Es entspricht dem Wesen Berlins, dass der angeblich zentralste Platz dieser Stadt ohne Zentrum ziemlich versteckt, man könnte auch sagen verloren, sicher aber ohne eigentliche Funktion, Gestalt oder Charakter mitten in Mitte liegt: der Gendarmenmarkt. Um den gibt es jetzt, auch das natürlich Berlin-typisch, Streit. Der wiederum wird nach ermüdenden Mustern geführt, ungefähr so ermüdend wie ein Blick auf den platten Platz ist, den man nun nach der langen Renovierungsphase bestaunen kann, wenn man will.
Aber will man? Und wann und wer und wozu? Anders gesagt: Was ist die Funktion eines Platzes im digitalen Zeitalter, das die Öffentlichkeit ja im Netz verschwinden lässt, die ein Platz jedoch physisch erzeugen kann? Wenn er denn dazu gedacht ist – und nicht nur als bürgerliche Durchgangszone dienen soll vom Taxi hoch zum Konzerthaus am Gendarmenmarkt, das gerade durch die rabiaten Berliner Kürzungen im Kulturbetrieb erfuhr, dass man mit weniger auskommen muss. Erst waren es 1,4 Millionen Euro Streichungen, dann nicht ganz so viel, der Kultursenator drehte wild an den Zahlen. Ein Festival mit interdisziplinären und experimentellen Formaten im Konzerthaus wurde abgesagt – aber sehr viel Interdisziplinarität und Experiment passt eh nicht zur Ästhetik dieses extrem hochwertigen horizontalen Plattenbaus von einem Platz vor der Tür des Konzerthauses.