Der Druckmaschinenbauer Koenig & Bauer ist mit 1600 Beschäftigten in Radebeul einer der größten industriellen Arbeitgeber Sachsens. Das Werk ist 1. Streikadresse und wird doch von der IG Metall gelobt. Der Check klärt auf.
Dresden. Das Druckmaschinenwerk der Koenig & Bauer AG in Radebeul gehört zu den Vorzeigeadressen der sächsischen Industrie. Das Werk ist mit rund 1600 Beschäftigten nicht nur der größte Maschinenbauer im Freistaat, sondern auch der Primus unter den 13 Konzern-Standorten in sieben Ländern. Der Betrieb erwirtschaftet mit Bogenoffsetmaschinen und zugehöriger industrieller Fertigung rund die Hälfte des Konzernumsatzes von 1,3 Milliarden Euro. Seine Exportquote von rund 90 Prozent ist mehr als doppelt so hoch, wie der sächsische und gesamtdeutsche Durchschnitt.
Koenig & Bauer mit Sitz in Würzburg ist nach Heidelberger die weltweite Nummer zwei der Branche - und steht zum Flächentarif. Ein Abschluss gebe der Belegschaft „das Gefühl, dass ihre Interessen und die Region mit ihren Lebensverhältnissen berücksichtigt wurden. Er vermittelt das Gefühl eines vernünftigen Kompromisses“, sagt Ex-Vorstandschef Andreas Pleßke. Das sei „eine nicht zu unterschätzende Stärke“, so der Manager, der am Jahresende in den Ruhestand geht.
Diese Haltung ist alles Andere als normal, in einem Bundesland, das bei der Tarifbindung Schlusslicht ist in Deutschland. Keine 20 Prozent der Unternehmen treffen mit Gewerkschaften Vereinbarungen zu Arbeitszeit, -bedingungen und Entgelten.