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Einsamkeit auch in Kassel ein Problem – Corona-Pandemie wirkt nach

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Einsamkeit trifft Studierende, Senioren und Alleinerziehende. Auch die Pandemie spielt eine Rolle. Die Stadt Kassel versucht gegenzusteuern.

Kassel – Einsamkeit – ein Thema, das vor allem während der Corona-Pandemie in den Fokus rückte, ist bei vielen Menschen noch immer aktuell. Auch in Kassel und dem Landkreis leiden Menschen darunter, wie eine Anfrage unserer Zeitung bei verschiedenen Anlaufstellen zeigt. Betroffen sind längst nicht nur alte Menschen.

Dass das Thema alle Altersgruppen betrifft, hat man im Kasseler Rathaus schon erkannt und steuert mit Angeboten wie präventiven Hausbesuchen oder Spielkreisen für Eltern gegen. Sozialdezernent Norbert Wett spricht von einer gesellschaftlichen Herausforderung. Als Verstärker wirke Armut, fehlende Gesundheit und der Familienstand. Betroffen seien etwa Alleinerziehende, Verwitwete und Alleinstehende.

Kasseler Wohnungsmarkt: Mehr als die Hälfte lebt allein

Das zeigt auch der Blick auf den Kasseler Wohnungsmarkt. In 53 Prozent der Haushalte lebt nur eine Person. In manchen Stadtteilen, vor allem im Zentrum, machen Einpersonenhaushalte mit 65 Prozent sogar mehr als die Hälfte aus.

Einsam: Ein Mann steht mit einem Regenschirm auf einem Steg am Starnberger See in Bayern. Mit dem Entstehen von Einsamkeit und den Folgen – auch für die Gesellschaft – beschäftigt sich der Göttinger Soziologe Berthold Vogel in einem neuen Buch.
Auch in der Region leiden viele Menschen unter zunehmender Einsamkeit. © Victoria Bonn-Meuser/dpa

Alleinsein bedeutet aber nicht unbedingt einsam zu sein, stellt der Kasseler Soziologe Janosch Schobin klar. „Es ist meist nicht soziale Isolation, die einsam macht, sondern Isolation in Beziehung“, erklärt er im HNA-Interview. Was ihm Sorge bereitet, ist, dass zunehmend junge Menschen nach der Pandemie in einer Phase der Einsamkeit „hängenbleiben“.

Wie Kasseler Studierende gegen Einsamkeit kämpfen

Die Beratungsstelle des Studierendenwerks bestätigt diesen Eindruck. Einsamkeit ist laut Abteilungsleiterin Julia Thonfeld seit Jahren verstärkt Thema in den Gesprächen. „Uns besorgt das schon.“ Mit mehr Austausch und Lernpartnern ließe sich leichter durchs Studium kommen. Vor allem, wenn Studenten aus finanziellen Gründen noch bei den Eltern wohnten, abends aber nicht mit Kommilitonen ausgehen könnten, falle es schwer, Kontakte zu knüpfen. Insofern spiele auch Geld eine Rolle.

Das ist auch bei älteren Menschen der Fall, sagt der Baunataler Manfred Meibaum vom Vorstand des Kreisseniorenbeirats. „Altersarmut und Einsamkeit sind Themen, über die wir in jeder Sitzung sprechen müssen.“ Es gebe zwar viele Angebote in den Gemeinden, aber eben auch eine Hürde, diese anzunehmen. Diese Erfahrung machen auch Ehrenamtliche des Zuhörprojekts „Offenes Ohr“ der Kasseler Viva-Stiftung. Im Schnitt komme eine Person zum wöchentlichen Gespräch in die Treppenstraße.

Telefonseelsorge Nordhessen: Einsamkeit als Hauptthema

Es kann leichter sein, anonym über das Thema zu sprechen, sagt Salome Möhrer-Nolte von der Telefonseelsorge Nordhessen. 20 Prozent der Anrufer geben Einsamkeit direkt als Thema an. „Wir wissen es aber von sehr vielen mehr.“ Für manche sei der Anruf der einzige Kontakt. Einer sagte mal: „Gut, dass Sie mir heute gute Nacht sagen können.“ (von Valerie Schaub)

Einsamkeitsbarometer

Mit dem Thema Einsamkeit beschäftigt sich zunehmend die Politik. 2024 hat die Bundesregierung das Einsamkeitsbarometer veröffentlicht. Die Auswertung der repräsentativen Daten von 1992 bis 2021 zeigen, dass junge und alte Menschen besonders betroffen sind. Auch Armut, Migration und Care-Arbeit spielen eine Rolle. Bildung und Teilhabe wirken vorbeugend. Während die Einsamkeitsbelastung 2017 bei 8 Prozent lag, stieg sie 2020 auf 28 Prozent und sank 2021 wieder auf 11 Prozent.

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