Es ist DIE Herausforderung an Berliner Schulen: Immer öfter kommen Kinder zum Unterricht, die zu Hause kaum Deutsch sprechen. Die sogenannte ndH-Quote (nicht deutsche Herkunftssprache) liegt schon in 26 Hauptstadt-Schulen bei über 90 Prozent.
Die Schulsekretärinnen erfragen es bei der Anmeldung: Wird zu Hause vorrangig Deutsch gesprochen und klingt es bei Eltern und Kindern fließend, die Grammatik richtig? Immer öfter machen sie ein Kreuz bei „ndH“. An Grundschulen stieg der Anteil innerhalb von fünf Jahren von 45 auf 48,4 Prozent (Sekundarschulen 42,6/45,5, Gymnasien 28/30,3 Prozent).
Das Problem wächst vor allem an Grundschulen in Mitte (8), Neukölln (7), Kreuzberg (4) heran. In zwei Schulen sind fast alle Kinder betroffen – an der Jens-Nydahl-Grundschule 301 von 303 (99,3 Prozent), an der Sonnen-Schule (Neukölln) 322 von 328 (98,2 Prozent).
Die Bildungsverwaltung wollte die Zahlen nicht kommentieren. Erfragt hatte sie AfD-Politiker Tommy Tabor (43): „Sprachförderung allein reicht nicht, wenn an ganzen Schulen kaum noch ein sprachliches Vorbild existiert.“ Er fordert ein konsequentes Umdenken in der Integrationspolitik.
Erstklässler kennen das Wort Kreis nicht
Der aktuelle Bildungsmonitor zeige, so Tabor, dass Berliner Schüler bei den Kernkompetenzen Deutsch und Mathematik zu den Schlusslichtern gehörten. Auch liegt die Abbrecherquote (7,8 Prozent) über dem Bundesschnitt.
Was tun? Ein Beispiel aus Neukölln: Dort werden Erstklässler nach einem Sprachcheck in kleine Lerngruppen mit einer Extra-Lehrerin eingeteilt.
Wörter wie Scheune, Dach, Kreis werden für den laufenden Unterricht wie Vokabeln einer Fremdsprache gelernt. Außerdem nimmt die Klassenlehrerin Kontakt mit Oma, Tante, Cousine oder anderen Deutsch sprechenden Vertrauten auf, damit sie dem Kind zu Hause vorlesen oder ein Buch in die Hand drücken.
Eltern müssen mitarbeiten
„Schule kann viel, aber nicht zaubern“, sagt Ex-Bildungssenatorin und Ex-Schulleiterin Astrid-Sabine Busse (67, SPD). „Wichtig ist immer ein Team aus Elternhaus und Schule.“
Berlins oberster Elternvertreter Norman Heise (47) hält die ndH-Quote für kein relevantes Entscheidungs-Kriterium bei der Schulwahl. Bei Grundschulen hätten Eltern ohnehin keine Wahl, denn es geht nach dem jeweiligen Einzugsgebiet. Ausnahme: Das Schulprofil sagt nicht zu oder ein Geschwisterkind lernt bereits an einer anderen Schule.
Vor drei Jahren wollte der damalige rot-grün-rote Senat im Schulverzeichnis die ndH-Angabe streichen lassen. Es sage nichts über die Qualität einer Schule aus, sei nur stigmatisierend.
Ein Gutachten des unabhängigen Wissenschaftlichen Diensts des Abgeordnetenhauses befand damals: „Nach der geltenden Rechtslage im Land Berlin besteht grundsätzlich ein Anspruch auf Zugang (…) zu den statistischen Einzel-Schul-Daten.“