Der Wiener Brototyp

Andrew Demmer führt seit fast 40 Jahren das legendäre Wiener Brötchenbuffet Trześniewski. Höchst erfolgreich, obwohl fast alles so ist, wie es immer schon war. Oder vielleicht gerade deswegen

Bild von Josef Redl
von Josef Redl
FALTER 18/2016 ,

In der Wiener Dorotheergasse 1 wird es ab elf Uhr Vormittag richtig eng. An den wenigen Tischen rücken wildfremde Menschen zusammen: Hofratswitwen, Studenten, Männer in den orangen Uniformen der MA 48. Hier ist jeder gleich. Hier isst jeder gleich. Ein kleiner Teller mit einer Auswahl an bestrichenen Brotscheiben, meist begleitet von einem Pfiff Bier. Hier ist seit 1904 das Stammhaus des Wiener Brötchenherstellers Trześniewski.

Das Unternehmen mit dem zungenbrecherischen Namen ist eine Wiener Institution. Alleine in der Dorotheergasse wandern jeden Tag rund 5000 Brötchen über die Budel.

In Zeiten von Glutenunverträglichkeit, Slowfood und Fusionsküche erscheint es eigentlich unmöglich, mit beinahe demselben Angebot wie vor 100 Jahren erfolgreich zu sein. Ein wertschätzender Umgang mit Mitarbeitern, lokale Lieferanten, moderate Preise - Trześniewski steht exemplarisch dafür, dass es dennoch funktionieren kann. Das ist unter anderem der Beharrlichkeit von Andrew Demmer zu verdanken. Und einem Versprechen, das er vor vielen Jahren abgegeben hat. Das war damals, im Jahr 1978, als Andrew Demmer das Geschäft in der Dorotheergasse von Maria Trześniewski übernommen hatte. "Da haben S'!", hatte die ältere Dame zu ihm gesagt und ihm einen Stapel mit Karteikarten überreicht. Darauf waren die geheimen Rezepturen der Trześniewski-Aufstriche notiert. Recht viel mehr gab es nicht zu sagen.

Nicht mehr.

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FALTER 18/2016 Cover

Dieser Artikel erschien am
03.05.2016 im
FALTER 18/2016

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