Prozess in Frankreich:„Ich habe abscheuliche Dinge getan“

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Joël Le Scouarnec auf einer Gerichtszeichnung vom ersten Prozesstag. Während der Verhandlung sitzt er in einer Glasbox im Gerichtssaal von Vannes. (Foto: Benoit Peyruco/AFP)

In der Bretagne hat der Prozess gegen den Chirurgen Joël Le Scouarnec begonnen, der 299 Kindern sexuelle Gewalt angetan haben soll. Weil der Platz im Gericht nicht reicht, werden viele der mutmaßlichen Opfer ausquartiert, als wären sie nur Randerscheinungen im größten Missbrauchsprozess in der Geschichte Frankreichs.

Von Oliver Meiler, Vannes

Ein schmaler, hoher Raum, 70 Plätze, alle besetzt. Das Strafgericht von Vannes in der Bretagne ist viel zu klein für den Prozess, der in fünf Minuten beginnen soll. Zu klein, um alle die Leben und Leiden zu fassen, über die hier verhandelt werden soll. Die Leben von 299 mutmaßlich missbrauchten Kindern, die jetzt Erwachsene sind. Und von deren Eltern. Manche Eltern fühlen sich als Mitopfer, sie wollen als Nebenkläger anerkannt werden, wie kann es auch anders sein?

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