Trockenheit macht Wildtieren zu schaffen: Vermehrt dehydrierte Eichhörnchen in Göttingen
Die Eichhörnchenhilfe Göttingen versorgt derzeit vermehrt dehydrierte Tiere. Die Mitarbeiter haben Tipps, wie jeder helfen kann.
Göttingen – Pflanzen und Tiere leiden in Deutschland zunehmend unter der anhaltenden Trockenheit. In Göttingen bringt der geringe Niederschlag Probleme für die Wildtiere mit sich.
Wie die Eichhörnchenhilfe Göttingen berichtet, kommen viele der kleinen Nagetiere derzeit dehydriert in die Auffangstation.
März war der trockenste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen: Folgen auch in Göttingen sichtbar
Der März dieses Jahres war einer der trockensten Monate seit Aufzeichnung der Niederschläge im Jahr 1881, hieß es jüngst vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zeigt für den Oberboden, gemeint sind hier die oberen 25 Zentimeter, seit Anfang März zunehmende Trockenheit. Betroffen sind vor allem der Norden Deutschlands, Niedersachsen sowie große Teile in Nordrhein-Westfalen.
Es sei leider schon ein gewohntes Bild, berichtet Yvonne Rickmann von der Eichhörnchenhilfe Göttingen. Erst kürzlich kam wieder ein kleiner Patient zur privat und ehrenamtlich betriebenen Pflegestelle der Uni-Stadt. Einmal mehr völlig dehydriert, wie so oft in diesem trockenen Frühjahr.
Findelkind Lizop hat seine Mutter verloren: Eichhörnchenhilfe Göttingen päppelt ihn auf
Der kleine Lizop hat seine Mutter verloren. Wahrscheinlich ist er beim Spielen vom Baum gefallen. Dabei hat er sich seine Nase aufgeschlagen und leicht geblutet. Eichhörnchen-Mütter nehmen ihre Kleinen in so einem Fall nicht mehr zurück, erklärt Rickmann, da sie durch den Blutgeruch eine Gefahr für die Geschwister befürchten.
In der Pflegestelle wird das Findelkind derzeit mit Elektrolyten erstversorgt. Danach folgt die Behandlung seiner Wunden. Bis zu seiner Auswilderung wird er mehrmals täglich mit spezieller Aufzuchtmilch versorgt, bis er feste Nahrung aufnehmen kann. Lange hat der kleine auf Hilfe gewartet, sich dabei buchstäblich die Füße blutig gelaufen, auf der Suche nach Nahrung und Wasser. Bis ihn aufmerksame Menschen fanden, sich ihm annahmen und zur Pflegestelle brachten.
„Hier merkt man das trockene Frühjahr“, sagt Thorge Steinmetz, der in der Pflegestelle aushilft. Viele Wildtiere hätten derzeit große Probleme, Wasser zu finden. Viele Bäche seien ausgetrocknet. Dort wo sonst kleine Teiche oder verlässlich Pfützen zu finden seien, sind jetzt nur trockene Flächen. In diesem Jahr waren bereits zehn Pfleglinge bei der Eichhörnchenhilfe. „Davon sind zwei gestorben, sechs konnten bereits wieder ausgewildert werden. Aktuell leben noch zwei ‚halbstarke‘ Eichhörnchen bei uns, die in den kommenden Tagen in die Auswilderung gehen, darunter Lizop“, so Steinmetz. Im vergangenen Jahr waren es zur selben Zeit fünf bis sechs Pfleglinge.
Zu wenig Niederschlag in den ersten Monaten 2025: Wildtiere finden keinen Wasserstellen
Ein dringender Appell der Eichhörnchenhilfe an alle: „Bitte stellt Wildtieren Wasserstellen zur Verfügung.“ Schon kleine, mit Wasser gefüllte Schalen im eigenen Garten oder auf dem Hof würden ausreichen. „Das kann Leben von Wildtieren retten“, unterstreicht Yvonne Rickmann.
Wer noch mehr für die Natur und speziell für Eichhörnchen tun will, kann auch mit einer kleinen Futterstelle viel Gutes bewirken. Entsprechende Futterhäuschen gibt es in fast jedem Geschäft für Tierfutter. Mit einigen Walnüssen, Haselnüssen oder Sonnenblumenkernen bestückt – Eicheln eignen sich übrigens nicht als Futter – bilden solche Futterstellen gerade jetzt, wo zum Fellwechsel und der Aufzucht der Jungen viel Energie benötigt wird, eine willkommene Hilfe für die Eichhörnchen.
Im vergangenen Jahr habe es kaum Nüsse gegeben, teilt die Eichhörnchenhilfe mit. Die Vorräte der kleinen Nager aus dem Herbst seien oft längst aufgebraucht. Nebenbei bekommt man so Chance, die putzigen Tierchen aus der Nähe zu beobachten.
Augen auf beim Spaziergang im Wald: So erkennen Sie hilfsbedürftige Eichhörnchen
Wer ein Eichhörnchen sieht oder findet, dass offensichtlich Hilfe benötigt, für den haben die ehrenamtlichen Helfer einige Tipps. Dass ein Tier hilfsbedürftig ist, zeige sich zum Beispiel dadurch, dass es längere Zeit am Boden sitzt, einem folgt oder vielleicht sogar am Hosenbein hochläuft. Manchmal würde dieses Verhalten irrtümlich als Zeichen von Tollwut gedeutet, doch diese Erkrankung käme bei Eichhörnchen gar nicht vor, klären die Mitarbeiter der Göttinger Pflegestelle auf.
Ein Eichhörnchen, das Hilfe braucht, solle unbedingt gesichert werden, zum Beispiel, indem man es in einen mit Luftlöchern versehenen Karton setzt oder auch in einen Stoffbeutel packt und dann nach Hilfe bei dem Eichhörnchennotruf sucht.
Telefon: Hier gibt es Hilfe
Dieser ist erreichbar unter Telefon 0700/2002 0012. Hier werden die Anrufenden zur nächsten Pflegestelle weitergeleitet und dem kleinen Eichhörnchen wird fachkundig geholfen.
Kontaktdaten und weitere Informationen zu der Pflegestelle in Göttingen finden sich im Internet auf dem Facebookprofil der Eichhörnchenhilfe Göttingen. (Melanie Zimmermann)