Gemeinsam mit der Stadt Eschweiler als untere Denkmalbehörde stellt der Eschweiler Geschichtsverein das industrie- und bergbaugeschichtliche Ensemble im Zentrum des Ortsteils Pumpe der Öffentlichkeit vor. Führungen sind um 11 und 15 Uhr.
Hermann Hoven und Leo Braun werden das ehemalige Pumpenhaus, das Graeserhaus, die so genannte Eisfabrik und das ehemalige Magazin der Bäckerei als bedeutende Zeugen des Steinkohlenabbaus auf dem Eschweiler Kohlberg und der frühen Industriegeschichte in Pumpe vorstellen und die Geschichte erläutern.
Das ehemalige Pumpenhaus ist eines der bedeutendsten Industriebaudenkmäler in Deutschland. Treffpunkt für Interessenten ist an der Stolberger Straße 2. Für die EZ stellt Leo Braun die Kernpunkte der Führung vorab vor.
Die Herrenkunst
Die Wasserkunst, das Heben des Grundwassers aus den Bergbaustollen, war und blieb eine der wichtigsten und aufwändigsten Aufgaben auf dem Eschweiler Kohlberg. Die Herrenkunst ist ein seltenes Beispiel für die Übertragung der in vorindustrieller Zeit hochstehenden Technik des Erzkohlenbergbaus auf den Steinkohlenbergbau.
Übertägige Relikte der 1596 bis 1606 erbauten und um 1750 erneuerten Herrenkunst sind allerdings nicht erhalten. Das ehemalige Magazingebäude von 1747 verweist noch auf diese Entwicklungsperiode. Im Zusammenhang mit der Herrenkunst entstand 1792/93 eine Newcomen-Maschine.
Das erhaltene Maschinenhaus, an der Ecke der Stolberger Straße/Luisenstraße, macht Eschweiler zu einem der wichtigsten Orte in der bergbaulichen Denkmallandschaft Deutschlands.
Um 1750 wurde also die Herrenkunst grundlegend erneuert. Ursache war wohl die Anlage eines neuen Stollens, der Herrenkunst-Sohle. Die alten Räder hatten vor etwa 100 Jahren einen Durchmesser von fünf Metern. Eines der Wasserräder war schon 1850 durch eine Turbine ersetzt worden. Die anderen beiden Räder blieben noch bis 1880 erhalten.
Die Padtkohlkunst
Um die Gruben Padtkohl, Kleinkohl und Rapp wieder in Förderung nehmen zu können, wurde Ende der 1770er Jahre die Padtkohlkunst aufgefahren. Zur Wasserhaltung legte man oberhalb der Herrenkunst die neue Padtkohlkunst (1776 bis 82) mit einem 14 Meter großen Wasserrad an.
Für das Kraftwasser musste ein Abflussstollen gebaut werden, der 1778 fertig war und bei Eschweiler-Pümpchen hervortrat. Er existiert heute noch als Padtkohlgraben, läuft vorbei an Hasselt zur Leuchter Mühle und mündet vor der Steinstraße in die Inde.
Auch auf der Padtkohlkunst wurde 1855 eine Wassersäulenmaschine in Betrieb genommen.
Die Newcomen-Maschine
Die immer wieder unzureichende Leistung der Wasserkünste auf dem Eschweiler Kohlberg führte 1793/94 zur Anschaffung und Aufstellung einer Newcomen-Maschine, eine Dampfmaschine, die in Lüttich gefertigt wurde. Zusammen mit der Herrenkunst förderten beide Anlagen das Wasser der Herrenkunstsohle in den Abflussstollen von 1778.
Für Johann Heinrich Graeser, der 1801/02 bei Wültgens-Englerth in den Dienst trat, gab es gleich zwei Herausforderungen. Die Newcomen-Maschine war unzureichend fundamentiert und musste auf einem neuen Schacht der 60 Meter tiefen Herrenkunstsohle errichtet werden. Die zweite wichtige Aufgabe war, die Erneuerung der 20 Jahre alten Padtkohlkunst.
Im Regelfall bewältigten die beiden Wasserkünste die Wasserhaltung. Die Newcomen-Maschine wurde nur bei außergewöhnlich starken Wasserzuflüssen eingesetzt. 1824 hieß es jedoch, die Maschine sei doch 24 Stunden am Tag in Betrieb.
Als Zeugnisse der ereignisreichen Geschichte einer bedeutenden Grube des Aachener Reviers und als einmalige Dokumente der Bergbaugeschichte in Deutschland sind das Maschinengebäude der Newcomen-Maschine und Fragmente der Herrenkunst (offene Radkammer) überliefert.
In einem Backsteinbau mit Satteldach war die Dampfmaschine untergebracht. Der Kessel hatte Fundamente und die Feuerstelle lag im nicht mehr zugänglichen Kellerbereich.
Nachdem Ferdinand Wültgens 1804 unverheiratet gestorben war, gründete Karl Englerth 1805 die Grube Centrum. Heinrich Graeser wurde Direktor der Grube, zu der 1814 vier Förderschächte mit drei Pferdegöpeln und einem Handhaspel gehörten.
Nachdem 1814 Karl Englerth starb, übernahm seine Frau Christine den Besitz und betrieb in den Jahrzehnten bis zu ihrem Tode 1838 ein energisches Ausbauprogramm. Im Jahr 1830 wurde der Hauptkunstschacht mit einer 70-Zoll-Dampfmaschine und 1833 der Wasserkunst Neugroßkohl mit einer 36-Zoll-Dampfmaschine ausgestattet. 1831 erwarb Christine Englerth die Anlage der Wasserhaltung auf Eschweiler-Pumpe.
Der Heinrichsschacht hatte mit zwei gewaltigen Dampfmaschinen von 300 und 600 PS und 18 Dampfkesseln die Aufgabe, den zersplitterten Betrieb der fünf Wasserkünste und sechs Dampfkünste auf einen Punkt zu konzentrieren.
Schon 1840 wurde die Newcomen-Maschine an der Ecke Stolberger Straße/Luisenstraße nach rund 40-jährigem Betrieb ausgebaut.
Das Graeser-Haus
Der zwei- bis dreigeschossige Bau in Hanglage wurde 1747 als Magazin errichtet. Es wurde 1802 als Wohnhaus für den 27-jährigen Bergmeister und späteren Direktor Johann Heinrich Graeser und seine Familie umgebaut. Das Haus wird bis heute als Wohnhaus genutzt und ist seit einigen Jahren im Privatbesitz.
Bäckerei und Kornspeicher
Als rückwärtiger Anbau an das „Graeserhaus” wurden 1853 eine eingeschossige Bäckerei und ein dreigeschossiges Getreidemagazin errichtet. Die inzwischen zur Mühle mit Bäckerei umgewandelte Herrenkunst lieferte den Bergleuten des EBV bis 1924 preiswertes Brot. Die Bäckerei konnte täglich bis 12 000 Pfund Brot liefern.
Der „Kornspeicher” ist ein viergeschossiger Backsteinbau mit flachem Satteldach. Das ursprünglich dreigeschossige Gebäude wurde um 1900 durch ein viertes Geschoss ergänzt. Durch den Umbau des Speichers 1924 zu elf Arbeiterwohnungen, wurden neue Geschossdecken eingezogen.
Die Eisfabrik
Die „Eisfabrik”, ein zwei- bis dreigeschossiger Bau von 1901/02, wurde über einem hohen Kellergeschoss aus Ziegelmauerwerk errichtet, das teilweise aus dem Umbau der Herrenkunst von 1750 stammt. Dort wurde bis 1914 Speiseeis für die Bergleute und Bergbaufamilien hergestellt. Danach wurde es zu Wohnzwecken genutzt. Vermutlich wurde das Gebäude über Turbinen errichtet, die zum Antrieb der Eismaschinen dienten.
Unter dem Keller mündet in einer ummauerten Kammer, von der Hangseite aus, ein wasserführender Stollen. Stollen und Kammer sind nicht zugänglich, aber vom Keller aus einsehbar. Der Stollen (Padtkohlstollen) führt untertage bis nach Eschweiler-Pümpchen.