„Am Anfang habe ich gedacht, das passiert nur mir“, sagt Ingeborg Marktl (64) aus Feldkirchen. Vor drei Jahren brach ihr einziger Sohn den Kontakt zu ihr ab: „Bis heute weiß ich nicht warum.“ Was die 64-jährige Juristin mittlerweile weiß: Sie ist nicht die einzige Betroffene. Kontaktabbrüche innerhalb der Familie kommen deutlich öfter vor, als sie in der Öffentlichkeit thematisiert werden. Aus diesem Grund hat Marktl in Kärnten die neue Selbsthilfegruppe „Kontaktabbruch“ für verlassene Eltern gegründet. „Es haben sich schon einige Leute, auch aus anderen Bundesländern, bei mir gemeldet.“ Am 3. Mai findet in Klagenfurt das nächste Treffen statt.
Selbsthilfegruppe „Kontaktabbruch“
Treffen. Einmal im Monat beim Dachverband der Selbsthilfe Kärnten (Gutenbergstraße 7, 9020 Klagenfurt). Das nächste Treffen findet am 3. Mai statt.
Kontakt. Nähere Informationen gibt es bei Ingeborg Marktl unter Tel. 0676/941 14 78 oder per Mail ingeborg.marktl@gmx.net
Marktl betont, dass es ihr nicht um Schuldzuweisungen geht: „Weder ich bin eine schlechte Mutter, noch ist mein Sohn ein schlechter Sohn.“ Die Gesellschaft solle wissen, dass es dieses Thema gibt. Und dieses werde nach wie vor tabuisiert und sei mit viel Scham besetzt. Fast ein Jahr habe sie nach dem Kontaktabbruch gebraucht, um sich wieder zu fangen, erzählt die Feldkirchnerin. Die Verzweiflung und der Schmerz waren groß. Marktl: „Nach einiger Zeit habe ich mir dann gedacht: Entweder ich zerbreche daran oder ich tue etwas.“ Aus diesem Grund sei sie auch immer sehr offen mit dem Thema umgegangen. Denn irgendwann hätten die Nachbarn gefragt, warum die Enkelkinder plötzlich nicht mehr im Garten spielen.
Buch geschrieben
Seit Gründung der neuen Selbsthilfegruppe hat die 64-Jährige bereits mit einigen Betroffenen gesprochen, denen Ähnliches widerfahren ist. „Es ist wichtig, dass man sich austauschen kann. Denn wer nicht spricht, zerbricht.“ Ihre eigene Geschichte hat die Juristin, die Geschäftsführerin des gemeinnützigen Beschäftigungsmodells „Neue Arbeit“ in Feldkirchen war, auch in einem Buch aufgearbeitet. „Wenn Schweigen die Antwort ist“ ist ein gruppentherapeutisches Selbstgespräch auf knapp 100 Seiten.
Marktl gibt die Hoffnung nicht auf, dass es irgendwann für sie und ihren Sohn einen Neubeginn geben wird: „Meine Türe ist offen. Dann wird es aber wichtig sein, nach vorne und nicht zurück zu schauen.“