Darum gehts
San Salvador, kurz nach Sonnenaufgang. An einem Strassenstand brutzeln Pupusas, Maisfladen gefüllt mit Bohnen und Käse. Nebenan dröhnt der Berufsverkehr. Hunderte Angehörige von Inhaftierten haben sich versammelt. Sie halten selbst gebastelte Plakate in die Höhe – mit Fotos ihrer Kinder, Geschwister oder Partner. Darunter ein Satz, der immer wieder auftaucht: Libertad para los inocentes – Freiheit für die Unschuldigen.
Sandra Patricia Vázquez steht in der vordersten Reihe. Auf ihrer schwarzen Baseballkappe steht: Defendamos la inocencia – Verteidigen wir die Unschuld. Sie demonstriert gegen das Ausnahmeregime unter Präsident Nayib Bukele und fordert die Freilassung ihres Sohnes José (22). Er befindet sich seit über zwei Jahren ohne Anklage in Haft. In der Hand hält sie sein Foto. «Er hat als Uber-Fahrer gearbeitet, war immer ehrlich», sagt sie.