Nachbarn sind entsetzt über gestutzte Bäume – Stadt Kassel prüft Fall bereits
Ein Ehepaar aus Kassel-Bad Wilhelmshöhe ist überhaupt nicht einverstanden mit Baumschnittarbeiten auf dem Nachbargrundstück. Die Stadt pflichtet bei.
Kassel – Als Hans-Georg Thönges am 1. März aus seinem Fenster schaute, traute er seinen Augen kaum. Lauter Motorsägenlärm hatte bereits darauf hingedeutet, dass auf dem Nachbargrundstück massiv gearbeitet wird. Dann habe er gesehen, wie sich jemand an 17 großen Laubbäumen auf dem Nachbargrundstück an der Hunrodstraße zu schaffen machte.
„Die Bäume waren teilweise mehr als 30 Meter hoch“, sagt er. Er und seine Frau seien fassungslos darüber gewesen, wie sich eine Krone nach der nächsten verabschiedete – bis nur noch Stämme und Stümpfe übrig waren. Zum Teil wurden auch diese Baumreste noch ausgesägt, die entstandenen Mulden mit Erdreich verfüllt.
„Die Bäume waren teilweise mehr als 30 Meter hoch“ – Mann aus Kassel zeigt sich entsetzt
Hans-Georg und Micaela Thönges kritisieren zwei Dinge: „Erstens beginnt am 1. März die Brut- und Setzzeit. Ab diesem Zeitpunkt sind Baumschnittarbeiten gar nicht mehr erlaubt“, sagt der Bad Wilhelmshöher. Zudem müsse man sich laut Baumschutzsatzung für Arbeiten in diesem Umfang eine Genehmigung bei der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Kassel einholen. Auf Nachfrage habe das Ehepaar erfahren, dass der Fall bekannt sei und intern bearbeitet werde.
Erst einmal haben die Zwei daher abwarten wollen. Aber: „Als ich zuletzt noch einmal nachgehakt habe, wie es rund um das Thema aussieht und ob Ersatzpflanzungen geplant sind, habe ich keine Antwort mehr erhalten“, sagt Thönges. Auch zum Eigentümer des Grundstücks habe er keinen Kontakt.
Laut Stadt Kassel ordnungswidrig: „Massiver Eingriff in einen Baumbestand“
Auf HNA-Anfrage bestätigt die Stadt Kassel: „Anfang März ist der unteren Naturschutzbehörde ein massiver Eingriff in einen Baumbestand auf dem Grundstück Hunrodstraße 3 mitgeteilt worden.“ Mit ihrer Ahnung lagen Hans-Georg und Micaela Thönges also richtig. Laut Stadt ergab „die unverzüglich eingeleitete Überprüfung vor Ort ein ordnungswidriges Handeln“. Da es sich nun um ein laufendes Verfahren handele, könnten derzeit keine weiteren Angaben gemacht werden.
Micaela Thönges habe in den vergangenen Wochen mit einigen Nachbarn Kontakt gehabt. „Vor allem die älteren Leute sind richtig traurig“, sagt sie. Bislang habe man im Frühjahr auf ein dichtes Blätterdach geblickt. „Jetzt muss man sich diese Verschandelung der Bäume ansehen, und zwar in dem Wissen, dass sie das nicht überleben können.“
Die Qualität des Wohnraums habe durch diesen Eingriff massiv gelitten, findet sie. In unmittelbarer Nähe zum Bergpark und zur Waldorfschule seien in ihrem Viertel auch viele Kinder unterwegs. „Dass heutzutage noch so mit der Natur umgegangen wird, ist auch ein falsches Zeichen an die Schüler“, findet sie.
„Dass heutzutage noch so mit der Natur umgegangen wird, ist auch ein falsches Zeichen an die Schüler“
Das Ehepaar rechnet nun damit, dass Wurzelteile absterben, holzzersetzende Pilze und langfristig Fäule eindringen. „Die Zerstörung des Holzes könnte zum Verlust der Stabilität führen. Letztlich eine Gefahr für Passanten und Anwohner“, sagt Hans-Georg Thönges. Um welche Laubbäume genau es sich gehandelt habe, wisse er nicht. Umliegende Blätter deuteten auf Ahorn hin.
Seiner Meinung nach helfe jetzt nur noch die vollständige Entfernung der Überreste, um dann mit Neupflanzungen beginnen zu können. Eines aber steht fest: Bis an der Hunrodstraße wieder ein grünes Blätterdach zu sehen ist, dauert es ab jetzt viele Jahre. (Daria Neu)
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