ZEIT ONLINE: Die Gewalt von rechts nimmt zu, unter Jugendlichen ist rechtsextremes Gedankengut wieder sehr präsent, gerade gab es eine Razzia gegen ein junges Neonazinetzwerk. Erleben Sie das als eine Wiederkehr der Neunzigerjahre – oder passiert da etwas ganz Neues?
Kretschmer: Wir erleben derzeit eine besorgniserregende Entwicklung. Rechtsextremismus, insbesondere unter jungen Menschen, ist wieder sichtbarer geworden – auch durch die jüngsten Razzien. Natürlich erinnern sich viele an die Neunzigerjahre, in denen es massive Gewalt durch rechtsextreme Gruppen gab. Damals ist es mit einer Kombination aus konsequenter Strafverfolgung und sozialpädagogischer Arbeit gelungen, wichtige Erfolge zu erzielen.