Villach

Klapp­mes­ser war Waf­fe des 23-jäh­ri­gen Täters

In Villach und darüber hinaus herrscht tiefe Betroffenheit. Derweil macht ein Bild des 23-jährigen Täters in den sozialen Netzwerken die Runde.

Klapp­mes­ser war Waf­fe des 23-jäh­ri­gen TätersEine Polizistin nähert sich dem 23-jährigen Täter mit gezogener Dienstwaffe.

© Screenshot/Facebook/ORF

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Auch Rai­ner Dio­ni­sio, Lei­ter der Öffent­lich­keits­ar­beit des Lan­des­pres­se­diens­tes Kärn­ten, zeigt sich ange­sichts der Blut­tat tief betrof­fen: “So etwas habe ich in 20 Jah­ren Pres­se­ar­beit noch nie gese­hen.” Er bestä­tig­te, dass zwi­schen ers­tem Not­ruf und der Fest­nah­me des Täters sie­ben Minu­ten ver­gin­gen — die Poli­zei war mit ihren Ein­satz­kräf­ten dem­nach schnell vor Ort. Mitt­ler­wei­le konn­te die Tat­waf­fe sicher­ge­stellt wer­den: dabei han­delt es sich um ein Klapp­mes­ser mit einer Klin­ge von zehn Zen­ti­me­tern. Was ist bis­her noch bekannt?

Drei Ver­letz­te auf der Inten­siv­sta­ti­on

Ein 23-jäh­ri­ger Syrer hat ges­tern (15. Febru­ar 2025) im Bereich des unte­ren Haupt­plat­zes in der Vil­la­cher Innen­stadt mit einem Mes­ser wahl­los auf meh­re­re Pas­san­ten ein­ge­sto­chen. Indem ein 42-jäh­ri­ger Essens­zu­stel­ler den Mann mit sei­nem Fahr­zeug ange­fah­ren hat, konn­te wohl­mög­lich Schlim­me­res ver­hin­dern. Den­noch gibt es eine trau­ri­ge Bilanz: Ein 14-jäh­ri­ger Vil­la­cher erlag sei­nen Ver­let­zun­gen und fünf wei­te­re Per­so­nen wur­den zum Teil schwer ver­letzt. Alle Ver­let­zen kom­men aus dem Raum Vil­lach. Drei der Opfer befin­den sich der­zeit noch auf der Inten­siv­sta­ti­on, eines ist sta­bil und ein Ver­letz­ter wur­de in der Ambu­lanz behan­delt. Bei den Ver­letz­ten han­delt es sich laut Poli­zei um fünf Öster­rei­cher und einen Mann aus der Tür­kei.

Isla­mis­ti­scher Gruß?

Bei dem mut­maß­li­chen Täter soll es sich laut meh­re­ren Medi­en­be­rich­ten um Ahmad G. han­deln. In den sozia­len Netz­wer­ken macht in die­sen Stun­den ein Foto des Täters die Run­de, das ihn kurz vor sei­ner Ver­haf­tung am Sams­tag zei­gen soll: Am Bild ist zu sehen, wie er offen­bar lachend den Zei­ge­fin­ger sei­ner rech­ten Hand hebt — ein womög­lich isla­mis­ti­scher Gruß. Der 23-Jäh­ri­ge soll Asyl­wer­ber sein, bei sei­ner Fest­nah­me fand man näm­lich eine gül­ti­ge Asyl­kar­te. Bis­her war er weder kri­mi­nell noch poli­zei­lich auf­ge­fal­len.

“Allahu-Akbar”-Rufe nicht bestä­tigt!

Meh­re­re Medi­en haben heu­te Vor­mit­tag davon berich­tet, dass Zeu­gen “Allahu-Akbar”-Rufe wahr­ge­nom­men hät­ten — eine Bestä­ti­gung sei­tens der Poli­zei gibt es dazu noch nicht. Auch ist das Motiv des Täters noch völ­lig unklar. “Wir beleuch­ten das Umfeld und ver­su­chen, drin­gend Infor­ma­tio­nen zu bekom­men, um auf ein mög­li­ches Motiv zu kom­men. Da kann man momen­tan nur spe­ku­lie­ren, und das dür­fen wir als Poli­zei nicht. Des­we­gen müs­sen wir war­ten, bis wir gesi­cher­te Infor­ma­tio­nen haben”, erklärt Dio­ni­sio. Es müs­se also geklärt wer­den, ob die Tat ter­ro­ris­ti­sche Hin­ter­grün­de oder ob der Täter in einem Aus­nah­me­zu­stand gehan­delt habe. “Ob es eine Bezie­hung zwi­schen Täter und Opfer gege­ben hat, wis­sen wir auch nicht.”

Der­Stan­dard: Hin­wei­se ver­dich­ten sich

Der­Stan­dard berich­te­te soeben, dass der Täter geplant habe, sich von der Poli­zei erschie­ßen zu las­sen. Gegen­über dem Stan­dard wur­de bestä­tigt, dass gegen ihn Ermitt­lun­gen wegen Mor­des und ver­such­ten Mor­des ein­ge­lei­tet wur­den. Der­Stan­dard beruft sich hier­bei auf die Staats­an­walt­schaft Kla­gen­furt. Bri­sant: Aus Ermitt­ler­krei­sen heißt es, dass der 23-Jäh­ri­ge wäh­rend der Tat tat­säch­lich  “Alla­hu Akbar” geschrien und ein­ge­räumt habe, sich online radi­ka­li­siert zu haben. Auch im Umfeld von Innen­mi­nis­ter Ger­hard Kar­ner wird von einem Ter­ror­an­schlag aus­ge­gan­gen. Angeb­lich habe der Mann einen Treue­schwur auf den IS oder eine ande­re jiha­dis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on geleis­tet, so Der­Stan­dard in einem Online-Arti­kel.

Isla­mis­ti­sches Mate­ri­al?

Noch ges­tern Abend und heu­te Vor­mit­tag führ­te die Poli­zei meh­re­re Ein­sät­ze durch, unter ande­rem an der Wohn­adres­se von Ahmad G, wo er mit meh­re­ren Män­nern in einer Wohn­ge­mein­schaft gelebt hat. Eini­ge Medi­en berich­ten davon, dass in der Woh­nung isla­mis­ti­sches Mate­ri­al gefun­den wur­de, bestä­tigt ist das aber noch nicht.

“Woche der Trau­er”

Wie Bür­ger­meis­ter Gün­ther Albel bekannt gab, rief der Stadt­se­nat eine “Woche der Trau­er” aus. Am Tat­ort ist eine Trau­er­zo­ne ein­ge­rich­tet. Zudem soll es einen Trau­er­marsch in der Stadt geben und eine Gedenk­ver­an­stal­tung. Alle Faschings­fah­nen, die die Stra­ßen von Vil­lach zier­ten, sind mitt­ler­wei­le ent­fernt wor­den. Statt­des­sen wur­den vor den gesam­ten Schu­len schwar­ze Fah­nen auf­geh­hängt — die gan­ze Stadt Vil­lach trau­ert um den 14-Jäh­ri­gen.

Pres­se­kon­fe­renz um 11.30 Uhr geplant

Innen­mi­nis­ter Ger­hard Kar­ner, Lan­des­haupt­mann Peter Kai­ser und Lan­des­po­li­zei­di­rek­to­rin Michae­la Kohl­weiß wer­den heu­te ab 11.30 Uhr in Vil­lach eine Pres­se­kon­fe­renz über den aktu­el­len Stand der poli­zei­li­chen Ermitt­lun­gen geben. “KLiCK Kärn­ten” berich­tet davon und fasst alle wich­ti­gen Erkennt­nis­se der Ermitt­lun­gen nach der Pres­se­kon­fe­renz zusam­men.

Poli­zei bit­tet um Mit­hil­fe!

Sei­tens des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Inne­res wur­de eine Upload-Platt­form für Vide­os und Fotos akti­viert. Auf die­se Platt­form kön­nen alle Per­so­nen ihre auf­ge­nom­men Vide­os oder Fotos von der Tat oder vom Umfeld hoch­la­den.

Link: Upload-Platt­form

Zweck­dien­li­che Hin­wei­se kön­nen auch tele­fo­nisch bei jeder Poli­zei­dien­stel­le oder unter 059133/263333 (Kri­mi­nal­dienst Vil­lach) oder 059133/203333 (Lan­des­kri­mi­nal­amt Jour­nal­dienst) gemacht wer­den.

16.02.2025 10:15 - Update am: 16.02.2025 12:08
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Klapp­mes­ser war Waf­fe des 23-jäh­ri­gen TätersEine Polizistin nähert sich dem 23-jährigen Täter mit gezogener Dienstwaffe.

© Screenshot/Facebook/ORF