1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Radikale Linke und Antisemitismus

Kommentare

Antisemitismusdebatte sorgt in Göttingens linker Szene für Spaltungen

Die „linke Protestlandschaft“ in Göttingen ordnet sich gegenwärtig neu. Hintergrund ist die interne Auseinandersetzung darüber, was letztlich als Antisemitismus gilt und wer als antisemitisch betrachtet werden darf.

Das ist die Erkenntnis einer aktuellen Studie des universitären Instituts für Demokratieforschung Göttingen. Hintergrund für die Forscher ist die Tatsache, dass aus linken Milieus zunehmend antisemitische Zwischentöne zu hören sind - im Zusammenhang auch mit Aktionen und Protestveranstaltungen zum Thema Gaza-Krieg. Die Bundesfachstelle Linke Militanz im Institut für Demokratieforschung wollte also wissen, wie die radikale Linke tatsächlich auf den Gaza-Krieg reagiert.

Anzeige

Die Untersuchung hat sich gezielt Göttingen als „Hochburg der radikalen Linken“ vorgenommen. Die Wissenschaftler analysieren an diesem Fall exemplarisch, welche Gruppen aus der linksradikalen Szene sich wie zum Gaza-Krieg positionieren. „Diese innerlinken Auseinandersetzungen haben Einfluss auf die bislang vorhandenen Identitäten und Strukturen“, erläutern die Autoren Philipp Scharf und Gregor Kreuzer.

Die Studie zeigt, dass auch innerhalb der linken Szene die gesellschaftliche Debatte über Antisemitismus reproduziert wird. „Es wird dabei sehr kontrovers darüber gestritten, was als Antisemitismus gilt und wer als antisemitisch betrachtet werden kann – oder nicht“. Fazit der Autoren: „Anhand dieser Auseinandersetzung ordnet sich die linke Protestlandschaft derzeit neu.“

Neue Definition von Antisemitismus

Dabei sollte auch betrachtet werden, dass die Auseinandersetzung um den Nahostkonflikt und Antisemitismus eine lange Tradition in der radikalen Linken hat, ja sie ist bis heute ein zentrales Erkennungsmerkmal der Szene. Verändert habe sich aber, dass sich neuerdings eine „postkoloniale Szene“ herausgebildet hat. Sie bringe eine alternative Definition von Antisemitismus in die Debatte ein. Eine Folge: Antizionistische Äußerungen werden als legitime Kritik legitimiert.

Demgegenüber steht in der Szene aber eine Antisemitismus-kritische Linke, sie engagiert sich gegen – linken – Antisemitismus, wie die Forscher berichten. Folge sind „innerlinke Konflikte um Begriffe und Deutungsmuster“ zum Thema Antisemitismus.

Ergebnis: Es gab in der radikalen Linken-Szene in Göttingen „organisatorische Spannungen“ bis hin zur Spaltung der Bewegung. Wie eine Neuordnung künftig aussehen wird, sei derzeit noch offen, so die Autoren, die an dem Thema weiter forschen werden. (Thomas Kopietz)

Pro-Palästina-Demonstration in Göttingen am 21. Oktober 2023 am Gänseliesel vor dem Alten Rathaus. Zu sehen sind palästinensische Fahren und Spruchbänder. Auf der Rathaus-Empore enthüllten Gegendemonstranten eine Israel-Fahne - es kam zu verbalen Auseinandersetzungen.
Pro-Palästina-Demo in Göttingen am 21. Oktober 2023 vor dem Alten Rathaus. Vertreten sind dabei meist auch Demonstranten der redikalen Linken. © Stefan Rampfel

Auch interessant

Dieser Inhalt von Outbrain kann aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen nicht geladen werden.

(Falls dieser Link nicht funktioniert, müssen Sie ggf. Ihre Adblocker-Einstellungen anpassen.)

Kommentare

Teilen

Dieser Inhalt von Engagently kann aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen nicht geladen werden.

(Falls dieser Link nicht funktioniert, müssen Sie ggf. Ihre Adblocker-Einstellungen anpassen.)

close

Bereit für den nächsten Schritt?

Jetzt anmelden und mehr Funktionen und Inhalte freischalten.

USER.ID, den Login-Service von IPPEN.MEDIA. Was ist USER.ID?