Die Rede ist hier nicht von Tapeten. Denn Rauhfaser ist keine Tapete, auch wenn sie tapeziert wird. Sie ist - technisch gesehen - weniger als eine Tapete, nämlich ein Halbprodukt. Erst wenn das rauhe Papier mit den eingearbeiteten Holzfasern an der Wand klebt und mit Farbe gestrichen worden ist, darf es als Tapete bezeichnet werden, sagt die Tapetenindustrie. Der Seniorchef der Wuppertaler Papierfabrik Erfurt und Sohn, des weltweit größten Produzenten von Rauhfaser, erklärt das so: "Es besteht eine gewisse Haßliebe zwischen den Tapetenherstellern und uns. Wenn es in einer Ausschreibung zur Innenausstattung hieß: ,Tapete`, dann sagten die Tapetenhersteller: also keine Rauhfaserpapiere." Diese Angelegenheit sei sogar vor dem DIN-Normenausschuß debattiert worden. "Aber der Markt ist darüber hinweggegangen." Sein Unternehmen erwirtschaftet 150 Millionen Mark Umsatz im Jahr - hauptsächlich mit dem Halbprodukt. Auf zwei verkaufte Rollen fertiger Tapete kommt eine Rolle Rauhfaser.