Mehr Lärm für Anwohner seit A49-Lückenschluss – „Uns haben sie aber im Regen stehen lassen“
So kommen Betroffene mit dem gestiegenen Verkehrsaufkommen zurecht. Seit vier Wochen ist die Trasse an die A5 angebunden.
Baunatal/Edermünde - „Am Abend ist es jetzt nur noch ein einziges Lichtband“, sagt Arno Ludwig und zeigt aus dem Fenster seines Wohnzimmers. Auto reihe sich an Auto, Lkw an Lkw, Scheinwerfer an Scheinwerfer. Auf der nassen Fahrbahn entsteht in der Gischt tatsächlich ein rot-weißes Band. Von seiner Wohnung blickt der Kirchbaunaer direkt auf die Autobahn 49. „Die befestigte Fahrbahn ist genau sieben Meter von unserem Haus entfernt.“
Nach Meinung des 62-Jährigen hat der Verkehr auf der Verbindung von der A5 in Mittelhessen nach Kassel mit dem Lückenschluss am Ohmtal-Dreieck vor vier Wochen erheblich zugenommen. Es gibt Stimmen von Betroffenen über Nachteile des Autobahnausbaus – eben wie von Arno Ludwig. Und es gibt Argumente, die für die neue Verbindung ins Rhein-Main-Gebiet sprechen. Logistiker loben etwa die Zeit- und Kostenersparnis durch die Umgehung der Kasseler Berge über die A7.
Der Anschluss der A49 an die A5 sei eine logische Folge gewesen, sagt Arno Ludwig. „Uns haben sie aber im Regen stehen lassen“, betont er mit Blick auf fehlenden Lärmschutz neben den Baunataler Häusern. Die bisher direkt unter seinem Wohnzimmerfenster stehende Lärmschutzwand hätten die Behörden seiner Meinung nach um einige Meter erhöhen müssen. Sein Fazit: „Mit Sicherheit ist es jetzt im Schnitt zwei, drei Dezibel lauter als vor der Öffnung.“ Zumindest wünscht sich der Kirchbaunaer eine Absenkung von Tempo 100 in Höhe der Ortslage auf Tempo 60 für Lkw zwischen 22 und 6 Uhr.
„Mit Sicherheit ist es jetzt im Schnitt zwei, drei Dezibel lauter als vor der Öffnung“
Auf dem Weg nach Hertingshausen ist die A49 gegen 10.30 Uhr voll. Viele Lkw und Autos sind auf der zweispurigen Fahrbahn unterwegs. In unmittelbarer Nähe zur Autobahn liegt die Frankfurter Straße. Hier stehen Ein- und Mehrfamilienhäuser. Der Verkehr ist spürbar. Nicht nur sind die zahlreichen Fahrzeuge zu hören, sie sind auch zu sehen. In rund fünf Minuten fahren 17 Autos, ein Lkw und ein Bus die Straße in Hertingshausen entlang. Die Kennzeichen verraten, dass die Fahrer aus Kassel, Fritzlar und Homberg kommen. Sie alle sind auf der Durchfahrt.
Die Straße hinab befindet sich eine Abzweigung zum Spielplatz. Hier sollen sich Kinder und Familien treffen und ihre Freizeit genießen. Auch wenn die A49 nicht zu sehen ist zwischen den ganzen Häusern und die Kinder somit geschützt wären, komplett ausblenden lässt sich der Verkehr nicht. Die Geräuschkulisse ist deutlich wahrnehmbar.
Eine Anwohnerin an der Großenritter Straße kann das bestätigen. Ihr Haus steht direkt an der Kreuzung von Grifter-, Frankfurter- und Großenritter Straße. Wie sie berichtet, war die Ampel an der Kreuzung vor der Freigabe der Autobahnstrecke ausgeschaltet. Mit Eröffnung der A49-Strecke sei sie wieder eingeschaltet worden. „Seitdem stauen sich die Autos auf dem Autobahnzubringer vor meiner Haustür. Oft komme ich gar nicht von meiner Einfahrt runter“, sagt die Frau und ergänzt: „Zwei Tage hat es gedauert, bis die ersten Spiegel von geparkten Autos abgefahren wurden.“ Zudem könne sie die Musik aus den wartenden Autos von ihrem Wohnzimmer aus hören. „Von der einen Seite kommt Helene Fischer, von der anderen Deutschrap“, sagt sie mit einem Schmunzeln.
Fahrer können Zeit sparen – Logistik-Branche lobt neue Verbindung ins Rhein-Main-Gebiet
Lkw-Fahrer Timo Eidam macht indes Station an der Aral-Tankstelle direkt an der A49 bei Edermünde. „Na klar“, sagt der Bad Hersfelder auf die Frage, ob der Lückenschluss sinnvoll sei. Er spare jetzt bei der Rückfahrt nach Homberg/Ohm enorm Zeit. „Ich hätte sonst einen riesigen Bogen machen müssen“, sagt er und deutet den Umweg mit einer ausladenden Armbewegung an. Auch eine Fahrer-Kollegin aus Braunschweig, die ebenfalls an der Station eine Pause einlegt, sieht das so. Sie und Eidam wünschen sich aber zusätzliche Parkplätze entlang der neuen Strecke.
Seit der Freigabe der A49 sind in der Stadt Baunatal keine Beschwerden bei der Ordnungsbehörde eingegangen, teilt Sprecher Raphael Digiacomo mit. „Die Öffnung der beiden Fahrtrichtungen hat insgesamt eher zur Entlastung der Verkehrssituation beigetragen, da die Verkehrslast auf zuvor stark frequentierten Ausweichstrecken wieder abgenommen hat“, erklärt er. „In den Hauptverkehrszeiten kommt es zu Verzögerungen im Bereich der Abfahrt zum VW-Werk und der Landesstraße vor dem Haupttor“, so Digiacomo. Dies hänge mit den noch stattfindenden Arbeiten und im Bereich des Übergangs von der A49 auf die A44 zusammen. (Sven Kühling/Svenja Heckerott)