die weiterhin online sind.“

Konkret geht es um die Plakate von Maryam Abu Khaled (35) und Aleksandar Radenković (45). Eines zeigt die in Nazareth geborene Schauspielerin ebenfalls mit Kufyia und zugeklebten Mund vor der Kulisse zerstörter Bauten in Gaza.

Die umstrittenen Plakate der Ensemble-Mitglieder Maryam Abu Khaled (35) Karim Daoud (29) und Aleksandar Radenković (45)
Die umstrittenen Plakate der Ensemble-Mitglieder Maryam Abu Khaled (35) Karim Daoud (29) und Aleksandar Radenković (45) Foto: Maxim Gorki Theater

Das andere den serbischstämmigen Schauspieler mit rot bemalter Handfläche. Letzteres soll im Demonstrationskontext prinzipiell Blut an den Händen symbolisieren. Von Juden und im Zusammenhang mit pro-palästinensischen Aktionen wird die Geste jedoch als Hinweis auf den Mord an zwei israelische Soldaten in Ramallah und das Feiern der Tat verstanden.

Laut Gorki beziehen sich die rote Handfläche aber auf massive Studentenproteste in Serbien und das Plakat Maryam Abu Khaleds auf eine Absetzung des Stücks „The Situation“ nach dem 7. Oktober 2023 am Gorki.

„Wir sind der Auffassung, dass zumindest die ungeheuerliche Entgleisung der symbolischen Auslöschung Israels nicht unbeachtet und unwidersprochen bleiben kann“, schreiben Artists Against Antisemitism. Eine Beschwerde der Künstler und die Aufforderung zur öffentlichen Entschuldigung an das Theater sei bislang unbeantwortet geblieben.

Die zuständige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson will sich nun über die von ihr als verstörend empfundenen Motive mit der Hausleitung des Maxim Gorki Theaters austauschen, ließ eine Sprecherin auf Anfrage der B.Z. mitteilen.

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Themen: Antisemitismus Berliner Kultur Maxim Gorki Theater

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