Neulich besuchte mich mein Vater in München. Er lebt in einer lieblich-verschlafenen Kleinstadt an der Ostsee, vom sommerlichen Zauber der Großstadt war er sofort hingerissen. Von den Brücken und Prachtbauten der ehemaligen Könige Bayerns, von der Isar, in der die Menschen schwimmen, vom prallen Leben rund um den Gärtnerplatz. Nur eine Sache schien ihm nicht zu behagen, ihn sogar nachhaltig zu irritieren. Auf fast allen Tischen, die wir passierten: Aperol Spritz. In den Händen vieler Spaziergänger: glänzende Bierflaschen. Dabei liefen wir durch die Mittagssonne. Mein Vater versicherte mir wortreich und aufrichtig, wie sehr ihm München doch gefalle und auch das Leben, das ich darin führe. Aber, sagte er: "Du wohnst in einer Säuferstadt."
Kommt jemand unverhofft am sonnigen Nachmittag mit zwei Drinks vorbei. Gibt es was Schöneres?
© Bela Mora Leal/​Connected Archives
Daydrinking: Es lebe der Sonnenschluck
Früher galt Alkohol tagsüber als asozial, nun gibt's zum Mittagessen den ersten Aperol. Völlig in Ordnung, findet unser Autor. Wie das Daydrinking salonfähig wurde.