Auch Fabian Leendertz, Gründungsdirektor des Helmholtz-Instituts für One Health in Greifswald, hält in Anbetracht der öffentlich zugänglichen Daten einen natürlichen Ursprung für wahrscheinlicher. Leendertz war Teil der WHO-Mission, die Anfang 2021 in China nach den Ursprüngen des Virus suchen sollte und damals zu dem Schluss kam, dass eine Übertragung auf den Menschen über einen Zwischenwirt "wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich sei".
Skeptischer ist der Biophysiker Richard Neher. "Ich finde die Evidenz nicht zwingend", sagt er. Es handle sich um gute wissenschaftliche Arbeiten. Aber teilweise zögen die Autoren – vor allem zwischen den Zeilen und jenseits der Journale, also beispielsweise in den Medien – zu starke Schlüssen. Die geografischen Analysen, sagt Neher, seien wahrscheinlich verzerrt, beispielsweise durch frühe Falldefinitionen der Behörden. "Die dürften dazu geführt haben, dass vor allem Menschen getestet wurden, die auf dem Huanan-Markt waren oder in der Nähe wohnten", sagt Neher. Zudem belegten die Proben keinesfalls, dass die Tiere auf dem Markt wirklich infiziert gewesen seien. Es ist nicht auszuschließen, dass Menschen das Virus auf den Markt eingetragen haben.