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Ein Astloch als Vagina: Streit um Sex-Kunst in der Kasseler Markthalle – „Das war Zensur“

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Samstags wird in der Kasseler Markthalle Kunst gezeigt. Zuletzt war dort ein explizites Foto einer Vagina zu sehen. Das Vulva-Werk musste entfernt werden. Die Künstlerin beklagt nun Zensur.

Carlotta Sparbier ist immer noch enttäuscht, dass ihr Kunstwerk, auf das sie so stolz ist, nur 20 Minuten ausgestellt wurde. Mit anderen Künstlern der Gruppe Kassel Artists stellte die 21-Jährige vor zwei Wochen in der Kasseler Markthalle aus. Das Kollektiv darf sich jeden zweiten Samstag dort präsentieren. An jenem Tag wurde auch eine Arbeit von Sparbier gezeigt, und zwar eine Schwarz-Weiß-Foto-Collage, die ein Bild einer Vagina zeigt sowie ein Astloch.

Eltern mit Kindern beschweren sich über Kunstwerk – Künstlerin spricht von „Zensur“

Weil sich mehrere Gäste, darunter auch Eltern mit Kindern, über den Anblick beschwert hätten, wie Markthallen-Leiterin Kathrin Nolte sagt, bat sie die Künstlerin, das Werk wieder einzupacken. Sparbier versteht die Entscheidung bis heute nicht. Sie habe nur mitbekommen, dass sich ein Mann beschwert hatte: „Ich zeige lediglich das weibliche Geschlechtsorgan. Das war Zensur.“ Aber handelt es sich wirklich um einen Eingriff in die Kunstfreiheit?

Studentin und Künstlerin Carlotta Sparbier aus Kassel
Studentin und Künstlerin Carlotta Sparbier aus Kassel. © Foto: Privat/nh

Um diese Frage zu beantworten, muss man sagen, dass das Foto der Vagina tatsächlich sehr explizit ist. Wie die Markthalle haben auch wir uns entschieden, das Bild nicht zu zeigen. Markthallen-Leiterin Nolte begründete ihre Entscheidung damit, dass Besucher das Werk als „vulgär und zu übergriffig“ empfunden hätten. Sie versteht die Markthalle, in der sich unterschiedlichste Menschen treffen, auch als Kunstgalerie, aber es sollte „sich um Kunst für jede Generation handeln“.

Künstlerin Sparbier: Werk bekommt an anderen Orten „sehr positive Reaktionen“

Sparbier hat das Foto schon an anderen Orten ausgestellt und dort „sehr positive Reaktionen“ bekommen, wie sie sagt – etwa im Uni-Lokal in der Wilhelms㈠straße. Die Idee zu ihrem Kunstwerk kam der Germanistikstudentin bei einem Spaziergang im Habichtswald. An der Hessenschanze entdeckte sie „ein Astloch, das aussah wie eine Pussy“, wie sie sagt: „Den Gedanken hatte sicher jeder schon mal, der im Wald spazieren geht.“

Also fotografierte sie die Vagina aus Holz und eine echte Vagina und stellte beides gegenüber. „Das Kunstwerk soll darstellen, wie der Körper mit der Natur verbunden ist“, sagt Sparbier, die aus Hann. Münden stammt und neben dem Studium als Regieassistentin an der Komödienbühne Kassel arbeitet. Sie hätte das auch mit einem Ast machen können, der wie ein Penis aussieht oder wie ein Baum, der einer Lunge ähnelt.

Organisator: „Das Bild hätte nicht gezeigt werden dürfen“

Sparbier redet sehr offen über ihre Kunst. Sie war froh, dass sie ihre Bilder über die Gruppe Kassel Artists einer breiteren Öffentlichkeit zeigen konnte. Deren Leiter Hans Hebestreit bezeichnet es jedoch als Fehler, dass das Vagina-Werk in der Markthalle für 20 Minuten zu sehen war. Der Künstler aus Ahnatal organisiert mit Saskia Schulz die Kunst-Happenings in der Markthalle und sagt: „Das Bild hätte nicht gezeigt werden dürfen. Wir wollen dort keine anstößigen Bilder zeigen. Viele Kinder verstehen das nicht.“ Er habe das Bild vorher nicht gesehen und deswegen nicht einschreiten können.

Seine Kassel Artists werden am 22. Februar wieder in der Markthalle ausstellen – diesmal ohne Sparbier. Die präsentiert ihre Kunst ohnehin auch auf anderen Wegen. Unter anderem verkauft sie Abzüge ihres Vagina-Bilds. Im Format DIN A 1 kostet das Werk 60 Euro. Zwei Vagina-Fotos hat sie bereits verkauft. (Matthias Lohr)

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